28.08.2022

Über die Dankbarkeit.

Es ist Freitag, ich greife mein Handy und den Haustürschlüssel und laufe vor die Haustür. Keine Zeit, mich umzuziehen; in kurzer Jogginghose, Shirt und Flipflops renne ich auf die andere Strassenseite. Weiter kann ich nicht rennen, denn jede Minute könnte mein Rewe-Lieferservice eintreffen, und den muss ich im Auge behalten. Menschenmassen sitzen, stehen und winken, fangen an zu klatschen, als das kleine Boot in den Sandtorhafen einbiegt. Fettes Brot, die Hamburger Kultband, die in den letzten Jahren nicht aktiv war, hat heute Mittag bekanntgegeben, dass sie entlang der Elbe Überraschungskonzerte spielen wird; eines davon direkt vor meiner Haustür. Ich freue mich und bin dankbar, dass ich diesen spektakulären Auftritt miterleben darf. Ein Freund kommt um die Ecke, auch er begeistert, die wogende Menge singt mit. Drei Anrufe mit unbekannter Rufnummer lehne ich ab, bevor ich doch rangehe: der Rewe-Lieferservice sitzt in meinem Treppenhaus. Ich sprinte zurück, entschuldige mich und bin dankbar, dass er nicht mitsamt meines Wocheneinkaufs von dannen gezogen ist. Ich packe aus, laufe zurück auf die andere Strassenseite, klatsche noch etwas mit, winke der Band zu, die unter Dankesrufen langsam aus dem Sandtorhafen schippert.

Am Samstag bin ich in Berlin. Ich bin dankbar, dass ich an dem Event der Mammomädels teilnehmen kann, die die Kampagne zum Brustkrebsmonat Oktober präsentieren, der wir ein Gesicht geben werden. Es wird eine tolle Kampagne werden, ich freue mich und habe beim Fotoshooting recht schnell „mein Foto“. Heidi würde zufrieden sein. Wir lachen, führen tolle Gespräche, nippen an unseren alkoholfreien Drinks, unser Blick schweift über die Dächer von Kreuzberg.

Tibet 2018, sagt die Frau, die ich auf dem Nachhauseweg an der Elbe treffe, ich halte an und strahle, na klar, es ist eine ehemalige Mitreisende, die mit mir im Basecamp des Everest war. Wir unterhalten uns, bis die Sonne untergeht.

Im Aussenbecken des öffentlichen Bades sind am Sonntagmorgen nur zwei Mitschwimmer auszumachen. Der Himmel ist blau, die Sonne strahlt, der Bademeister fragt, ob er mich etwas fragen dürfe, wir kennen uns ja, ich würde hier fast täglich schwimmen, aber ehrlich soll die Antwort sein: sitzt sein Shirt gut oder sehe er aus wie eine Presswurst? Sensationell, antworte ich, und meine es ehrlich. A. kommt mir entgegengeschwommen, als ich gerade das Becken verlassen will, ich hänge noch zwei Bahnen dran, um mir von ihrer Wienreise erzählen zu lassen, bevor ich mich mitsamt meinem Frühstück auf meinen Lieblingsplatz am großen Becken niederlasse. Was für ein schöner Morgen.

Ein Mensch stirbt. Ich kenne Dich nicht persönlich, wir haben uns ab und an geschrieben, und ich war immer beeindruckt von Dir, mit wieviel Würde Du Deiner unheilbaren Krebserkrankung begegnet bist. Immer nach vorne blickend, nie klagend, immer einen schönen Tag wünschend. Ich merke, wie mir die Tränen kommen. Und doch bin ich dankbar für diese virtuelle Bekanntschaft. Und für jeden Moment.

29.07.2022

Unterwegs.

Ein weiterer Anker hat sich gelichtet, denke ich, während ich meine Bahnen durch das Becken des öffentlichen Bades ziehe. Der Himmel ist grau, im Gras sitzen zwei Krähen und krächzen.

„Von Amts wegen ergeht folgende Entscheidung“; so beginnt das zweiseitige Schreiben der Behörde für Gesundheit. Die zwei Seiten kann ich in einem Satz zusammenfassen, und das auch noch verständlicher als es das komplizierte Behördendeutsch ist: mein Behindertenausweis ist ab sofort ungültig und wird eingezogen. Von 80 Prozent Schwerbehinderung auf 0 Prozent, von einem Tag auf den anderen bin ich also vom Amt für gesund erklärt worden.

Das muss ich reflektieren, genauso wie die Sonne, die sich jetzt hervorwagt, und sich im Blau des kühlen Wassers spiegelt. Seit März 2022 gelte ich (nach meiner Zeitrechnung) als geheilt, ab sofort nun auch als gesund.

Fakt ist: ich habe mich bereits am Tag der Operation, an dem beidseitig die Krebstumore entfernt wurden, für gesund erklärt. Diese Einstellung hat mir geholfen, positiv nach vorn zu gucken und nicht in eine Schockstarre zu verfallen, verängstigt, dass der Krebs zurückkommen könnte. Das kann er. Aber genau da setze ich an und bin aktiv (und diszipliniert), um das Risiko zu reduzieren. Es geht mir gut mit dieser Einstellung. Dass ich andere gesundheitliche Herausforderungen habe, liegt nicht am Krebs, und einen Behindertenausweis hatte ich schon einmal empört abgelehnt. Auch damals habe ich mich als gesund erklärt, auch wenn ich es im Rückblick nicht gewesen bin.

Der Behindertenausweis, den ich noch drei Monate weiter führen darf, bevor ich ihn zurückgeben muss (so ich dieses komplizierte Schreiben richtig deute), war ein Anker. Er steckte sichtbar in meinem Portemonnaie und erinnerte mich täglich daran, inne zu halten. Einen Schritt langsamer zu gehen. Ein Anker, der mich darauf aufmerksam machte, auf meine innere Stimme zu hören: wie geht es Dir?, fragt mich die Stimme, ich schaue mich an, überlege, beantworte die Frage mit Bedacht und justiere meine Richtung, wenn es nötig ist. Das ist gut, und das ist richtig.

Dieser Anker hat sich nun gelichtet. Und ich, ich bin wieder ein Stück freier und schwimme gelassen der Sonne entgegen.

11.07.2022

Unterwegs.

„Wir haben hier fünf Etagen“, sagt der freundliche Mitarbeiter an der Rezeption und zeigt auf eine Wendeltreppe. Ich schaue entsetzt, denn ich bin Orientierungslegastheniker. Das erste Mal in meinem Leben ging ich mit vier Jahren im Urlaub in Bulgarien verloren und musste von der Polizei gesucht werden. Auch in Dänemark bin ich schon abhanden- und nicht am Zielbahnhof angekommen, auch hier wurde die Polizei eingeschaltet (da war ich keine vier sondern volljährig).

Die große Schwester meines schicken Spas, das ich heute für einen Kosmetiktermin aufsuche, ist prädestiniert für mich, sozusagen ein Labyrinth on surprise. „Ich bin Orientierungslegastheniker“, sage ich zum Rezeptionisten, ohne weiter auszuholen, er hat mein entsetztes Gesicht korrekt gedeutet, lächelt freundlich und beschliesst, mich zur Damenumkleide zu bringen und mir die Wege zur Kosmetik und zum Pool direkt zu zeigen. Das finde ich sehr aufmerksam. Die Damenumkleide ist riesig: während ich in „meinem“ Spa den Spind Nummer 1 nutze, laufe ich hier von einem Raum in den nächsten, vorbei an Spind Nummer 167, 220, 300…die große Schwester meines kleinen Spas ist wirklich groß. Hauptsache, ich finde die Toiletten, denke ich. Und meinen Spind auf dem Rückweg, dessen Nummer ich vorsichtshalber in mein Handy tippe.

Ich mache mich auf den Weg Richtung Saunabereich, wo ist eigentlich der große Pool (eine Wendeltreppe tiefer) und wo die Tür, die mich wieder Richtung Kosmetikbereich bringen soll (am Ende der drölfzig kleinen Becken und Saunen), auch hier erbarmt sich ein Mitarbeiter und bringt mich in den von mir gewünschten Bereich.

Ich bin gestresst. Das ist ungefähr das, was man nicht erwartet, wenn man seinen freien Tag in einem schicken Spa verbringt. Im Kosmetikbereich erwartet mich die übliche meditative Musik mit Gongtönen. Angenehm ist die Stunde, denn wirklich zu reinigen gibt es in meinem Gesicht nichts, also keine Qual sondern Masken und Massagen.

Ich vergesse nicht zu fragen, wo es Richtung Umkleiden geht, denn schwimmen möchte ich hier auch. Ich finde meinen Spind, ziehe meine Badesachen an, gehe zu den Duschen, finde die Tür zum Saunenbereich und sogar die Wendeltreppe, die Richtung großen Pool führt, und bin jetzt doch ein bisschen stolz, das ich es so weit geschafft habe. Ich ziehe meine Bahnen, dort drüben zanken sich zwei Männer, dahinten liegt einer längs auf einem Sofa, ein Pärchen knutscht im Pool, und eine schlecht schönheitsoperierte und gebotoxte Mitstreiterin aus meinem kleinen Spa, das diese Woche den Schwimmbereich wartet, ist hier auch zugegen.

Schick ist es hier, wenn auch viel zu groß, denke ich, aber hier haben sie wirklich alles. Ich schaue mich suchend um. Alles? Nicht ganz alles. Den Swimsuit Dryer, den ich letzte Woche in meinem kleinen Spa entdeckt habe, den gibt es hier nicht. Und den, den finde ich zielstrebig wieder, auf meinem Weg, in meinem Spa.

Epilog

Warum ich das Reisen mag.

Vielleicht, weil ich die Kälte mag. Und die Wärme.

Vielleicht, weil ich das Rot und das Gelb der Wüsten mag. Und die Weiss- und Blautöne im ewigen Eis.

Vielleicht, weil ich den Blick in die Ferne schweifen lassen mag, über das Meer. Um dann vor mir auf den Boden zu blicken und Blumen zu entdecken, winzig klein.

Vielleicht, weil ich die Vögel singen hören mag, ganz früh am Morgen. Und das Knistern des schmelzenden Eises im Nordpolarmeer, das mag ich auch.

Vielleicht, weil ich Fernweh hab. Und ich die Welt so spannend finde.

Vielleicht, weil ich die Menschen mag, die ich von jeder Reise mitbringe. Und die Veränderungen meiner selbst. Die Erinnerungen, die ich mir bewahren werde, die mag ich auch.

Und vielleicht, weil mich die Intensität der Erlebnisse die Zeit länger erscheinen lässt.

Vielleicht, weil ich dann glücklich bin.

Logbuch Svalbard Tag 11

09.06.2022

Punkt 7.30h Email von T. an unsere Tischrunde, das den morgendlichen Weckruf des Schiffs auf humorvolle Weise interpretiert. Für den recap würde ein baby seal Video gesucht 😉 Ich teile es sofort und bin jetzt gutgelaunt.

Dann laufe ich ins Dorf, um in letzter Minute den Svalbard-Hoodie zu kaufen, um den ich schon mehrmals drumrum geschlichen bin.

Am Flughafen in Longyearbyen dann Chaos. Hier ist überall self-service, also kann ich niemanden fragen, ob ich in Tromso nicht ohne Umsteigen und Wartezeit weiter nach Oslo fliegen kann.

Der Tromso Airport ist eine Baustelle: erstmal Passkontrolle, dann Gepäck holen, in nen Bus und ab zum nächsten Terminal. Hier wieder Gepäck einchecken (diesmal geht es nur mit Hilfe) und wieder durch die Kontrolle. Ich frage mich, in wievielen Ländern ich gelandet bin; ich wähnte mich eigentlich nur in Norwegen.

Im Oslo Airport laufe ich erstmal durch einen Ausgang, den ich nicht als solchen identifiziert habe und muss mich dann auf illegalem Weg wieder zurückmanövrieren, um an mein Gepäck zu kommen. Auf dem Weg zum Hotel umwandere ich – nun mit Gepäck – den Flughafen, warte eine kleine Ewigkeit beim Check In obwohl mehr Staff als Gäste zugegen sind, überliste die laute und nicht auszustellende Klimaanlage, in dem ich das Fenster aufmache, um dann um 23.45h einen Anruf von der Rezeption zu bekommen, die meinen Namen nochmal rückbestätigen möchte. Es ist Zeit, nachhause zu kommen.

Logbuch Svalbard Tag 10

08.06.2022

„Can I watch the video of the baby seal a last time?“ fragt einer der holländischen Forscher. Alle lachen. Die Reisegruppe steigt in den Bus, der sie zum Flughafen bringen wird. Ich bleibe mit meinem baby seal Video zurück, da meine Flüge erst einen Tag später gehen. „Ich sende Euch allen das Video per email“, antworte ich, wir umarmen uns und nehmen Abschied.

Eben sass ich noch mit D. bei Chai-Tee und einem schönen Gespräch im kleinen Polarmuseum, nun bin ich allein. Ich werde etwas wehmütig, schlendere unschlüssig durch Longyearbyen, schaue in die Geschäfte ohne etwas zu finden, kaufe im Koop schliesslich Bananen und Knäckebrot und trinke einen Cappuccino auf der Terrasse eines Cafés. Draussen vorm Hotel weiden zwei Rentiere.

Logbuch Svalbard Tag 9

07.06.2022

7.40h. Ich sitze in der Bar. Die Musiker sind längst auf ihren Kabinen, der Tresen aufgeräumt, die Tische geputzt, die Sessel wieder ordentlich arrangiert.

Die Sonne streift über die Lehnen, den blaugemusterten Teppich und über die Berge. Heute Morgen werden wir mit den Zodiacs in Skansbukta anlanden und schauen, ob wir Puffins entdecken.

Keine Puffins in Skansbukta, dafür Steinschlag und ein Schneehuhn.

Die Sichtung des Schneehuhns, der Eisbären und die meisten Wale haben wir übrigens der Aufmerksamkeit unserer holländischen Forscher zu verdanken, die stundenlang an Deck ausharren. Ich revanchiere mich mit dem Video des Seehundbabies, das ich jedem enthusiastisch unter die Nase bzw. die Augen halte, gerne auch öfters.

In Borebukta werde ich richtig nass, ich sitze ganz vorn im Zodiac, die Wellen perlen von meinem Arktisoutfit ab. Es ist windig. Und kalt. Wir sehen noch eine Gruppe Walrosse , mich interessiert aber mehr eine heisse Dusche.

Die undefinierbare grün-pink-farbene Masse, die mit einem weissen Rand umsäumt ist, wurde als Alaska-Erdbeervariation angekündigt. „Schmeckt wie Marshmallows“, meint S. „Sieht aus wie Permafrost“, findet A. Wir haben hier einiges gelernt. Auch das man manchmal mit dem frischen Obst-Teller als Dessert doch besser beraten is(s)t.

Logbuch Svalbard Tag 9

06.06.2022

7.40h. Ich sitze in der Bar. Die Musiker sind längst auf ihren Kabinen, der Tresen aufgeräumt, die Tische geputzt, die Sessel wieder ordentlich arrangiert.

Die Sonne streift über die Lehnen, den blaugemusterten Teppich und über die Berge. Heute Morgen werden wir mit den Zodiacs in Skansbukta anlanden und schauen, ob wir Puffins entdecken.

Keine Puffins in Skansbukta, dafür Steinschlag und ein Schneehuhn.

Die Sichtung des Schneehuhns, der Eisbären und die meisten Wale haben wir übrigens der Aufmerksamkeit unserer holländischen Forscher zu verdanken, die stundenlang an Deck ausharren. Ich revanchiere mich mit dem Video des Seehundbabies, das ich jedem enthusiastisch unter die Nase bzw. die Augen halte, gerne auch öfters.

In Borebukta werde ich richtig nass, ich sitze ganz vorn im Zodiac, die Wellen perlen von meinem Arktisoutfit ab. Es ist windig. Und kalt. Wir sehen noch eine Gruppe Walrosse , mich interessiert aber mehr eine heisse Dusche.

Die undefinierbare grün-pink-farbene Masse, die mit einem weissen Rand umsäumt ist, wurde als Alaska-Erdbeervariation angekündigt. „Schmeckt wie Marshmallows“, meint S. „Sieht aus wie Permafrost“, findet A. Wir haben hier einiges gelernt. Auch das man manchmal mit dem frischen Obst-Teller als Dessert doch besser beraten is(s)t.

Logbuch Svalbard Tag 8

05.06.2022

Poolepynten.

Wir pirschen uns ganz leise an die Walrosse heran. Keinesfalls wollen wir sie stören oder erschrecken.

Da Walrosse extrem stinken, habe ich einen extra Tropfen Minzöl in meine Maske getan und atme durch den Mund. Mit Gestank kann ich nur schlecht umgehen. Fast eine Stunde beobachten wir die Gruppe männlicher Jungtiere, die am Strand herumliegen oder im Meer schwimmen, ihre Köpfe heben und grummelige Geräusche machen.

Im St. Johnsfjord sind wir wieder in Zodiacs unterwegs. Gletscher reihen sich aneinander, dazwischen schneebedeckte Berge, die sich in der glatten Wasseroberfläche spiegeln. Ein Seehundbaby taucht direkt vor mir auf und kommt neugierig näher. Ich filme die Szene. Und bin glücklich.

Abends BBQ auf Deck 5, wir sitzen in Skihosen und dicken Jacken um schön gedeckte Tische, wir Nordlichter lachen zusammen mit den holländischen Forschern.

Ich liege im Bett und höre Gesang, Lachen und Applaus. In der Bar nebenan ist Party. Ein Israeli hat seine Ukulele dabei, einer der Forscher spielt Gitarre, und jemand spielt Klavier.

Auch wenn ich schon im Bett liege, freue ich mich über die Lebendigkeit, die aus der Bar klingt.

Logbuch Svalbard Tag 7

04.06.2022

Ich ziehe meine Jacke über und laufe an Deck. Ein Grönlandwal wurde gesichtet; allerdings macht er mir nicht die Freude, noch einmal aufzutauchen (ich werde am Ende dieser Reise die wahrscheinlich Einzige bleiben, die weder Blauwal, Grönlandwal oder Zwergwale gesehen hat).

Statt Landgang entscheide ich mich für Gym und Jacuzzi.

Auch den Nachmittag vertrödele ich an Bord.

Beim Dinner geht es bei den Israelis mit den Festivitäten weiter. Wir haben diesmal Glück und bekommen Hummus, Yoghurtsauce und süsses Brot gereicht.

Logbuch Svalbard Tag 6

03.06.2022

Lillihoekbreen. Kalte, klare Luft. Gewaltige Gletscher. Berge, von Wolken umschleiert. Unendlich viele Blautöne. Verschneite, unberührte Täler. Knisterndes Meer, in dem man die Eisschollen schmelzen hört. Auffliegende Vögel. Wir, ganz klein im Zodiac.

Camp Zoe am Nachmittag: ich bin wieder bei den Beachbunnies: heute lernen wir etwas über Algen und Federn, interpretieren Einbuchtungen am steinigen Strand und beobachten den lila Strandläufer.

„Wir brauchen Militär“, sagen die Israelis. „Wir brauchen Demokratie“, sagen die Holländer. “Wir brauchen Leader“, sage ich, und ernenne T. kurzerhand zur Prime Ministerin und mich zur Queen. „Und was machen wir mit denen, die wir nicht brauchen?,“ fragt A. „Die schicken wir los, Hilfe holen“. Wir sitzen beim Dinner gehen gerade das Szenario was-wäre-wenn-wir-mit-diesem-Schiff-verschollen-gehen-und-überleben-wollen durch. Schwarzen Humor können wir.

Heute ist Shabatt; die beiden Isralis, die an unserem Tisch beim Dinner sitzen, werden von ihren Landesgenossen zu Wein und Gesang gebeten; vorher spricht der Älteste; wir hören interessiert zu. „Bless you all“, sagen die beiden, als sie wieder bei uns Platz nehmen; ihnen ist das ganze sichtlich unangenehm, sie sind nicht sonderlich religiös.

Karaoke im Jakuzzi mit den israelischen Jungs oder Whalewatching mit den holländischen Forschern? Wir deutschen Nordlichter entscheiden uns für die Ausschau nach Leben im Meer.

Logbuch Svalbard Tag 5

02.06.2022

Ice Edge, 80 Grad Nord.

Das Meer ist ruhig, das Wasser gleicht einer metallischen Oberfläche, die sich behäbig auf und ab bewegt. Die Eisschollen verdichten sich. Es ist kalt. Wir sind am Ice Edge angekommen.

Gestern Abend hatten wir einen lustigen Abend an der Bar; meine Freunde aus Hannover entdecke ich um 8.00h noch nicht an der frischen Luft, aber die holländischen Forscher sind schon auf Deck 4 aktiv. Auf Deck 5 stellen sich die Israelis für ein Gruppenfoto auf. Ich wandere umher und schaue aufs Meer, ob ich irgendwo Wale ausmachen kann. Wir sind jetzt geografisch dort, wo am Globus oben die kleine runde Metallkappe sitzt.

Nachmittags steht die Welt kopf. Im Raudfjorden spiegeln sich Wolken und schneebedeckte Berge im glasklaren Meer; wo unten und wo oben ist, das weiss man hier nicht so genau.

Stundenlang sitzen wir still in unseren Zodiacs und beobachten Eisbären.

Abendessen in fröhlicher Runde mit den Hannoveranern und den holländischen Forschern, danach geht es an Deck 5 in den Jakuzzi. Es ist 21.00h. Die Sonne scheint auf schneebedeckte Berge, während wir im Hot Tub mit Weisswein anstossen. Das Leben ist schön.

Logbuch Svalbard Tag 4

01.06.2022

„Ich habe einen Anzug dabei“, sagt H., ein deutscher Guide. „Für den Welcome-Abend!“ „Dann sind wir ein Match“, antworte ich. Ich habe ein Kleid im Gepäck. Auf Expeditionen ist das eher ungewöhnlich.

Mit Ny Ålesund besuchen wir die letzte Location mit menschlichem Leben: hier wohnen Forscher aus aller Welt; circa 80 Bewohner im Winter und 250-500 Bewohner gibt es in der Sommerzeit. Hier befindet sich auch der nördlichste Briefkasten der Welt; den südlichsten (Port Lockroy/Antarktis) und den höchsten (Everest/Tibet) habe ich ja schon gesehen.

Im Ossiansarsfjellet landen wir in Zodiacs an. Ich habe mich für die Beachtour entschieden. Ich ziehe das Innehalten und ruhige Beobachten der Natur den Hikingtouren vor (man könnte auch sagen: ich bin faul).

Wir lauschen einer singenden Schneeammer. Wir sehen eine brütende Kolonie von Dreizehenmöwen. Wir finden die Schlafplätze der Rentiere und lernen zu interpretieren, wie sie schlafen. Wir entdecken ein abgenagtes Skelett und Geweih eines alten Rentieres, das von einem Eisbären gefressen wurde. Wir freuen uns über kleine lila Blümchen, die sich ihren Weg durch Matsch und Eis bahnen. Wir lernen zu verstehen, wie alles hier zusammenhängt und eine Symbiose eingeht.

Man muss nur stehenbleiben und findet die faszinierende Welt direkt vor den Füssen.

Logbuch Svalbard Tag 3

31.05.2022

Im örtlichen Museum in Longyearbyen packt ein älterer deutscher Mitreisender seinen Laptop aus. „Ich zeige Ihnen jetzt meine Fotos von der Besteigung des Kilimanscharos“, verkündet er. Ich bin irritiert, lasse es mir aber nicht anmerken und lausche zwischen ausgestopften Eisbären und Polarfüchsen geduldig seinen Afrika-Geschichten.

„Das war 2010“, sagt T., der ich nachher von dieser skurillen Begegnung berichte. Auch sie hat schon Bekanntschaft mit dem Bezwinger des Kilimanscharos und seinen Fotos gemacht.

Der PCR-Test ist lax, trotzdem werden zwei Mitreisende positiv getestet. Beim Dinner später an Bord klagt die Italienerin an meinem Tisch über Heiserkeit und Halskratzen. Das fängt ja gut an.

Überhaupt wird es nochmal turbulent; angeblich ist eine Teilüberweisung von mir nicht beim Veranstalter eingetroffen, ich überweise ein zweites Mal (und verpasse dadurch die Sightseeingtour), da ich nicht möchte, dass die Drohung, nicht aufs Schiff gelassen zu werden, wahr gemacht wird. Das Thema werde ich zuhause aufarbeiten.

Beim Einchecken entspanne ich mich wieder: ich habe ein upgrade bekommen und damit eine wunderschöne Kabine samt begehbarem Kleiderschrank für mich allein.

Logbuch Svalbard Tag 2

30.05.2022

Where are you from? India! Italy! USA! Germany! Japan! Unsere Hundeschlittenwagentour, die ich mit fünf meiner internationalen Mitreisenden machen werde, ist bunt gemischt; unser Guide fügt sich gut ein, er kommt aus Dänemark.

Zwölf Hunde, eine Mischung aus Huskies und Grönlandhunden, werden angespannt, ruckeln aufgeregt an ihrem Geschirr, springen durcheinander und bellen aufgeregt. Sie können es kaum erwarten, dass es losgeht. Wir auch nicht. Es geht los; sofort verstummt das Gebell, die Hunde laufen gleichmässig und konzentriert. Rechts das Meer, links der kleine Flughafen (davor der Zeltplatz mit drei Zelten, auf dem 2020 ein Mann einem Eisbären zum Opfer fiel) und um uns herum die schneebedeckten Berge. Regelmässig wird Pause gemacht, damit die Hunde trinken können. Ob man die streicheln könne? Na klar, sagt der Guide, die Hunde freuen sich!

Der Fahrtwind weht uns eisig um die Ohren. Die Japanerin schlägt die Hände vors Gesicht und kichert, als ich einen Witz mache, die Inder schlagen ihre Hände vors Gesicht, weil sie frieren. Arktische Temperaturen sind sie nicht gewohnt.

Heute Vormittag haben wir auch schon gefröstelt, als es bei Minus 2-Grad durch die dunklen Stollen eines verlassenen Bergwerks ging. Dort befindet sich hinter einer schweren Eisentür das Arctic World Archive, in dem auf Mikrofilmen Dokumente für die Nachwelt aufbewahrt werden.

Das Abendprogramm – ein Dinner im Bergwerk – schwänze ich und nehme eine lange heisse Dusche.

Funfact: Dank meiner professionellen Arktis-Jacke des Veranstalters werde ich permanent für den Guide gehalten: beraten über Antarktisreisen kann ich sehr gut. Die Frage, ob man seine Sachen im Bus lassen kann, beantworte ich lieber nicht.

Logbuch Svalbard Tag 1

29.05.02022

„Wie gut spricht die Anja denn englisch?“ fragt mich die Dame bei der Einweisung für die nächsten beiden Reisetage. Die Anja antwortet: „sehr gut“. Und meldet sich als Freiwillige für die internationale Gruppe. Positiver Nebeneffekt: die Internationalen starten nicht wie die Deutschen morgens um 7.00h mit dem Programm, sondern können entspannt frühstücken, um dann um 10.00h das Bergwerk zu besichtigen, erst nachmittags wird es mit den Hundeschlitten in die Natur gehen. I like.

Die Mittagszeit habe ich im strahlenden Sonnenschein mit S. und M., einem sympathischen Paar aus Scharbeutz, verbracht. Wir haben uns gestern bereits zufällig auf dem Flughafen in Kopenhagen kennen gelernt und sind alle drei einen Tag früher angereist. Wir Nordlichter verstehen uns sehr gut und tauschen unsere Antarktiserfahrungen samt Pinguinbilder aus.

Nachmittags bummele ich durch die drei Strassen, die es hier gibt. S. und M. haben sich eine Tour mit dem Katamaran organisiert, ich muss heute irgendwo eine Pinzette auftreiben. Erschwerend kommt hinzu, dass es hier nicht nur nur drei Strassen gibt, es ist auch Sonntag. Challenge accepted.

Im rappelvollen Dorfcafé, in dem sich anscheinend alle Einwohner versammelt haben, bestelle ich mir einen Cappucino und ein veganes Stück Schokokuchen. Und erblicke an einem Tisch die Frau, die gestern auf dem Flug von Oslo nach Longyearbyen neben mir gesessen hat. Sie lacht mir zu. Ich setze mich zu ihr. Die Norwegerin ist wie ich das erste Mal auf Svalbard; allerdings ist sie geschäftlich unterwegs; sie wird morgen einen Vortrag über den Tourismus halten. Wir unterhalten uns über das Reisen, interkulturelle Begegnungen, sie erzählt von ihrem Bruder, der Botschafter in Brasilien ist, wir sprechen über Russland und der ägyptischen Haltung zur Situation und noch viel mehr.

Fühlte ich mich heute Morgen noch etwas mulmig, als ich durch die menschenleere (und zum Glück eisbärenfreie) Gegend gewandert bin, bin ich nun in meinem Element und socialise.

Ich finde sogar einen Supermarkt, der geöffnet hat. Samt Pinzette.

Und nun: auf ins Outdoor-Jakuzzi!

Prolog.

28.05.2022


Die Sonne geht nicht auf. Die Sonne geht nicht unter. Sie steht am Himmel und tut das, was sie am besten kann: sie taucht die schneebedeckten Berge, die unter uns liegen, in prächtiges Licht. Sie erweckt die bunten Holzhütten in Svalbard zum Leben. Sie lässt das Nordpolarmeer glitzern , meine Augen zusammenkneifen und meine Haare glänzen. Sie strahlt auf diese unwirkliche Szenerie, in der ich gerade gelandet bin. Ich mag die Sonne, die hier Tag und Nacht für uns scheinen wird.

24.05.2022

Pre-Prolog.

Ob ich glücklich sei, fragt sie mich, nachdem ich ihr erzählt habe, wie ich lebe, und schaut mich erwartungsvoll an. Wir sitzen hoch oben auf dem Holzboden einer Baumhütte, es ist der einzige Raum, den es hier gibt. Vor mir eine Tasse mit Tee, hinten an der Wand der Schrein mit Buddha und den Nats, das sind Naturgeister, an die man in Burma glaubt. Strom und fliessend Wasser gibt es nicht, genauso wenig wie Badezimmer oder Küche; hier wird für alles der kleine Bach genutzt. Ob sie glücklich sei, frage ich meine Gastgeberin. Sie strahlt und bejaht. Sie habe Kinder, die sie besuchen kommen und sie habe ein Zuhause.

Mittagshitze. Die Sonne scheint unbarmherzig auf uns hinab. Mein Guide marschiert stundenlang mit mir durch Reisfelder, wohin genau, das wird sich zeigen. Die Wanderung endet vor einigen runden Strohhütten, auf deren Dächern dünne Fladenbrote getrocknet werden. Wir kriechen in eine Hütte hinein, wo eine Frau auf dem sandigen Boden vor einem Feuer sitzt und backt. In Nullkommanix tauchen die anderen Dorfbewohner auf und starren mich an. Fremde wie mich kennt man hier nicht.

Die kleinen Jungs in Thanliyn umzingeln mich und halten ihre dunklen Ärmchen neben meinen, der so viel heller ist: Farbabgleich. Aufgeregt wird diskutiert. Im Waisenhaus freut man sich über die willkommene Abwechslung. Beim Essen, es gibt Reis mit Gemüse, bin ich die einzige, die ein Besteck bekommt; traditionell wird mit den Fingern gegessen.

Die Nacht beim Goldenen Felsen im Mon-Staat, in der ich kein Auge zugemacht habe; Ameisen, Motten und Lizzards frequentierten mein Zimmer, um 4.00 Uhr im Morgengrauen folgten Lautsprecherdurchsagen der Mönche. Du hattest Lizzards im Zimmer?, strahlt meine Begleiterin. Die bringen Glück!

Die Palästinenserin im Westjordanland erzählt uns die Geschichte ihres Olivenhains, in dem eines Tages die Israelis mit Baggern stehen, um eine Mauer zu bauen. Nach dem Mittagessen, das wir in in ihrem Esszimmer eingenommen haben, fahren wir in den Garten und stehen an der Mauer, hinter der sich eine israelische Siedlung erhebt. Wir pflanzen gemeinsam einen neuen Olivenbaum.

Ich erinnere mich an den Ritt durch die Anden, durch Rinderherden hindurch und über kleine Pfade an Abhängen entlang, auf die mein Pferd – Manteca – sicher seine Hufe setzt. Später lande ich im Graben, über den mein Pferd nicht springen will.

Ich mag Begegnungen in der Ferne, ich mag es, mich auf überraschende und mir unbekannte Situationen einzustellen, mich treiben zu lassen und neugierig zu schauen, was passiert.

Und ich mag die Farben und die Töne in der Ferne: den unendlichen Wüstensand, gelb in der Sahara und rot in Wadi Rum, erwachende Geysire in der Atacama-Wüste, die funkelnden Blautöne im Süd- und im Nordpolarmeer, das Kalben der Gletscher, die mit dumpfen Krachen ins Meer kippen. Die Wolke, die sich langsam zur Seite schiebt und den Blick auf den Everest freigibt, hoch oben im Basecamp auf 5.200 Metern. Die laut krächzenden Krähen im riesigen Mangobaum, unter dem ich in Yangon mit einem Buch liege. Die Dschungelgrenze, die wir als Backpacker überqueren, irgendwo zwischen Chile und Argentinien. Das gelbe Straßenlicht in den schwarzen Nächten von Livorno. Das Rauschen der Meere.

In der Ferne entdecke ich nicht nur die Vielfalt dieser Welt; ebenso entdecke ich mich.

Funfacts:
1. ich könnte schon wieder einen Prolog starten und erzählen, was ich im Sommer alles in meinen Koffer packe (Skihose, Schal, Handschuhe, dicke Unterwäsche…)

2. ich werde am Samstag diejenige sein, die in Arktisjacke und Wanderstiefeln am Flughafen zwischen Mallorca-Reisenden in Flipflops stehen wird.

Pre-Prolog

Alle Flüge meiner Reise – und es sind insgesamt sechs Flüge – wurden zwischenzeitlich gecancelt oder verlegt. Statt am 29.5. fliege ich nun am 28.5. in die Arktis. Und ich fliege einen Tag später zurück. Damit habe ich zwei zusätzliche Tage und Nächte in Longyearbyen. Longyearbyen ist eine ehemalige Minenarbeitersiedlung, die 1.050 Kilometer vom geografischen Nordpol entfernt zwischen schneebedeckten Bergen liegt.

Ich habe nun auch einen Zwischenstopp in Tromso und eine Nacht in Oslo statt in Kopenhagen. Da muss man flexibel sein.

Spitzbergen hat 2.600 Einwohner (von denen die meisten in Longyearbyen leben) und mehr als 3.000 Eisbären. Eisbären sind neugierige Tiere. Seit 1970 wurden auf Spitzbergen sechs Touristen von Eisbären getötet, der letzte im August 2020 auf einem Zeltplatz. Zelten werde ich nicht. Wir werden den Großteil unserer Zeit in Zodiacs – das sind schnittige Schlauchboote – verbringen und die Natur samt seinen tierischen Einwohnern in aller Stille beobachten. Kann meine knallrote Arktisjacke bei den tierischen Einwohnern Neugier erwecken? Ich hoffe nicht. 

In Longyearbyen schneit es gerade. Die Temperaturen bewegen sich zwischen 1 und -6 Grad. Ich mag Schnee. Und Reisen in abgelegene Gebiete sowieso.

Logbuch Côte d‘Azur

20.03.2022 – Tag 3

Das Gute mit mir selbst zu verreisen ist, dass ich nicht weiss, was ich im nächsten Moment machen werde. Auch wenn mir einerseits ein sturer Wesenszug nachgesagt wird, bin ich doch auch ein Meister der Flexibilität.

Ich verlasse das Hotel und weiss noch nicht, wohin es mich verschlagen wird. Monaco? Musee Matisse? Oder doch Saint Jean Cap Ferrat? Der Bus Nr. 12 hält. Ich steige ein. Lt App sollte ich bis…ach was..ich höre auf keine App und keine google map und steige einfach an einer anderen Haltestelle aus als die, die die App vorschlägt, warte auf die Linie 400 und fahre in Richtung Fondation Maeght. Dort steige ich dann doch nicht aus, ich habe jetzt Lust auf St Paul de Vence. St Paul de Vence ist ein kleines pittoreskes Dorf hoch oben auf dem Hügel. Ich wandere am Fusse des Dorfes entlang, es duftet nach Blumen, Orangenbäume tragen Früchte, ich blicke über grüne Hänge und Täler.

Der Weg endet auf dem wohl schönsten Friedhof der Welt, der am Rande des Dorfes liegt und über die Côte d‘Azur blickt. Ich besuche – wie immer, wenn ich hier bin – das Grab von Marc Chagall, dessen Gemälde ich gestern wieder bestaunt habe.

In einem kleinen Shop duftet es nach Oliven, Trüffel und Lavendel: man bietet mir Popcorn mit Trüffelsalz an (mega), ich teste eine Olivenhandcreme (bio) und erstehe Souvenire.

Oha! Der Rückweg wird eine Herausforderung, denn meine Haltestellen gibt es nicht. Die App, auf die ich nicht höre, will mich beim Umsteigen kompliziert durch eine obskure Gegend lotsen, das lehne ich natürlich ab. Dann evtl bis….die Fahrkarte erst in der Tram entwerten, sagt der Busfahrer, mit der Tram (?) plane ich zwar nicht zu fahren, aber wer weiss, wie ich aus den Bergdörfern am Sonntag wieder zurückkomme…

Ich nehme am Parc Phoenix tatsächlich die Tram, entwerte mein Ticket und bin doch recht froh, wieder nach Nizza zurückgefunden zu haben.

Logbuch Côte d‘Azur

19.03.2022 – Tag 2

Statt für die Villa Rothschild (Plan 1) oder die Fondation Maeght und St Paul de Vence (Plan 2) entscheide ich mich für das Musee Chagall, das auf einem Hügel oberhalb Nizzas liegt. Ich bin gespannt, was ich dort fühle; das letzte Mal war ich vor der Erkrankung dort. Zumindest spare ich diesmal den Eintritt und werde mit meinem Behindertenausweis durchgewunken.

Leicht sind die Gemälde, farbenfroh, intensiv und transzendent, Traumwelten treffen auf religiöse Motive und strahlen eine Leichtigkeit aus, die mir abhanden gekommen ist. Ich stehe im Raum und sehe mich um; meine verlorene Leichtigkeit finde ich nicht, aber das, wodurch sie damals ersetzt wurde: ich spüre eine tiefe Dankbarkeit und Demut, denn ich darf wieder hier sein.

Ich wandere zurück in die Stadt, schalte die blöde google map aus, denn der Weg wird immer länger, das kann ja gar nicht sein, noch 47 Minuten, 48 Minuten, 51 Minuten…ich gehe weiter. Zeit habe ich genug, und ausserdem liebe ich es, Neues zu entdecken. Ausserdem weiss ich: das Meer liegt unten. Also brauche ich nur abwärts gehen.

Ich gehe über den Blumenmarkt. Ich esse einen Salat in einem kleinen Bistro. Ich wandere durch die Altstadt. Und ich wandere zum Yachthafen. Ich nehme einen Lift zu einer Aussichtsplattform mit Blick über die Dächer von Nizza und schaue auf das azurblaue Meer. Ich laufe den Berg hinunter. Ich wandere an der Promenade des Anglais entlang. Ich setze mich in einen Beachclub und geniesse einen Milchkaffee. Ich lausche dem Rauschen der Wellen. Ich beobachte die Möwen am Himmel. Ich denke über die Leichtigkeit nach. Und vielleicht blitzt sie gerade doch ein wenig durch.

Logbuch Côte d‘Azur

18.03.2022 Tag 1

„Mein Name ist Luis de Funès, und ich begrüsse Sie im Namen der Kabinenbesatzung. Meine charmanten Kolleginnen Babette und Jeanette werden Sie jetzt mit den Sicherheitsvorkehrungen vertraut machen.“

Spätestens jetzt ist klar, dass ich im Flieger an die Côte d‘Azur sitze; entspannt lehne ich mich im Sitz zurück und folge dem Programm von Babette und Jeanette.

Wollen wir mal mutig sein?, frage ich mich, den Orientierungslegastheniker, oh ja, antworte ich und erwerbe ein Ticket für die neue und günstige Tram, statt mit dem teuren Taxi vom Flughafen zum Hotel nach Nizza zu fahren. Eigentlich wäre ich heute abgeholt worden und nach St Tropez gedüst; allerdings sind meine Freunde jetzt in Husum bei einer Beerdigung. Und ich nun kurzentschlossen in Nizza. Das Tram-Abenteuer glückt: ich steige nicht nur an der richtigen Station aus, ich finde sogar das Hotel.

In Nizza habe ich schon oft geurlaubt. Damit spare ich mir für das verlängerte Wochenende ein stressiges Programm, denn zu sehen gibt es viel. Ich werde mich treiben lassen und spontan entscheiden, ob ich nach St Paul de Vence fahre, ins Chagall- oder das Matisse-Museum gehe, am Hafen entlanglaufe oder mich auf den Weg zur Fondation Maeght oder zur Villa Rothschild nach Saint Jean Cap Ferrat aufmache. Ich könnte auch nach Antibes, das es höchstwahrscheinlich gar nicht gibt, denn das habe ich bisher auf keiner Reise gefunden.

Ich kann machen was ich will. Erstmal will ich an den Strand, dessen Meer dem Namen der Küste immer gerecht wird, sogar bei grauem Himmel.

24.12.2021

Wie Weihnachten wirklich ausschaut.

Ding Dong. Es läutet an der Tür. Heiligabend in Hamburg, der Besuch ist für 18.00h eingeplant, jetzt haben wir 17.15h.

Bis eben habe ich noch im Bett herumgetrödelt und Drei Haselnüsse für Aschenbrödel, Pippi Langstrumpf und Michel aus Lönneberga im TV geschaut. Nun hantiere ich mit halblackierten Fingernägeln an der Tür, um den Besuch hereinzulassen. Auch wenn er zu früh ist. Viel zu früh. Die Meditation, die ich eigentlich noch machen wollte, fällt somit aus.

Vor der Tür stehen die Eltern und fünf riesige Taschen. „Wollt Ihr hier einziehen?, frage ich. Und ausserdem…“ Ich schaue auf meine Armbanduhr und lasse den Besuch samt dem vielen Gepäck in die Wohnung. Das kann ja heiter werden, denke ich.

Während die Mutter diverse Tupperdosen und zwei Kochtöpfe auspackt, marschiert der Vater zum Balkon. „Hier müssen die welken Blätter beseitigt werden“, sagt er vorwurfsvoll. “Aber nicht jetzt!“, antworte ich. Zum Glück habe ich den Tisch schon feierlich gedeckt und muss mich nur noch entscheiden, ob ich den Vater vom Balkon fernhalte oder mich in das Küchenszenario stürze. Ich entscheide mich für die Küche. Die Vorspeise (Karotten-Ingwersüppchen) und das Dessert (Beeren-Tiramisu) habe ich schon vorbereitet. Für den Hauptgang zeichnen die Eltern verantwortlich. Neben der Ente, Klössen, Rotkohl und Sausse (abgesprochen) werden nun zwei grosse Schüsseln mit Rosenkohl, Birnen, Aprikosen, Beerengelee und Kartoffeln aus den Tiefen der Taschen hervorgeholt. Ich konstatiere, dass es nur vier Herdplatten gebe, zwei Töpfe, von denen einer mit Suppe gefüllt ist und wir dieses Jahr nur zu Dritt sein werden: auch wenn noch zwei Töpfe mitgebracht wurden – das haue ja wohl nicht hin. Ich packe genervt einen Teil des Proviants wieder zurück in die Taschen und ärgere mich, dass ich nicht meditiert habe. Ich verteile die Töpfe auf dem Herd und die Ente in den Ofen, verfrachte den herumlaufenden Besuch an den Tisch und schenke erstmal Wein ein (nur für die Mutter und für mich, der Vater fährt und ist da akkurat).

Zurück im Pulk in die Küche, hätte ich den Ofen überhaupt angemacht (ja), und seien die Nachbarn zuhause (keine Ahnung), und…nein. Ab an den Weihnachtstisch, ich kümmere mich erstmal um die Vorspeise. Ich trinke ein weiteres Glas Wein. Irgendwie muss der heutige Abend überstanden werden. Die Suppe schmeckt. Das Küchenpersonal wird ausgetauscht, der Vater übernimmt, wo er schon nicht den Balkon aufräumen darf. Die Ente schmeckt.

Die Geschenke sind aufgebaut, mir wurde eine Überraschung – gross und bunt – angekündigt. Ich werde nervös. Mit Überraschungen habe ich es nicht so. Jedenfalls nicht, wenn sie mit „gross und bunt“ angekündigt werden. Eine Box wird mir überreicht, der Vater macht den Deckel ab. Es ist ein Ölgemälde. „Von Claude Monet“, sagt der Vater und tippt auf die Rückseite, wo tatsächlich ein Spassvogel den Namen des grossen französischen Impressionisten draufgeschrieben hat. Das Motiv ist zwar eine Wiese mit Mohnblumen, aber die Qualität ist weit von einem Monet entfernt. Und wäre es ein richtiger Monet, würden wir wohl eher im Gefängnis statt hier am Weihnachtstisch sitzen; jedenfalls kenne ich keine Menschen, die einen Monet im heimatlichen Wohnzimmer hängen haben, so ganz legal…

Der Vater geht mit dem Monet die Wände ab, hier könnte er hängen oder dort, niemals! rufe ich, das Bild wird bei mir kein Zuhause finden. Das Bild wandert zurück ins Gepäck zu den Kartoffeln und dem Rosenkohl. Auch die Kekse, keineswegs zuckerfrei, müssen nachher wieder den Rückweg antreten.

Sieht lecker aus, sagt der Vater, als er die rosa- und gelbfarbenen Kugeln entdeckt. Nicht essen!, verbiete ich sofort, es sind (von mir!) selbstgemachte Badekugeln, die lecker duften und optisch mit Gebäck mithalten können. Badekugeln, Marzipanhonig, Marzipankirschmarmelade, ein paar Tüten mit Bonbons vom Lieblingsladen am U-Bahnhof Schlump und einen geleasten Apfelbaum im Alten Land bekommen die Eltern. „Ich hätte lieber einen Birnbaum“, sagt der Vater. „Und ich lieber einen anderen Vater“, antworte ich und schenke mir noch ein Glas Wein ein. Wir streiten etwas herum, unser Ton ist grundsätzlich recht rustikal, aber böse sind wir uns nie lange.

Irgendwann muss der Besuch nachhause, und ich, ich werfe mich erledigt aufs Sofa und fange an, mein Weihnachtsgeschenk, das Katzenbuch von Hape Kerkeling, zu lesen, schnurrende Katzen beruhigen, auch wenn sie nur im Buch vorkommen.

Die restlichen Geschenke packe ich zwei Tage später aus. Dann ist nämlich mein Geburtstag. Und da treffe ich wie jedes Jahr meinen Korrekturleser, Klugscheisser und den Menschen, mit dem ich schon so viel gelacht und ebensoviel gezankt habe. Ich freue mich sehr darauf! Vielleicht sollte ich morgen noch ein wenig meditieren.

20.11.2021

Unterwegs.

Meldorf, lese ich auf dem Schild des Bahnhofs, durch den wir rauschen, irgendwo in Schleswig Holstein auf der Strecke von Hamburg nach Sylt. Seit 1,5 Stunden schaue ich aus dem Fenster in den tristen Himmel, an dem Unmengen von Vögeln in Formationen fliegen. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie elegant sie in der Gruppe agieren, ohne zusammenzustoßen und vom Himmel zu fallen. Jedenfalls habe ich das noch nicht gesehen.

Hier ein paar Schafe, dort ein paar Kühe, ein einsamer Reiter und ein Hund, mitten im blassen grau-grün, bevor die Schienen über das Meer auf die Insel führen.

Die Luft ist überraschend warm, 11 Grad plus und etwas Wind, der durch die Friedrichstrasse weht. Ich gehe hinunter zum Meer, das man in der Dunkelheit kaum sieht, aber hört: Wellen brechen brüllend an den Strand, bevor sie sich wieder ins Meer zurückziehen.

Ich wandere zurück und suche mir ein schönes Plätzchen zum Abendessen inmitten der funkelnden Lichter und Tannenbäumchen, die hier schon überall stehen. Da ich meine Arktisjacke anhabe, wähle ich einen Aussenplatz: grundsätzlich bin ich lieber draußen, und in diesen Zeiten erst recht.

Ich freue mich auf morgen, da kann ich machen was ich will, und ich will an den Strand, im Aussenbereich des Cafés sitzen und Kakao mit Sahne trinken und in meinen Lieblingsläden stöbern. Und den Möwen zusehen, die Formationen über dem Meer fliegen. Ohne zusammenzustoßen und ohne runterzufallen.

Meer, das ans Land flüchtet
tanzende Möwen

Logbuch Jordanien – Tag 9

05.11.2021

Der Wind treibt mir die Tränen in die Augen, ebenso die Dankbarkeit, jetzt hier sein zu dürfen, aber auch das Mitgefühl für Mary, Marie und all die anderen, die gerade im Krankenhaus liegen und für weitere Zeit und schöne Momente kämpfen. Mich berührt das sehr, erlebe ich doch gerade schöne Momente. Im Wind auf dem Roten Meer, hier auf dem kleinen Glasbodenboot, verspüre ich sogar etwas von der verloren gegangenen Leichtigkeit, wir lachen, hören laut Musik und winken zu den anderen Booten rüber.

Am Nachmittag gehe ich in einen der vielen Pools schwimmen, leer ist es und sonnig. Ich suche mir noch einen Schattenplatz am Strand und tauche mit den Füssen ins Rote Meer. Matthias war bereits drin, barfuss, wovon auf den vielen Schildern ob der gefährlichen Fische abgeraten wird und ist auf etwas stacheliges getreten. Ausserdem ist sein Rücken rot, da er die Bekanntschaft einer Feuerqualle gemacht hat. Ich weiss, warum ich den harmlosen Pool vorziehe. Better safe than sorry.

Anweisung der Reiseleitung: Treff um 18.30h am Strand mit Zahnputzbecher, sie möchte einen Schnaps ausgeben. Ich werde mir stattdessen ein Wasser mitnehmen.

Logbuch Jordanien – Tag 8

04.11.2021

Im Schrank finde ich ein Bügelbrett samt Eisen und eine Waage. Das ist ja wohl ein Affront! Eigentlich hatte ich in dem grandiosen 5* Hotel, in das wir heute am Roten Meer eingecheckt sind, einen Bademantel samt Latschen erwartet. Ich kontaktiere die Rezeption, umgehend wird geliefert.

Heute Morgen sind wir bereits durch den Sik al-Barid (Little Petra) gestiefelt und von dort unter sengender Sonne in die Steinzeitsiedlung El-Beidha, die über 10.000 Jahre alt ist. Das ist was für Archäologen, stellt Gisela fest; mittlerweile sind wir steinmüde.

In Akaba gibt es Falafel mit Hummus, bevor wir in eines der schönsten Resorts einchecken: Marmor, riesige Halle, grosszügiges Zimmer samt Bad, Balkon mit Blick auf Pool (yeah!) und das Rote Meer (nochmal yeah!). Endlich kann ich mein Kleid zum Dinner anziehen, aber vorher geht es im Badeoutfit zum Strand. Ins Meer darf man allerdings nur mit Badeschuhen, die ich nicht dabei habe; hier gibt es Stachelfische, die am Meeresgrund sitzen. Also ab in den Pool, den ich für mich habe, ich schwimme mit Blick aufs Meer und blinzel in den Sonnenuntergang.

Logbuch Jordanien – Tag 7

03.11.2021

Ich wurde reingelegt.

Das lerne ich beim lang ersehnten Dinner bei den Beduinen, von dem wir alle recht enttäuscht sind, da wir uns vor kleinen Zelten bei Fackelschein im Sand der Wüste sitzend wähnten. Wir sitzen allerdings in einem Restaurant, das nur entfernt an ein Zelt erinnert oder wie die ganz enttäuschten Mitreisenden sagen: das hier sei bestenfalls eine Beduinen-Kantine. Es ist laut, gross und voll, aber das Essen finde ich lecker (auch wenn ich nur reduziert esse, weil Magen…). Gisela kommt triumphierend mit einem echten Bier zurück, immerhin etwas.

Reingelegt wurde ich von Mohammed, mit dem ich heute zum Glück nicht in die Berge geritten bin und der mir gestern sieben Dinar für den Ritt abgeknöpft hat, und das war schon runtergehandelt. Besser gehandelt hätte ich, wenn ich mir das Kleingedruckte auf der Rückseite der Eintrittskarte durchgelesen hätte: Pferderitt inklusive. Das hat uns allerdings auch die allwissende Reiseleitung unterschlagen, die jeden Stein ausführlich erläutert, aber den Trab vom Sik zum Visitor Centre nicht erwähnte.

Nun hören wir noch den Musikern zu, dann einem Vortrag über das Leben in Jordanien, der sehr interessant ist (von einem Beduinen, nicht von der Reiseleitung), wir bewundern die Grabnischen in den Bergen, die von Tausenden Lichtern erhellt werden, und dann geht es schon wieder zurück ins Hotel, so kommen wir nicht allzu spät ins Bett. Morgen geht es erst um 9.00h weiter, nach Akaba ans Rote Meer. Mit dem Bus. Nicht auf dem Pferd.

Logbuch Jordanien – Tag 6

02.11.2021

Ich drücke der Reiseleitung das Geld für mein reserviertes Mittagessen in die Hand, sage, dass sie mein Lunch gern verschenken darf, und marschiere ohne die Gruppe weiter. Seit 8 Uhr früh sind wir unterwegs, eine Handtasche bleibt irgendwo stehen, ein Kameraobjektiv ist herrenlos, wir bleiben an jeder Ecke stehen, sengende Sonne hin oder her, jeder Stein muss erklärt und jede Diskussion ausgefochten werden. Weit sind wir noch nicht gekommen.

Das tut nix für meine innere Balance, und ausserdem komme ich hier selbst zurecht, bin ich schon gestern Nacht bis zur Schatzkammer vorgedrungen. Auch bei Tageslicht ist es beeindruckend: die Felsen ragen bis weit in den Himmel, winden sich den Weg entlang, weiten sich, verengen sich, wechseln die Farbe, sind rauh und mal glatt, lassen ab und an den Himmel wie zufällig blau aufleuchten, und geben nach zwei Kilometer und einer letzten Wende den Blick auf die Schatzkammer frei. Ich fühle mich hier wohl, fast heimisch, am Fusse des riesigen Schatzhauses, das ein Jahrhundert v.Chr. erbaut wurde. Ich spaziere weiter, überall in den Felsen tauchen weitere Grabstätten auf, ein römisches Theater, Tempel und Säulen.

Ich kaufe mir einen Keks und einen Minztee, setze mich vor ein Café und komme mit einem Jordanier, der in den USA lebt, ins Gespräch. Irgendwann zieht meine Gruppe an uns vorbei, ich bleibe sitzen.

Ich erstehe ein paar Mitbringsel und für mich ein silbernes Armband und ein wunderschönes Kamel aus Bronze. Ich plaudere mal hier und mal da und bin tiefenentspannt.

Irgendwann kehre ich um. Noch etwas bewundernd vorm Schatzhaus stehen, durch den schattigen Sik (Felsenschacht) bummeln, überlegen, wie ich die letzten Kilometer in flirrender Sonne bewerkstellige, und dann steht da schon Mohammed mit seinem Pferd, bis zum Hotel könne ich reiten, was ich dann doch dankend ablehne. Vorm Visitor Centre steige ich ab.

Morgen könnte ich mit Mohammed in die Berge reiten und von oben auf Petra schauen. Ich überlege.

Logbuch Jordanien – Tag 4

31.10.2021

Wir Frauen stehen in der Schlange vor der Moschee, um ein dunkles figurverhüllendes Gewand überzuziehen, ohne welches wir – nebst verhülltem Haar – nicht die Moschee betreten dürften. Auch Oliver steht in der Schlange. Er trägt bereits sein Outfit für das Tote Meer, aber kurze Shorts und Adiletten sind nicht gerade moscheenkonform. Auch er bekommt eines dieser Gewänder verpasst, das die Figur unsichtbar werden lässt.

Die König-Abdullah-Moschee hat einen dicken weichen Teppich mit Sternchenmuster, das uns die Reiseleitung erklärt. Da ich mich nicht für Religion interessiere, wandere ich ein wenig unter der riesigen Kuppel umher und spüre die Füsse im Teppich versinken, die nette Aufsicht bietet mir ein Glas Wasser an (später bekomme ich einen indirekten Rüffel, weil ich nicht beim Teppichmustervortrag aufgepasst habe).

Über dem langen Gang, der zu den Toiletten (scheusslich!) führt, steht nur etwas auf arabisch. Lange gefliesste Gänge mit Möglichkeiten, die Füsse zu waschen und lange Gänge mit den von mir gehassten östlichen Toiletten. Was muss, das muss. Auf dem Rückmarsch stosse ich auf einen Mann, der, vermute ich, ein „huch“ auf arabisch ruft, ich husche ganz schnell aus der Herrentoilette davon.

In Madaba besichtigen wir die griechisch-orthodoxe Kirche St Georg, die voller Mosaiken aus dem 6ten Jahrhundert ist. Das Städtchen ist hübsch und ganz modern mit einem Leitsystem, es gibt rote aneinandergereihte Steine auf dem Fussweg, damit Fremde zum Visitor Centre zurückfinden. Finde ich natürlich nicht. Zum Glück laufen hier noch andere aus der Gruppe herum, ich brauch nur jemandem hinterherdackeln.

Auf dem Berg Nebo schauen wir ins Jordantal, von hier hat angeblich schon Moses auf das Gelobte Land geblickt. Vor uns, 20-50km entfernt, liegen Jericho, Bethlehem, Jerusalem, Rammallah und die Golanhöhen.

Endstation: Totes Meer! War ich eben noch völlig erledigt, werfe ich mich flugs in meinen Badeanzug, schnappe das Handtuch und wandere hinunter zum Wasser. Warm ist es und wunderbar. Ich lasse mich auf dem Meer treiben.

Logbuch Jordanien – Tag 3

30.10.2021

Um 8.30h starten wir an der Zitadelle von Amman. Die Zitadelle liegt oben auf dem Jabal al Qal‘a. Ägyptens Geschichte ist jung im Vergleich zu Jordaniens, die 10.000 Jahre zurückreicht: hier gibt es eine Höhle aus der Bronzezeit, den Herkules-Tempel, eine umayyadische Moschee und das archäologische Museum. Von hier oben schaut man auf das römische Theater und die Stadt.

Und dann geht es erstmals raus aus der Geschichte und hinein ins aktuelle Gewühl der Stadt. Der Strassenverkehr ist zusammengebrochen, überall wird gehupt und gerufen, wir schlängeln uns durch die Marktschreier, die nur noch von den Rufen des Muezzins übertönt werden. Wir teilen uns, ich gehe mit unserem jordanischen Guide durch weiteres Marktgewusel und zum Falafelessen (ein Mitreisender ordert Almdudler, man kann‘s ja mal versuchen), und ja, die Zeit läuft uns davon. Mich stört das nicht, gehöre ich zu der Handvoll Reisenden, die nicht die anschliessende Tour zu den Wüstenschlössern gebucht hat sondern eigenständig die Atmosphäre Ammans aufnehmen möchte. Reinhild und Helmut schliessen sich mir an, was ganz nett ist, da ich dann nicht allein in der 4 Millionen-Einwohnerstadt verlorengehe. Wir bummeln nochmal durch die Stände und den Goldmarkt und fahren zur Rainbow Street. Hier ist die Stimmung gleich ganz anders, die Strasse könnte auch in London liegen mit seinen chilligen Cafés und kleinen Lädchen. Cappuccino trinken wir, dazu singt Adriano Celentano aus den Boxen, ein relaxter und angenehmer Nachmittag im eigenen Tempo neigt sich dem Ende zu.

Heute Abend heisst es dann noch Kofferpacken, denn morgen früh um 8.30h geht es weiter nach Madaba und zum Toten Meer.

Logbuch Jordanien – Tag 2

29.10.2021

Verwirrung mit der Zeitumstellung. Ist uns Jordanien eigentlich eine Stunde voraus, hat das Land als Novum eine Zeitumstellung eingeführt. Diese startet am 29.10.2021. Also alle Uhren wieder zurückstellen und Uhrenvergleich mit allen Reiseteilnehmern. Wir haben nun wieder die deutsche Zeit.

Keine Verwirrung gibt es hingegen bei den Sitzplätzen im Bus: war das Thema bei den Reisen nach Tibet, Israel und Marokko ein Kampfthema (was ich persönlich nicht nachvollziehen kann), herrschen hier – Corona sei Dank – feste Regeln. Jeder bleibt für die gesamte Reise auf seinem Platz. Zimmerpartner nebeneinander, Einzelzimmer allein in einer Reihe. Das freut mich, kann ich mich mitsamt meinem Handgepäck schön ausbreiten.

Gerasa (Jerash) begrüsst uns mit sengender Hitze. Wieder einmal mehr merke ich, dass ich hitzeempfindlich geworden bin und suche die rar gesäten Schattenplätzchen in den Felsen. Wir gehen über einen Basar mit passablen Toiletten und treten durch den Hadriansbogen ins alte Jerash ein. Was wären wir ohne die Römer. Kaiser Hadrian kenne ich noch aus England, wo wir über die Hadrianswall stolperten. Hippodrom, Forum, Jupiter-Tempel, Nymphäum, Artemis-Tempel, wir schreiten auf säulenumrahmten Wegen, an denen sich früher die Geschäfte aneinanderreihten, und wieder einmal bewundere ich die Römer für ihre intelligenten und imposanten Bauten, Abwassersystem inklusive.

Als – nicht nur mir – die Sonne zu Kopfe steigt, bleibt eine Wolke gnädig über uns hängen und beglückt uns mit einigen Regentropfen. Ich bin doch ein richtiges Nordlicht.

Ein spätes Mittagessen in dem einzigen Restaurant, ich habe prophylaktisch eine Magentablette genommen, aber das zumeist vegetarische Essen ist einwandfrei.

Gefreut habe ich mich auf den Abend. Ich sage den Cocktailempfang ab und marschiere zum Pool. Allein bin ich dort, und das brauche ich auch immer wieder; was ich nicht gebraucht hätte, wäre das Eiswasser im Becken. Ich mache das, was ich sonst nie mache: ich kehre tatsächlich um. Das wäre Hadrian nicht passiert.

Logbuch Jordanien Tag 1

Tag 1 nur ein kleines Resumee nach drölfzig Stunden Anreise

Bin mit der turkmenischen Fussballnationalmannschaft im Fahrstuhl gefahren. Und mit den Palästinensern. Schnelle Anfreundung. Gisela, 83 Jahre, habe ich in der Bar gelassen. Karla war auf ner Flussfahrt in Indien, die Vögel haben im Speiseraum in der Deckenleuchte genistet Also in Indien. Nicht hier. Das Buffet beim Dinner war sehr gut. Hummus geht immer. Die Reiseleitung hat sich rückversichert, dass ich als Vegetarier (melde mich immer als Vegetarier an) etwas zu essen gefunden habe. Hab ich. Das ist der Blick aus dem 13ten Stock auf Amman. Jetzt gehe ich in mein wunderbares Boxspringbett. Und morgen geht es nach Gerasa.

Ach ja. Im Flieger mussten weitere Dokumente für die Einreise ausgefüllt werden. Die Fluggäste waren unwillig. Man habe doch schon ähnliches mehrmals ausgefüllt. Ansage aus dem Cockpit. Alle haben die Formulare auszufüllen (die ersten Passagiere mussten ja schon in Wien wegen fehlender PCR-Tests zurückbleiben). Bei Einreise schleppt jeder die Akten in der Hand. Was müssen wir davon vorzeigen: den Reisepass und den QR-Code.

13.10.2021

Unterwegs.

Es wird Herbst. Die Blätter fliegen durch die Luft, erst hoch in den Himmel hinauf, um dann kreiselnd auf den Gehweg zu schweben. Ich bin auf dem Weg ins öffentliche Bad. Einige ärgerliche Arbeitstage liegen hinter mir (note to myself: und auch noch vor Dir), kurzfristig habe ich vergessen, mich auf das Positive zu fokussieren und mich dazu hinreissen lassen, mich in die eine und die andere Auseinandersetzung zu werfen.

Eigentlich habe ich nun keine Lust zum Schwimmen zu gehen, aber ich weiß, dass sich das schnell ändern wird. Am Eingang zeige ich mein Impfzertifikat und meine Eintrittskarte vor, lasse mir viel Spass wünschen und marschiere in die rosafarbene Welt der Damenumkleiden. Es ist leer. Ich ziehe meinen Tankini an, den ich um die beiden Polster erleichtert habe, deren Sinn sich mir noch nie ergeben hat, und ausserdem verdrehen sie sich sowieso andauernd. Also weg damit. Ich gehe in die Dusche, auch hier bin ich die Einzige. Meine Laune fängt an, sich zu verbessern.

Ich mache mich auf den Weg in mein Aussenbecken: vier Trödelschwimmer auf der langsamen Seite, zwei Kampfschwimmer auf der anderen Seite, damit lässt es sich schwimmen. Das Wasser empfängt mich weich und freundlich; wie ein wärmender Mantel legt es sich um meine Schultern, während ich langsam meine Bahnen ziehe. Das heisst, so langsam bin ich nun auch wieder nicht: mühelos hole ich den Mann ein, der bebrillt und akkurat brustschwimmend (mit Kopf unter dem Wasser) unterwegs ist, auch die Frau rechts von mir überhole ich (note to myself: würdest Du den Trödelmodus Typ mit-Kopf-über-dem-Wasser-schwimmend-und-in-die-Sonne-blinzelnd gegen Schwimmbrille und eine richtige Kopfhaltung eintauschen, würde vielleicht doch noch ein Kampfschwimmer aus Dir werden!). Ich wechsele in die Rückenlage und beobachte die Wolken, bis ein Warnruf mich vor einem Zusammenstoß mit einem Neuankömmling bewahrt. Mittlerweile ist meine Laune richtig gut, ich freue mich über die kühle Luft, die bunten Blätter, das weiche Wasser, die gleichmässigen Bewegungen. Es wird Herbst. Und es wird Zeit, sich wieder auf das Positive zu fokussieren.

Heute bin ich Covergirl

…bei den Mammomädels (Kooperationsgemeinschaft Mammographie), in der Social Media-Kampagne zum Brustkrebsmonat Oktober.

Grundsätzlich geht es um Selbstliebe. Wer sich mag, gibt acht auf sich.

Ich bin Anja. Im Februar 2017 bekam ich die Diagnose beidseitiger Brustkrebs. Eine Diagnose, die das Leben still stehen lässt. Eine Diagnose, als sei man ohne Vorwarnung mit Vollgas gegen eine Wand gefahren.

Ich habe die Erkrankung als Warnung verstanden, meinen Lebensstil zu überdenken und zu optimieren.

Gib acht auf dich: das Motto der @Mammomädels habe ich verinnerlicht. Vor- und Nachsorge sind extrem wichtig: für Frauen von 50 bis 69 Jahren wird zur Brustkrebsfrüherkennung das Mammographie-Screening angeboten. Nehmt das gern Angebot wahr. Es kann Euer Leben retten.

Auch wenn der Oktober der Brustkrebs-Awareness-Monat ist, ist Brustkrebs für mich als Betroffene jeden Monat, jede Woche und jeden Tag präsent. Auch das hat etwas mit „Gib acht auf dich“ zu tun: zur Vorsorge gehört für mich Bewegung: ich mache täglich Sport, was das Risiko auf ein Rezidiv reduziert. Das ist wissenschaftlich erwiesen. Ich achte auf meine Ernährung. Ich achte darauf, Stress zu vermeiden.

Ich gebe acht auf mich. Weil ich mich mag. Weil ich nur diesen einen Körper habe. Weil ich noch viel erleben möchte. Und weil ich noch lange fit und gesund sein will. Weil ich das Leben liebe.

Logbuch Brindisi – Tag 6

Kurze Version: pleite aber glücklich.

Lange Version: ich wandere ein letztes Mal am Meer entlang, sitze am Wasser, trinke einen frischen Orangensaft im Café und besuche ein letztes Mal die Kathedrale, die ich – genauso wie das grosse weisse Postamt – mittlerweile im Schlaf finde.

Mein Spaziergang endet vor dem Schaufenster des Optikers. Oh no! Panik. Dort, wo bis gestern noch mein Objekt der Begierde ausgestellt war, liegt nun eine andere Sonnenbrille. Ich schaue durch die Tür. Eine Kundin verabschiedet sich mit einem Päckchen in der Hand. Das kann doch nicht wahr sein. Ich stürme das Geschäft, bis gestern sei doch im Fenster diese Sonnenbrille…man schaut mich etwas verständnislos an, leider verstünde man kein englisch. Ich wiederhole auf italienisch, die Optikerin nimmt die Brille aus dem Fenster, nein, nein, ein Missverständnis, ich meine doch eine andere Brille, die dort eben nicht mehr ist. Die Optikerin zieht eine Kollegin zu Rate, zu Zweit durchsuchen sie Schubladen und Schränke, und dann finden sie das Objekt meiner Begierde. Erleichterung! Ich setze sie auf. Sie passt perfekt. Sie sieht perfekt aus. Perfetto, sagt die Optikerin. Ich frage nach dem Preis. Es ist der, den ich bereits im Internet recherchiert habe. Der Schock sitzt tief, was man mir ansieht. Man bietet mir einen Rabatt an. Puuuh. Man bietet mir einen weiteren Rabatt an. Immerhin 50 Euro weniger. Ich nehm die Brille, höre ich mich sagen.

Ich nehme die Brille ab, die Optikerin setzt sie mir wieder auf die Nase, um zu schauen, ob man sie anpassen müsse. Sie ist perfekt, sagen wir beide.

Ich darf aus verschiedenen Etuis wählen, bekomme zwei Brillentücher, eine weitere Box, die ich gleich dort lasse, in 15 Minuten holt mich das Taxi vom Hotel, das mich zum Flughafen bringt, jetzt muss ich mich beeilen. Mehr Shopping ist zum Glück nicht drin.

Pleite aber glücklich. Arrivederci, Brindisi!

Logbuch Brindisi Tag 4+5

Angekommen bin ich dann, wenn sich Rituale herauskristallisieren: der nachmittägliche Besuch der kleinen Gelateria, der Kauf von Obst und Gemüse im Supermarkt um die Ecke, der Aufenthalt am Pool an den Nachmittagen, das Innehalten an der Promenade am Meer, das selbstverständliche Bewegen durch die Gassen, das Beobachten des Geschehens um mich herum.

Gestern habe ich ein kleines blaues Boot beobachtet. Hier gibt es einige Boote, unter anderem eine Fähre nach Korfu. Da muss ich also genau aufpassen, auf welches Boot ich steige. Ich möchte auf die andere Seite zum Marine-Denkmal. Ich hole mir ein Ticket am grünen Automaten, vergewissere mich, dass ich hier richtig bin, und schon geht es los nach Korfu – Quatsch – zum Denkmal. Das ist dann auch sportlich, unzählige Stufen führen bis auf eine kleine Aussichtsplatform, die einen grandiosen Ausblick auf Brindisi im sanften Licht der Nachmittagssonne bietet.

Seit Tagen bleibe ich am Schaufenster eines Brillengeschäftes stehen. Schön sieht es aus, das Objekt meiner Begierde, so schön, dass es kein Preisschild hat, aber der Blick ins Internet verrät, dass es mein Budget weit überschreitet.

Ich gehe hinein. Ich halte der Optikerin meine alte Sonnenbrille hin, ob sie die reparieren könnten. Können sie. Sie möchte nicht einmal Geld dafür annehmen, vielleicht auch, weil es ein italienisches Modell ist. Ich wage nicht zu fragen, ob ich die Brille aus dem Schaufenster mal aufsetzen dürfte, was in diesem Fall auch besser sprich: vernünftiger ist.

Ein Eis stelle ich mir in Aussicht, als Kompromiss.

Morgen werde ich sicher wieder vorm Schaufenster landen. Es wird Zeit, dass ich abreise.

Brindisi – Logbuch Tag 3

29.09.2021

Tempio di San Giovanni, Palazzo Granafei Nervegna, Pontificia Basilica Cathedrale und Chiesa di San Benetto notiere ich mir beim Frühstück. Über diverse andere Sehenswürdigkeiten bin ich bereits per Zufall gestolpert oder sie befinden sich ausserhalb meines Radius.

Ich beschliesse, mein Handy zur Navigation zu nutzen, um zumindest das eine oder andere wirklich zu finden. Rechts aus dem Haus, die Strasse hinunter, dann durch die nächste Gasse und ums Eck, und schon stehe ich überraschenderweise vor dem grossen weissen Postgebäude, in dem ich gestern einige Zeit verbracht habe. Ich marschiere weiter, noch ist es früh und die Sonne angenehm und tatsächlich finde ich den Tempio di San Giovanni. Ein Italiener spricht mich an, ob er mich davor fotografieren solle, molto gentile, ma no. Die Dame am Eingang möchte meinen green pass sehen. Meine apps zeigen meine Covid-Zertifikate allesamt in blau an, aber verwandeln sich in den green pass, als der QR-Code gescannt wird. Ich darf eintreten. Rotunde, alte Gemäuer und ein Garten mit Blumen, Sträuchern, Brunnen und Olivenbäumen, eine kleine Oase inmitten der Mauern.

Auf dem Weg zum Palazzo treffe ich wieder den Italiener, ob er ein Foto…molto gentile, ma no. Ich frage ihn, wo der Palazzo liegt (anderswo als mir mein Handy anzeigt) und gehe meines Weges. Wieder werden meine Zertifikate gescannt, wieder darf ich eintreten, und wieder mal habe ich mich gar nicht informiert, wo ich gerade gelandet bin. Der Palazzo scheint eine Mischung aus Behörde (ich lande prompt in einem Büro), Studienzimmer, Ausgrabungsstätte und einer Kunstausstellung zu sein. Ich schaue mir alles an und finde sogar wieder hinaus.

Zum Tempio di San Giovanni sollte ich gehen, meint ein Italiener. Ich werde hier permanent angesprochen, vermutlich, weil ich der einzige Tourist in Brindisi bin. Da käme ich gerade her, ich möchte zur Kathedrale. Auch diese finde ich (hurray!), und ausserdem davor Soldaten, Polizei, Marine, Feuerwehr, die Hundestaffel, Einsatzfahrzeuge…und zwei weisse Wagen, auf denen was mit „sangue“ steht. Blutspenden, vermute ich, diesmal spreche ich einen Italiener an, ob man in die Kirche dürfte. Darf man.

Die Sonne steigt höher. Ich marschiere weiter zur Chiesa di San Benedetto. Hat geschlossen. Macht nichts. Gehe ich halt in die Angeli, an Kirchen mangelt es hier nicht. Einen Briefkasten bräuchte ich, aber die sind lt google rar gesät.

Ich lese am Pool, gehe in „meine“ Gelateria, esse wieder ein leckeres Hazelnusseis und trinke Cappuccino, steuere zielstrebig das Postgebäude an (alle Wege führen zur Post!) um die Karten zu verschicken, spaziere zum Hafen und von hier aus zur Kathedrale, in 200m sollte sie erscheinen, aber ich schaffe es, mich zu verlaufen, auch wenn das Ziel ums Eck liegt. Der Menschenauflauf vom Morgen ist verschwunden. Ein paar Vögel kreisen über der Kirche.

Heute werde ich eine Nachtwanderung machen.

Brindisi – Logbuch Tag 2

28.09.2021

Ich habe nichts geplant. Ich lasse das Frühstück stehen – da werden die Italiener und ich keine Freunde – und verlasse mein Haus. Hinunter an den Hafen, mal schauen, ob man das Hafenbecken umrunden kann, das Wasser schwappt dort an den Kai, die Sonne scheint. Schnell merke ich, dass die Entscheidung, den Rock aus- und die Jeans anzuziehen, falsch war. An Segelbooten und kleinen Yachten vorbei, hier und da ein leeres Café an der palmenumsäumten Promenade, ich gehe weiter, bis es nicht mehr geht. Maritimes Militärgebiet, Mauern mit Stacheldraht und ein hohes Tor versperren den Weg. Eigentlich sollte da auch eine Burg liegen. Ich stehe unschlüssig vor dem Tor, die Marinesoldaten mag ich nicht ansprechen. Ich trete den Rückzug an.

Wäsche flattert vor den Fenstern der gelbfarbenen Häuser, zwei Kochtöpfe stehen auf einer Fensterbank, in der Schule hört man Kinder singen, die Sonne scheint jetzt unbarmherzig auf mich herab. Spontan entschliesse ich mich, ins archäologische Museum zu gehen, ein Platz, an dem es erfahrungsgemäss gut gekühlt ist.

Vor 20 Stunden habe ich mich über die Küche in meinem Domizil echauffiert, nun stehe ich dort und bereite mir einen Salat zu.

Die nächsten Stunden verbringe ich am und im Rooftoppool, dann geht es in eine Gelateria.

Ich kaufe Postkarten. Briefmarken gibt es nicht im Tabakladen, da müsste ich zur Post. Ich laufe zur Post. Aha! Der aufmerksame Leser wird irritiert sein, wie ein Orientierungslegastheniker nun zielstrebig die Post ansteuern kann. Und ja, das geht; die Post liegt nämlich gegenüber des Tabakladens.

Habe ich mich bisher gewundert, dass es so gut wie keine Menschen in Brindisi gibt: hier sind sie also allesamt versammelt. Voll ist es in der Post, ich muss eine Nummer ziehen und warten. Und warten. Und warten.

Endlich wird meine Nummer aufgerufen. Ich sage, was ich möchte, der Beamte spricht kein Englisch. Ich wiederhole auf italienisch. Der Mann springt auf und verschwindet hinter der blauen Wand durch eine ebenso blaue Tür. Ich warte. Und warte. Das ist meine Aufgabe, denke ich: sich in Geduld üben. Sich nicht aufzuregen wegen Kleinigkeiten. Natürlich bin ich kurz davor, meine Wartenummer zu zerknüllen und die Post wütend zu verlassen, da kehrt der Beamte durch die blaue Wand zurück. Er setzt sich, nimmt eine Büroklammer und steckt die Marken sorgfältig zusammen. Dann erklärt er mir ausführlich, dass auf jede Karte zwei Marken gehören (was offensichtlich ist). Meine Geduld wird strapaziert, ausserdem muss ich auf Toilette.

Ich nehme die Marken, marschiere nach Hause, und wie gut, dass es hier eine Küche gibt, da mache ich mir gleich noch einen Salat.

Brindisi – Logbuch Tag 1

27.09.2021

Ich mag es, wenn der Flieger früh am Morgen geht. Dann nehme ich ein Taxi zum Flughafen. Es fährt durch die dunkle Nacht, die Strassen glänzen vom Regen, das orangefarbene Licht eines Einsatzfahrzeugs blinkt durch die Tropfen der Fensterscheibe, aus dem Radio ertönt Musik.

Mehrfach habe ich die letzten Tage Einreiseformulare bearbeitet; teils falsch ausgefüllt, teils neu ausgefüllt, da die Airline in letzter Minute meinen Sitzplatz geändert hat. Die Schweizer werfen einen kurzen Blick auf mein Handy mit dem Transit-Formular und winken mich durch. Na, das war ja einfach. In Brindisi steuere ich zwei Offizielle an, neugierig, was ich als erstes zücken muss: den Ausweis? Den Impfnachweis? Den Antigen-Test? Die Einreiseformulare für Italien? Oder die Einreiseformulare für Apulien? Die Offiziellen winken ab: nichts bräuchte ich vorzeigen. Ich bin verblüfft: sie scheinen genauso eine Abneigung gegen Formulare zu haben wie ich.

Mein Hotelzimmer entpuppt sich als grosszügig geschnittene Wohnung, die über zwei Etagen geht und über zwei Balkone, zwei Fernseher, ein Schlaf- und ein Wohnzimmer mit inkludierter Küche verfügt. Eine Küche brauche ich nicht. Ich möchte lieber die Restaurants besuchen.

Besuchen tue ich erstmal die Dachterrasse mit Blick über die Dächer von Brindisi und einem kleinen Pool.

Ich schaue vor die Tür. Nicht, ohne erst zu testen, wie ich mit dem Plastikkärtchen wieder durch den Hauseingang zurückkomme, eine permanent besetzte Rezeption gibt es nämlich nicht. Verwinkelt sieht es aus, ich muss mich konzentrieren, denn ich bin Orientierungslegastheniker. Ich finde den Hafen, schlendere die Palmen-Promenade entlang, schön ist es hier und leer ist es hier. Überhaupt sehe ich so gut wie keine Menschen und erst recht keine Touristen.

Der Himmel ist grau. Wird es so früh dunkel in Italien? Oder wird es regnen? Ich öffne den Schirm und beschliesse, in das einzige geöffnete Restaurant zu gehen, ich sitze draussen am Hafen und esse den schlechtesten Caesarsalat meines Lebens.

Ich wandere zurück zum Corso Garibaldi, entdecke die Abzweigung (yeah!), die ich zu meinem Haus nehmen muss, biege aber in eine andere Gasse ein und betrete ein Reisebüro. Ausflüge in die Umgebung? Die Dame verneint, die gebe es nur im Juli/August. Ich spaziere wieder hinaus und in einen riesigen Supermarkt hinein (ich liebe es, im Ausland die Supermärkte zu durchstöbern), kaufe Obst, Gemüse, Brot und etwas Käse, schliesslich habe ich ja eine Küche.

Ich gehe auf den Balkon. Der Regen hat aufgehört. Der schwarze Himmel legt sich über die Strassen, die gelben Lampen gehen an, ein Hund bellt.

14.08.2021

Die Sonne steht tief und hüllt den Hamburger Dom in ein warmweiches Licht, das die Action und den Trubel langsamer erscheinen lässt.

Und wir?

Wir schlendern über das Gelände, inspizieren die Fahrgeschäfte (nein, da niemals rein, das da vielleicht, wer kommt mit in die Wildwasserbahn und wer geht in die rasende Schlange?), wir sitzen vorm Bierstübchen und essen und trinken, wir lachen und plaudern und hat das Riesenrad nicht ein neues Design?, wir essen und trinken noch mehr, fahren Karussell und quietschen, winken, fliegen mit dem Kettenkarussell durch den Abend und baumeln mit den Beinen, und dann, wie immer, krönen wir den Abschluss unseres Dombesuches mit der Fahrt im Riesenrad, hoch oben in der Gondel staunend über die Schönheit der Stadt, die winzigen Fussballer da unten im Millerntorstadion (Lokalderby HSV:Sankt Pauli), dahinten die Kräne des Hafens vorm rosanen Abendhimmel, dort blau-blinkend die Polizeiwagen, die sich für das Spielende bereitmachen, wir lachen und schweigen und geniessen den Abend, wie früher, fast so wie immer.

11.08.2021

Der Ausflug.

„Steuerbord! Nun Backbord!“, schallt es von der Rückbank. „Ihr seid nur Supernumerary und habt so gar nichts zu vermelden!“, rufe ich den beiden Kollegen, die im wirklichen Leben richtige Kapitäne sind, zu. Ich steuere, ich trete, also bin ich der Kapitän an Bord dieses Tretbootes.

Kapitän 1, mein Bürogenosse, hat bereits nach zehn Minuten seine Position als in die Pedale tretender und ins Steuer greifender Chief Officer wegen Rücken/Knie/Unfitness aufgegeben und mit dem Accountant halsbrecherisch den Platz gewechselt, der nun friedlich neben mir sitzt und gleichmässig mit mir das Tretboot vorwärts bewegt. „Was sollen bloss die Anderen denken, die uns sehen – drei Männer und eine Frau an Bord, die hier treten muss“, vermerkt Kapitän 2. „Was soll erst die Bootsvermietung denken, wenn sie das sieht“, entgegne ich. „Ich habe meinen Schwerbehindertenausweis als Pfand für die Tretboote abgegeben“.

Die Sprüche fliegen hin und her, während wir auf der Hamburger Aussenalster herumschippern, das Wetter ist perfekt für eine Bootstour, und ich gerate nicht einmal ins Schwitzen. Die heutige Fitnesseinheit ist hiermit ausserdem abgehakt.

08.07.2021

Unterwegs.

Aufgeregt (da Premiere), unsicher (wird die gecrashte Bandscheibe das mitmachen?), enthusiastisch (das bin ich meistens), neugierig (wie wird es mir gefallen?), balancierend auf dem Wasser (statt sonst schwimmend im Wasser), verschwitzt (da warm und sonnig), verschrammt (der Brombeerstrauch wollte nicht ausweichen) und glücklich!

Danke, liebe Su, für das tolle Einsteigertrainining (Fotos und Video: Su/Diagnose Leben)

05.07.2021

Unterwegs.

„Ich geh‘ jetzt ins Freibad“, sage ich. Mein Kollege schaut kurz auf, „Viel Spass, Prinzessin, das ist gut für’s Immunsystem“ und vertieft sich wieder im PC. Ich wiederhole dasselbe eine Tür weiter, der Geschäftsführer sieht aus dem Fenster auf den dunkelgrauen Himmel und den Nieselregen, rollt mit den Augen und winkt ab. Man kennt mich. Abhalten kann man mich eh nicht, und sei das Unterfangen noch so unverständlich.

Ich schultere die Schwimmtasche und marschiere los. Durch den Hauptbahnhof und um ein Mandelhörnchen reicher, geht es mit der U-Bahn Richtung Freibad.

Und hier fühle ich mich wie in dem kleinen gallischen Dorf, das aufmüpfig dem römischen Reich trotzt, denn hier kommt die Sonne, die den ganzen Tag nicht zu sehen war, zwischen den Wolken hervor. Ich gleite ins glitzernde Wasser, Muster entstehen auf den Armen, während ich gleichmässig meine Bahnen ziehe.

Ich wünschte, ich könnte Fotos machen und diesen friedlichen Moment festhalten: ein junger Mann sitzt mit übereinander geschlagenen Beinen, ganz aufrecht und grazil, auf der roten Mauer und liest Zeitung, zwei kleine Jungs in blauer und roter Badehose, denen die Sonne auf die gebräunten Rücken scheint, haben sich kumpelhaft die Arme um die Schultern gelegt und plaudern mit dem Bademeister, ein älterer Herr in Hemd und Anzug sucht sich ein Plätzchen auf der Anhöhe. Rechts von mir schwimmt ein Asiate mit langen Haaren, langsam und etwas unsicher bleibt er an der Beckenkante, auch wenn hier eigentlich Kreisverkehr gilt. Ich wechsele vom Brustschwimmen in die Rückenlage und tue das, was ich am liebsten tue: in die Sonne blinzeln.

Fitness-Wochenrückblick, Fitness-Wochenausblick:

Mo: Schwimmen ✔️

Mi: Hantelworkout / Balanceboard ✔️

Do: Gym ✔️

Fr: Schwimmen ✔️

Sa: Schwimmen ✔️

So: Schwimmen ✔️

Mo: Schwimmen ✔️

Di: Taji-Class bzw. Meditation-Class 🔲

Mi: Stand Up Paddling (Premiere) 🔲

Do: Gym 🔲

Fr: Schwimmen 🔲

Sa: Schwimmen 🔲

So: Schwimmen 🔲

25.06.2021 – Logbuch Madeira

Epilog.

Das Faszinierendste, was ich auf der Insel gesehen habe, war der Vollmond, der nachts das schwarze Meer silbern glitzern ließ.

Die Wellen rauschen; im gleichmässigen Rhythmus erobern sie den Strand, umgreifen die Steine und ziehen sie mit sich hinaus aufs Meer.

Dass ich nicht schlafen kann, stört mich nicht. Viel lieber verlasse ich immer wieder das Bett, um auf dem Balkon zu stehen, in den Himmel zu schauen und den Mond zu beobachten, der mit den Wolken tanzt und dem Gesang des Meeres zuzuhören.

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23.06.2021 – Logbuch Madeira

Tag 7

Zerzaust, aber glücklich!

Das ist mein erster Urlaub, der unter das Motto Pool-/Meerhopping geraten ist.

Ich habe mich einfach treiben lassen, immer ein Buch und ein Handtuch unterm Arm und das Badezeug untendrunter.

Würde ich Madeira nicht schon so gut kennen, wäre das ein Frevel.

So ist es eine Woche Freiheit, gepaart mit Aufregung, Vorfreude und Freude, wie man sie wohl erst nach einem Jahr sensorischer Deprivation wahrnimmt. Das kühle Salzwasser auf der Haut spüren, dem Rauschen des Meeres zuhören, die sprühende Gischt sehen, den Wind in den Haaren fühlen.

Im allerschönsten Freibad dieser Welt auf dem Rücken schwimmen, in die Sonne blinzeln und denken: das Leben ist schön.

22.06.2021 – Logbuch Madeira

Tag 6

Ich kenne Dich seit vielen Jahren. Mal mit hellgrünen Wänden, dann in himmelblau, kleine schwarz-weisse Kacheln schmiegen sich wie eine Perlenkette an Dich, halten, brechen, fallen auf den Grund, der mal mit Steinen, mal mit Matsch und mal mit Pfützen, in denen kleine Fische schwimmen, bedeckt ist. Das Meer kracht mit aller Kraft über Deinen Beckenrand und lässt Dich glänzen in salziger Gischt.

Seit das Spassbad am anderen Ende der Promenade eröffnet hat, habe ich jedes Jahr befürchtet, Deinen Wal abmontiert und Dich zubetoniert zu sehen.

Doch jedes Jahr warst Du noch da, immer etwas mehr ramponiert, lagst Du morbide-melancholisch hinter der kleinen Markthalle, in der der schwarze Degenfisch verkauft wird.

Und dieses Jahr hast Du mich überrascht: sauber geputzt und instandgesetzt, gefüllt mit Meer und planschenden Dorfbewohnern strahlst Du mir entgegen, ich hole mein Handtuch und das Schwimmzeug, wer braucht schon einen sterilen Hotelpool, und weisst Du was, das Spassbad am anderen Ende der Promenade, das haben sie geschlossen.

Video:

21.06.2021 – Logbuch Madeira

Tag 5

Wenn ich mich ein letztes Mal ins Meer wage, das Seil, das über mir an einem Stahlarm baumelt, ergreife und mich im Takt der Wellen wiege.

Wenn es mir schwerfällt, das Paradies zu verlassen, aber ich für die nächsten Tage in mein Dorf fahren werde.

Wenn ich gespannt bin, was sich dort verändert hat; das letzte Mal war ich 2016 hier. Das Dorf ist über die Jahre verfallen, bei jedem meiner Besuche etwas mehr. Nun stehe ich vorm Eingang des Hotels.

Wenn ich dasselbe Zimmer wie früher haben möchte und es bekomme. Es liegt direkt am Meer. Die Sicht geht übers Wasser, das Wellenrauschen ist so laut, als würden diese in mein Zimmer schwappen.

Wenn sich der Besitzer des Restaurants auf dem Dorfplatz freut, mich wiederzusehen.

Wenn ich feststelle, dass sich etwas getan hat: die Bäckerei hat statt des gelben Zeltdaches ein beiges Dach, unter das ich mich setze und einen frischen Orangensaft bestelle.

Wenn die Promenade mit den schwarzen und weissen Pflastersteinchen ausgebessert wurde.

Wenn alles mit Blumen geschmückt ist.

Wenn das Graffiti unter der Landebahn, das meinen allerersten Post meines Brustkrebsblogs begleitete, noch da ist. Wenn das Graffiti, das eine Tänzerin im Bikinioberteil zeigt, noch da ist, aber mit Löchern versehen und beschädigt wurde. Aber es ist noch da. So wie ich. Das ist alles, was zählt.

Wenn das Allerbeste zum Schluss kommt: das dunkelblaue Becken am Meer mit dem steinernden Wal, das bei jedem meiner Besuche ein Stück weiter verfallen war, wurde instandgesetzt und mit Wasser gefüllt. Darin tummeln sich einige Portugiesen. Wenn ich den Lifeguard anspreche und er sagt, dass ich hier auch gern schwimmen darf, es sei das öffentliche Bad. Und kosten, das würde es auch nichts.

Wenn ich mich freue und beschliesse, morgen den riesigen und leeren Hotelpool zu ignorieren, um zum allerersten Mal in dem schönsten Becken zu schwimmen, das ich je gesehen habe.

20.06.2021 – Logbuch Madeira

Tag 4

Und jetzt kommt der Kracher: seit Jahren fahre ich regelmässig nach Madeira, ursprünglich inspiriert durch die Sissi-Szene, in der die Kaiserin aka Romy Schneider lungenkrank im malerischen Garten liegt und über die madeirensische Küste schaut, während der Franz ihr Blumen und Perlen schickt…und stelle soeben fest: die Madeira-Szenen wurden gar nicht hier, sondern an der Amalfi-Küste in Italien gedreht 🤯! Ich bin irrtümlich auf Madeira gelandet.

Da nun die Film-Sissi nicht durch Gärten des Reids gewandelt ist, bleibt es aber trotzdem bei der Original-Kaiserin Sisi (mit einem ‚s‘), die hier schon residierte, ebenso taten dies Winston Churchill, Gregory Peck, George Bernard Shaw und Roger Moore. Und in die Gärten nehme ich Euch jetzt trotzdem mit, Sissi hin, Sisi her…(Video im link)

Bin etwas ratlos, wie mir so ein fauxpas unterlaufen konnte.

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