Zuhause.

Eine schöne Frau wird immer mit dem Gesetz in Konflikt geraten, hat Khanom Basir einmal gesagt. Saba erwidert stumm: Aber eine kluge Frau macht ihre eigenen Regeln…
Dina Nayeli „Ein Teelöffel Land und Meer“

Ich bin kein zögerlicher Mensch. Es war eine neue Erfahrung für mich zu sehen, wie lange es gedauert hat, mich zu positionieren, was die Bedeutung (m)eines Schwerbehindertenausweises angeht.

Der Schwerbehindertenausweis ermöglicht ihren Besitzern, umsonst oder zu einem Sonderpreis Museen und andere Kultureinrichtungen zu besuchen. Das ist schön, für mich persönlich aber irrelevant, da ich diese Vorzüge auch durch meinen Presseausweis geniesse.

Den Punkt auf der Übersicht für Nachteilsausgleiche, dass Privatfahrten steuerlich abgesetzt werden können, verstehe ich nicht, was aber auch egal ist, denn ich habe kein Auto und fahre mit öffentlichen Verkehrsmitteln. In Bus und Bahn habe ich kein Anrecht auf einen Sitzplatz, denn ich bin weder seh- noch gehbehindert, glücklicherweise.

Es gibt einen Steuerfreibetrag, und das ist gut, denn ich habe seit Beginn des Dramas einiges an Mehrausgaben, was Ernährung, spezielle Pflegeprodukte und Salben angeht. Mittlerweile bin ich Stammgast in der Apotheke auf der anderen Straßenseite.

Keine Überstunden und fünf Tage mehr Urlaub passen zu meinem Vorsatz, den Stress bei der Arbeit zu reduzieren. Ausserdem habe ich meinen Arbeitsvertrag ändern lassen; statt 40 Stunden werde ich zukünftig 36 Stunden die Woche arbeiten und den Freitagnachmittag für sportliche Aktivitäten nutzen.

Ich fühle mich gesund und fit (bis auf ein paar kleine Einschränkungen), und dafür bin ich dankbar. Und hier bekommt der Ausweis dann doch noch seine besondere Bedeutung; der Ausweis steckt in meiner Brieftasche. Sobald ich sie öffne, sehe ich die giftgrüne Ecke, die mich daran erinnert, dass eben nicht alles ganz normal ist, auch wenn es sich so anfühlt. Der Ausweis dient mir als Reminder, achtsam zu sein. Den „Donnerschlag“, der mich Ende Februar traf, nicht zu vergessen und die mir geschenkte Zeit aktiv zu nutzen und nicht zu vertrödeln oder zu vergrübeln.

Ein Gedanke zu “18.08.2017

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