21.09.2020

Im Krankenhaus.

Ich sitze im OP-Hemdchen im Rollstuhl, die Arzthelferin hat mir einen Zugang in den rechten Arm gelegt. Es piekt. Ich sage nichts, sondern gucke zur Wand, an dem ein rotes Plastikbrett mit der Aufschrift „Reanimation“ befestigt ist.

Das ich heute im Krankenhaus zum Brust-MRT gelandet bin, ist überraschend; genauso wie das Outfit, in dem ich jetzt stecke.

Ob man diese Technomusik ausstellen könne, frage ich, als ich bäuchlings mit fixierten Armen und ner Platte auf dem Rücken ins Gerät geschoben werde. Das ginge nicht, das seien die Geräusche des Gerätes, und lauter, das würden sie dann auch noch werden. 20 Minuten dauert das Prozedere, in dem ich nichts sehe, dafür umso mehr höre und spüre, als die Kontrastflüssigkeit in den Arm geleitet wird.

Alles perfekt, sagt die Radiologin, als sie mich auf dem Flur abfängt.

Ob ich denn jetzt zum Schwimmen gehen könne?, frage ich. Mein Aussenbecken des öffentlichen Bades liegt genau neben dem Krankenhaus, und ausserdem scheint die Sonne.

Ich vermute, dass ich die Einzige bin, die nach einem MRT, bei dem eventuelle Narbenrezidive abgeklärt werden sollen, nach einer Schwimmerlaubnis fragt.

Ich laufe zum Schwimmbad rüber und beglückwünsche mich, dass ich mich nicht vorher mit derlei Untersuchungen auseinandersetze. Da spare ich mir schlechte Laune.

Diese trifft mich allerdings am Montag: überraschenderweise lande ich beim EKG bei meinem Hausarzt, da mein Blutdruck viel zu hoch ist, und keine Ursache ausgemacht werden kann. Ein Rezept für einen Betablocker (für den Notfall) bekomme ich mit, meine Blutdruckwerte möge ich dokumentieren und weitere Untersuchungstermine ausmachen, und dann, dann darf ich doch – mit Verspätung – meine Reise ans Meer starten.

15.05.2020

Highlights.

Wir sitzen an einem kleinen Tisch im italienischen Restaurant an der Ecke und studieren die Karte. Ich nehme eine Pizza Salerno, sage ich. Und eine Cola Light! Die letzte Cola habe ich vor Corona getrunken und ist somit das I-Tüpfelchen auf dem Highlight des Tages, dem Besuch im Restaurant.
Was „früher“ etwas Normales war, ist nun etwas besonderes geworden. Dasselbe Gefühl hatte ich vor drei Jahren, als mir – dank der Brustkrebs-Diagnose – die kleinen Dinge des Alltags in einem besonderen Licht erschienen und die Worte Wertschätzung, Demut und Dankbarkeit zentrale Begriffe in meinem Leben wurden.

Weitere Highlights der neunten Woche in Isolationshaft/Homeoffice waren ein Feierabendspaziergang mit meiner kleinen Cousine; knapp 12.000 Schritte ging es am Michel vorbei, weiter durch die Gassen des Komponistenviertels, hinein nach Planten un Blomen und zurück durch die Allee mit den hohen grünen Bäumen hinunter an den Hafen.

Ich habe – im virtuellen Raum – meine Taiji-Class und die Meditation-Class getroffen, eine knappe Stunde mit J., meinem britischen Arktis-Freund, gefacetimt und einige ausführliche Fachgespräche am Telefon mit meinem 10-jährigen Patenkind N. geführt.
Die Eltern schlagen überraschenderweise eine Einladung zum Mittag aus, das sei zu gefährlich – wobei nicht ganz klar wird, ob sie damit die C-Lage oder meine Kochkünste meinen. Ich hake nicht nach.

Außerdem habe ich es gewagt, mir nach über 2,5 Monaten Bankauszüge zu holen, vor denen mir ob der vielen Online-Bestellungen etwas bange war. Ich kann aufatmen; da diverse andere Kosten weggefallen sind, die ich im „normalen“ Leben, aber nicht in Isolationshaft, habe, bin ich doch nicht ruiniert. Auf geht’s ins Internet und bald wieder auf Kurztrips an die Ostsee, neue Highlights schaffen.

29.03.2020

Leben in Zeiten von Corona

Ich bin gutgelaunt. Eben ging eine Nachricht von meinem Zahnarzt ein, ich möge doch einen Termin zur Kontrolle abmachen sowie zur Zahnreinigung. Sofort rufe ich zurück und bin begeistert, dass man mir sogleich meinen favorisierten Termin vorschlägt (nämlich an einem Donnerstag Abend, man kenne sich doch schon so lange, da wüssten sie doch, wann ich Zeit habe…). Gleichzeitig bin ich verblüfft, dass mich das Abmachen eines Zahnarzttermins so fröhlich stimmt. Normalerweise bin ich der Angstpatient und der Zahnarzt mein Feind Nummer 1 (das sieht er natürlich anders, und das zu Recht…).

Es macht mir insofern gute Laune, weil diese Terminabsprache doch etwas Normaliät in mein Leben bringt, denn das Normale, das vermisse ich.

Statt Büro bin ich seit zwei Wochen im Home Office. Statt Taiji-Class, Meditationsstunde, Schwimmen, Gym und den vielen Sozialkontakten laufe ich allein im Hafen meine 19-er-Form, und das jeden Abend. Auf YouTube habe ich Fitnessvideos gefunden, mit meinen Arktis-Freunden aus den USA, UK, Georgien und der Schweiz halte ich Apero-Parties via FaceTime ab, einen Freund treffe ich zur Mittagspause auf einer Bank an der Elbe (wir halten mindestens 2 Meter Abstand, und es fühlt sich skurril an), ich skype-meete mehr als gewöhnlich, und ja, ich habe mich den jetzigen Gegebenheiten angepasst. Die Sonne scheint, und das bereits seit zwei Wochen, es ist das perfekte Wetter, um ins Aussenbecken des öffentlichen Bades…lassen wir das.

„Mein“ kleines Krankenhaus hat meinen Vor/Nachsorgetermin bereits zweimal verschoben, langsam müsste ich postalisch ein Tamoxifen-Rezept anfordern.

Mein Tag ist strukturiert, und das ist wichtig. Ich komme um Punkt 8:00h in meinem Home Office (ab 16.30h ist es wieder die Küche) an, angezogen und gekämmt, nachdem ich draussen eine Runde um den Block (statt zur Bushaltestelle) gegangen bin.
Mittlerweile ist der Gang zum Drogeriemarkt und zum Bioladen zum Tageshighlight mutiert, die Freude, dass eine Eisdiele und ein Blumenladen geöffnet haben, ist riesig.
Ich koche und backe vor mich hin (wenn das Home Office um 16.30h geschlossen hat), statt des freitäglichen Schokoriegels genehmige ich mir eine kleine Ausnahme pro Tag, ich muss mich schliesslich bei Laune halten.

Und doch weiß ich, dass das hier Jammern auf sehr hohem Niveau ist. Ich habe schliesslich ein Dach über dem Kopf, ich kann von zuhause arbeiten, ich kann mir laufend die Hände waschen, ich kann Abstand zu meinen Mitmenschen halten, und in meinen Hafen zum Taiji-Üben darf ich auch gehen. Und der Hafen, der ist schön. Und gehört mir ganz allein. Ich kann von hier aus sogar zur Praxis meines Zahnarztes gucken.

29.02.2020

Better safe than sorry.

Ich stehe im Drogeriemarkt meines Vertrauens, und obwohl es noch am frühen Vormittag ist, sind die Regale, in denen sonst Seifen und Desinfektionsmittel stehen, leergefegt. Eigentlich wollte ich nur ein kleines Fläschchen Desinfektionsgel für die Hände kaufen, die Sorte, die ich grundsätzlich immer auf dem Schreibtisch im Büro und in meiner Handtasche habe, aber nun nehme ich eines der letzten Seifenstückchen, das von den Hamsterern zurückgelassen wurde.

Ausserdem nehme ich zwei Gläser Bio-Kürbissuppe mit. Die standen zwar nicht auf meiner Einkaufsliste, aber ich habe erstmals beschlossen, einen kleinen Not-Vorrat anzulegen.
Das fällt mir schwer, da ich zuhause nur frische Lebensmittel und ein paar Haferflocken und Dinkelnudeln habe, aber ich halte es für durchaus sinnvoll, den Nudelvorrat etwas aufzustocken und um Spargel,- Wurzeln,- Erbsen,- Tomaten,- Mais,- Sauerkirschen,- Pfirsiche,- und Ananasdosen bzg. Gläser zu ergänzen.
Schon neulich, als ich mit Magen-Darm flachlag, ist mir aufgefallen, dass ich – bis auf ein paar Haferflocken und zwei Äpfel – nicht sehr viel zu essen zuhause hatte. Wobei ich da auch keinen Appetit und somit zwei Kilogramm an Gewicht verloren habe.

Ich habe mir die Notvorratsliste, die von der Bundesregierung herausgegeben wurde, angeschaut. Natürlich lege ich weder Milch- noch Fleischvorräte an, und erst recht kaufe ich mir keinen Campingkocher. Man muss die Kirche im Dorf lassen.
Trotzdem ordere ich online einen kleinen Vorrat, den ich im Keller im roten Koffer lagern werde. Das Brot werde ich natürlich in den Gefrierschrank tun, aber alles andere wird in den Keller wandern, und das aus gutem Grund: sobald ich etwas „aussergewöhnliches“ zu essen in der Wohnung habe, esse ich es auf. Sofort. Und Obst und Gemüse in Gläsern würden dazugehören, da bin ich mir sicher. Ich kenne mich.

Beim Schwimmen im Aussenbecken des öffentlichen Bades treffe ich auf G., meine 80jährige Schwimmfreundin. Sie freut sich, mich zu sehen, aber, „umarmen können wir uns jetzt nicht“, sagt sie, „Corona….„. Ich stimme ihr zu, auch ich gebe niemandem mehr die Hand und wasche die meinigen umso häufiger. Da wir zu der Zielgruppe, die es schwerer treffen könnte (alt beziehungsweise immunschwach), gehören, muss man ja auch kein unnötiges Risiko eingehen. Aufmerksam agieren ist meine Devise, aber auch nicht unnötig in Panik verfallen. G. sieht das genauso; wir werden weiter ins Schwimmbad, das auffällig leer ist, gehen.

Auf Statistiken gebe ich nichts: 0,1% bis 0,2% der Grippeerkrankten sterben, 2,8% sind es derzeit bei den Coronafällen. Das klingt zwar nicht so hoch, aber ich bin auch diejenige, die zu den 8% an Bord eines Expeditionsschiffes gehört, die die stürmische Drakepassage ohne Seekrankheit übersteht. Und ich gehöre zu den 0,0…% (?) derjenigen, die an einem beidseitigen Brustkrebs, dem kein BRCA1/BRCA2-Defekt zugrunde liegt, erkrankt ist. Und einen so seltenen Gendefekt hat, der noch nicht einmal erforscht ist.

Man kann sich einerseits über die Panikmache in den Medien ärgern, die jeden Menschen, der hustet, als Eilmeldung publizieren, auf der anderen Seite über diejenigen, die sich über die Situation lustig machen (solange es einen nicht selbst trifft…) und auch über diejenigen, die tatsächlich sämtliche Vorräte aufkaufen, als gäbe es kein Morgen mehr. Zumindest kein Morgen, an dem Geschäfte geöffnet haben.
„Haben sie morgen auch nicht“, rufe ich mir zu, „morgen ist ja Sonntag!“ Nun gut, das meinte ich zwar nicht, aber ich meine, man müsse schon aufmerksam und etwas umsichtiger sein, wenn man in die Kategorie „alt und/oder immunschwach“ gehört. Ich krame mein Desinfektionsmittel, das ich schon seit dem Everest mit durch die Weltgeschichte trage, aus dem Badezimmerschrank hervor und reinige die Türklinken. Better safe than sorry.

10.02.2020

Weiterpacken.

Kamillentee, Klopapier, Desinfektionsmittel, Kohle-Kompretten, Trockenhefe, Verbandszeug, Elektrolyte, Haferflocken, Gemüsebrühe, Nüsse, Wanderstiefel, Mütze, Handschuhe, Sonnenbrille…

Du hast sie doch nicht mehr alle, sage ich.

Aber ich liebe Abenteuer!, antworte ich mir.

Noch etwas gebeutelt von Magen-Darm und einem Sturz bei Nacht, in der ich ohnmächtig in der Küche zusammengesackt und mit dem Kinn auf die Arbeitsplatte geknallt bin (und dabei auch noch meine Hand mit Teewasser verbrannt habe), fange ich an zu packen.

Deja vu: genauso sah es aus, als ich auf dem Weg zum Basecamp des Everest war; nun geht es in die Sahara.

Einfach mal so einen Strandurlaub…mit Buch…Cocktail…

ich winke ab. Ich möchte durch Oasen mit Palmen spazieren, wie Laurence von Arabien durch die Todraschlucht wandern, übers Atlasgebirge und zum Dadesfluss fahren…na dann – dann pack weiter.

27.01.2020

Weiter leben.

Wir lachen. Das habe sie in der Tat auch schon überlegt, ob sie an den Stadtrand ziehen sollte, antwortet die Humangenetikerin, als ich die Feinstaubproblematik in der Hamburger Innenstadt anspreche. Feinstaub ist ein Krebsrisiko. Genauso wie mangelnde Bewegung, Übergewicht und ungesunde Ernährung. Unser Lebensstil und Umwelteinflüsse hängen damit zusammen, ob bzw. auch wann man an Krebs erkrankt.
Sie habe schon mal drei Generationen mit demselben Gendefekt vor sich gehabt: die Großmutter sei mit 70 Jahren an Krebs erkrankt, die Mutter mit 50 Jahren, die Tochter mit 30 Jahren. Warum bricht also die Krankheit bei dem einen früher und bei dem anderen später aus?

Ich beuge Risiken, (wieder) an Krebs zu erkranken, konsequent vor, soweit es sich von meiner Seite machen lässt. Gesunde Ernährung, regelmässiger Sport, Stressreduzierung, Vor- und Nachsorgeuntersuchungen der Organe, die von einem NTHL1-Defekt betroffen sein können….aber ein Restrisiko, das ich Schicksal nenne, bleibt immer bestehen.

Die Forschungsergebnisse aus 2019, die ich im Internet zu meinem seltenen Gendefekt gefunden habe, habe ich mitgebracht, genauso wie diverse Arztbriefe. Auch die Humangenetikerin hat überprüft, ob es zu meiner speziellen Form des Gendefektes neue Erkenntnisse gibt, aber dem ist nicht so. Weitere Checks auf Basis der Forschungsergebnisse könne man machen, müsste ich aber im Moment selbst finanzieren, da Krankenkassen diese Kosten nur alle vier Jahre übernehmen. Und es kann sehr gut sein, dass auch nach dem Check keine neuen Erkenntnisse vorliegen.

Fazit des interessanten Gespräches und der für mich auch etwas komplizierten Materie: Einem beidseitigen Brustkrebs liegt wahrscheinlich ein Gendefekt zugrunde. In meinem Fall bedeutet es zum jetzigen Zeitpunkt: weiterleben wie gehabt. Regelmässig zu sämtlichen Vor- und Nachsorgeuntersuchungen gehen, weiter meinem gesunden Lebensstil folgen und im Juli 2021 zu weiteren Tests antreten. Wer weiss, wie weit bis dahin die Forschung gekommen ist. Und wer weiß, was ich bis dahin noch alles erlebt habe.

24.01.2020

Krank oder alt?

Ist man eigentlich alt, wenn man für fast Euro 100,- in der Apotheke einkaufen geht? Oder krank? Krank fühle ich mich nicht. Alt aber auch nicht.

Die Apothekerin ist friedfertig und trägt sämtliche Sonnencremes zusammen, die sich in der Apotheke finden lassen, während ich mit meiner App einen Barcode nach dem nächsten scanne, um die Inhaltsstoffe der Produkte zu überprüfen. Das habe ich neulich schon in der Drogerie getan, allerdings erfolglos: ich will eine Sonnencreme ohne Mineralöl und ohne Plastikpartikel. Und Lichtschutzfaktor 50+ soll sie ausserdem haben. Und geschmeidig muss sie sein.
Aber heute kann ich das Projekt „Reiseapotheke Sahara“ erfolgreich abschliessen.

Ein Tamoxifen-Rezept habe ich auch noch in der Tasche, das ich vorhin auf dem Weg zum Schwimmen noch schnell aus meinem kleinen Krankenhaus geholt habe. Hätte ich auch am Mittwoch machen können, denke ich. Da stand ich schliesslich schon mal vor meinem Krankenhaus, da ich zum vierten Meeting mit der Stiftung verabredet war, der ich ehrenamtliche Unterstützung angeboten hatte.

Diesmal werden wir konkret, und damit werde ich mich am Wochenende mit dem ersten Projekt auseinandersetzen.
Warum ich das mache? Aus Dankbarkeit – schliesslich hat man mir dort das Leben gerettet – da möchte ich gern etwas zurückgeben. Ausserdem bringt es mir Spass, etwas Sinnvolles zu machen, was anderen helfen kann.

01.01.2020

Das weiße Buch.

Ich muss lachen.
„Das Jahr war anders als erwartet. Dafür lustigerweise viel umgesetzt“.
Das ist ein Zusatzvermerk, den ich am 31.12. 2017 zu meinen Jahres-Vorsätzen 2017 in das kleine weiße Büchlein nachgetragen hatte.

Es ist das Jahr, in dem ich mir – unter anderem – folgendes vorgenommen hatte:
– innere und äussere Balance halten / herstellen (Taiji/Meditation)
– reisen
– bewusst schauen
– draussen sein
– innehalten
– mehr Obst und Gemüse essen
– lachen
– niente paura (keine Angst)

Und dann kam im Februar 2017 der Krebs.

Interessanterweise passen die Vorsätze wunderbar zu jemanden, der eine Krebsdiagnose erhält, auch wenn ich das in dem Moment, in dem ich die Vorsätze verfasst habe, nicht ahnen konnte.

Meistens lernt man es nur auf die harte Tour, dass eine gute Gesundheit nichts selbstverständliches ist, sondern ein wertvolles Gut, das höchste Achtung und Wertschätzung erfahren sollte, und welches durch eine gesunde Lebensweise unterstützt werden muss.

Das kleine weiße Buch hole ich nur einmal im Jahr hervor, und zwar am 31.12. des Jahres. In ihm vermerke ich akkurat, was ich im Folgejahr umsetzen möchte – und hake natürlich ab, was ich im vergangenen Jahr von all meinen Vorsätzen angegangen bin.

Da ich recht diszipliniert bin, kann ich immer fast alles abhaken. Das, wo nur ich selbst gefragt bin, ist häufig mit einem Häkchen versehen, das, wo andere Menschen involviert sind, nicht ganz so häufig.

Gestern habe ich das Büchlein wieder aufgeschlagen und habe die Häkchen für 2019 gesetzt. Und meine Liste für 2020 angelegt. Es wird ein gutes Jahr, dessen bin ich mir sicher.

Mein 2020 beginnt heute Morgen dort, wo es 2019 geendet hat: im Aussenbecken des öffentlichen Bades.  Ich schwimme meine 40 Bahnen, umgeben vom aufsteigenden Dampf, denn es ist kalt, die Sonne blinzelt auf die türkisfarbene Bande, die sich im türkisen Wasser widerspiegelt, das jetzt doppelt-türkis erscheint. Ein Rabe kräht. Ich freue mich, denn es ist der erste Besuch im Bad von vielen weiteren, und einen Haken, den werde ich am Ende des Jahres auch wieder setzen können.

03.12.2019

Im Krankenhaus.

Eine große Tasche hätte ich ja dabei, stellt Dr. Z. im fünften Stock ‚meines‘ Krankenhauses fest. Das stimmt, antworte ich auf dem Weg in ihr Zimmer, denn nach der Nachsorge ginge ich zum Schwimmen. Prof. Dr. M., mein Lebensretter, kommt uns im OP-Outfit entgegen, wir lachen uns zu.

Dr. Z. erinnert sich nun wieder, dass ich ja immer zum Schwimmen gehe, dass wir uns zuletzt auf dem Mutmach-Abend der Stiftung des Krankenhauses gesehen haben und das die Ergebnisse der Mammographie und des Ultraschalls Ende August gut waren.

Ich spreche meinen Gendefekt an und erläutere die niederländischen Forschungsergebnisse aus dem Jahr 2019. Panisch bin ich nicht, aber zur Seite wischen tu‘ ich das Thema auch nicht. Ende Januar wüsste ich mehr, da hätte ich meinen Folgetermin bei den Humangenetikern. Ich gehe nicht vom worst case (diverse Körperteile prophylaktisch entfernen lassen) aus, sondern vom good case (engmaschigere Vor-/Nachsorgeuntersuchungen). Sie sieht das genauso.

Während ich mich entkleide, sprechen wir über meine Reisepläne des kommenden Jahres. Es fühle sich alles gut an, es sei nichts Auffälliges auszumachen, sagt sie dann. Wir wünschen uns ein frohes Weihnachtsfest, im März werden wir uns wiedersehen.

Ich laufe die Stufen hinunter, laufe über den Vorplatz, laufe zum öffentlichen Bad, in dem es heute nicht nur zum Schwimmen, sondern auch mit einer Freundin in die Sole gehen wird, aber erst schwimme ich draußen, der Dampf steigt auf, die Luft ist kühl, und wieder bin ich so dankbar dafür, dass ich hier sein darf, dass ich gesund bin, dass ich bin.

Hyazinth, der kleine Spanier, lacht mich an, ob ich die Lichterketten schon an der Bande gesehen hätte, wie schön mögen sie wohl im Dunkeln leuchten. Ich bestätige, dass sie wirklich schön leuchten, denn letzte Woche sei ich abends nach der Arbeit geschwommen, nun ist es noch zu hell, nun erfreuen wir uns an dem aufsteigenden Dampf und dem blaublitzenden Wasser.

Zur Feier des Tages gönne ich mir einen Cäsarsalat und einen Smoothie in der Sole, lese etwas und freue mich, als meine Freundin um die Ecke kommt. Wir dümpeln in der Sole herum, gehen in die Himalaya-Salz-Sauna, trinken Kaffee, essen Eis, schwimmen noch etwas draußen im Aussenbecken des öffentlichen Bades, wir bleiben bis abends, bis es dunkel wird und bis die Lichterketten leuchten.

2 Jahre, 8 Monate und 11 Tage krebsfrei.

30.11.2019

Unterwegs.

Am Freitag mache ich G., meiner 80-jährigen Schwimmfreundin, Mut, da sie Schmerzen im Knie und Krämpfe im Bein hat und Angst bekommt, dass sie bald keinen Sport mehr machen kann.

Am Freitag mache ich einem Kollegen Mut, der in meinem Büro zu weinen anfängt, als er mir erzählt, dass seine Frau Brustkrebs hat. Sie habe doch schon Leukämie gehabt. Fair sei das nicht. Ich oute mich und biete an, dass, wenn sie sich austauschen möchte, mich jederzeit kontaktieren kann.

Das Leben ist fragil. Das Leben ist zu schade, um es im Bett zu verplempern. Also mache ich mich am Samstag in aller Frühe auf den Weg nach Sylt. Auf dem Bahnhof gönne ich mir einen Kaffee mit „richtiger“ Milch und ein Croissant. Für die Reise habe ich ich noch Wurzeln, Pflaumen, Gurkenscheiben, Bananen, ein Vollkornbrötchen, Nüsse und Wasser mit frischer Zitrone dabei.

Der Zug fährt los. Ich sehe die Sonne über den Wiesen aufgehen. Ich sehe den Nebel aus den Weiden emporsteigen. Ich sehe den Raureif, der auf den Feldern liegt. Ich sehe einen Regenbogen. Die Ausbeute an wunderschönen Eindrücken ist groß, dabei ist es noch nicht mal 9.00h!

Mein Zimmer ist noch nicht bezugsfertig, also mache ich mich auf den Weg in die Friedrichstraße. Neben der Vorderreihe in Travemünde ist sie meine Lieblingseinkaufsstraße. Es dauert keine Stunde, und ich habe die ersten 100 Euro vershoppt (Klobürste, Abwaschbürste, Weihnachskarten, Kalendarium 2020, Postkarten, kleine Weihnachtsgeschenke, ein Pfund Kaffee – kriegt man ja alles nicht in Hamburg 🤨). Aus Selbstschutz gehe ich zurück ins Hotel, setze mich ins Foyer und schreibe die ersten Karten.

Später mache ich einen langen Spaziergang am Strand entlang, gönne mir noch einen Kaffee (und eine frische Waffel), dann gehe ich schwimmen. Abends ein Salat und ein weiterer Spaziergang.

Es ist dunkel am Strand, die Luft ist klar. Vor mir krachen die Wellen an Land, über mir glitzern die Sterne. Ich gehe weiter und weiter, niemand ist hier unterwegs, nur ich und die Wellen und die Sterne. Gut, denke ich. Dann gehört mir die klare Luft hier ganz allein.

27.11.2019

Nachruf.

Liebe Metahasenbändigerin, liebe Onkobitch, liebe Kathrin,

„Ich verliere alles was ich habe, und alle anderen nur mich. Mein Verlust hat keine Grenzen, denn alles bleibt, nur ich nicht.“

Ein sehr berührender post, der letzte, den Du auf Deinem blog verfassen konntest, irgendwo zwischen Palliativstation und Hospiz.

Seit 2,5 Jahren folgen wir unseren blogs, Du warst eine meiner ersten follower und Kontakte, die sich mit Brustkrebs auseinandergesetzt hat. Nicht nur Deine Texte haben mich inspiriert und zum Lächeln gebracht; Du hast die große Gabe besessen, Deine Gefühle und Gedanken in wunderbaren Comics auszudrücken. Todd (der Tod), Fati (die Fatigue) und die Metahasen (Metastasen) wurden durch Dich greifbar. Manchmal sogar sympathisch. Als letzte Figur kam die Angst dazu. Die Dir die Luft zum Atmen nahm, die nachts auf Deinem Bett saß und sich nicht abschütteln ließ.

Du hast Dich bei mir bedankt, dass Du „ein bisschen“ mit in die Arktis reisen konntest. Ich bin gestern in Gedanken mit Dir im Wünschewagen nach Usedom gefahren und habe Dir so sehr gewünscht, dass Du einen schönen Abschluss findest.

Sterben wolltest Du mit einem Lächeln auf den Lippen. Ich hoffe, das ist Dir gelungen.

Ich hätte mir ein anderes Ende gewünscht. Eines, an dem Du nicht alles verlierst. Eines, in dem Dein Comic damit endet, dass Todd und Fati in die Wüste und die Metahasen in die Hölle geschickt werden. Weil man sie besiegen kann. Weil man den Krebs besiegen kann. Leider ist es noch nicht soweit. Und leider musstest Du nun viel zu früh gehen.

Ich hoffe, dass Du dort, wo Du jetzt bist, keine Schmerzen mehr hast. Und fröhlich mit den Schmetterlingen tanzt.

Danke Dir von Herzen für die vielen Bilder, an denen Du uns hast teilhaben lassen. Ich werde Dich vermissen.

Brustkrebs ist nicht pink.
Brustkrebs glitzert nicht.
Brustkrebs kann man nicht wegschminken.
Brustkrebs ist schwarz.
Brustkrebs ist düster.
Brustkrebs ist tödlich. Immer noch.

Illustration: (c) KL/Metahasenbändigerin

24.11.2019

Zuhause. Und unterwegs.

Sonntag morgen, 8.30h. Ich sitze in der Küche, in der rechten Hand die Tasse Kaffee, mit der linken tippe ich auf dem Laptop herum und buche Flüge nach Georgien. Reiseplanung gehört zu meinen Lieblingsbeschäftigungen und steigert die ohnehin schon gute Laune ungemein. Ich informiere Team Naugthy – meine Freunde aus der Arktis – dass ich mit A. aus der Schweiz unsere Flüge am Buchen bin, ab München werden wir zusammen nach Tiflis weiterfliegen, G., der uns nach Georgien eingeladen hat, lässt wissen, dass er einen Wagen zum Flughafen schicken und in die Detailplanung gehen wird. Damit steht eines meiner Highlights für 2020!

Danach geht es zum Schwimmen. Da keine bekannten Gesichter im Aussenbecken auszumachen sind, habe ich Zeit, die nächsten 1.000 Meter nachzudenken. Über meine momentan extrem gute Laune (wenn man mal vom Zirkus bei der Arbeit absieht). Ich habe Bedenken, dass der Fall umso tiefer sein könnte, wenn es mir so (zu?) gut geht. Das habe ich bei einigen beobachtet, denen es nach einer schlechten Phase erst wieder besser ging, bevor der Feind kurze Zeit später ein letztes Mal zuschlug.
Jetzt bin ich allerdings gesund und vom Sterben weit entfernt (sollte ich nicht morgen zufällig vor ein Auto laufen), doch lässt es mich innehalten.
Wie geht es Dir?, frage ich mich und schaue mich an. Gut geht es mir, antworte ich, das Leben wird gelebt, die Reisen gereist, die Bahnen geschwommen, das Lachen gelacht, was genau ist das Problem?

Die gecrashte Bandscheibe, die im Winter wieder schmerzt (und dieser Umstand mit einem warmen Leibchen behoben werden kann)?
Die Müdigkeit und Unkonzentriertheit, die ich treffsicher auf einen Vitamin-B-Mangel zurückgeführt habe und denen mit Mikronährstoffen zu Leibe gerückt bin?
Hab ich im Griff, sage ich zu meinem Hausarzt, bei dem ich wegen Impfungen vorspreche und der den B-Mangel glatt übersehen hat, was mich nicht so sehr stört, da ich meine Blutwerte immer ausdrucken lasse, um sie selbst zu überprüfen. Auch seine Praxiskollegin, bei der ich zur Schilddrüsensonografie war, hat den B-Mangel im Computer entdeckt, alles im Griff, preventive action läuft.
Der seltene Gendefekt meines NTHL1-Gens, zu dem es erstmals in 2019 Forschungsergebnisse gibt und der tatsächlich für ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs, Darmkrebs, Eierstockkrebs, Schilddrüsenkrebs, Hautkrebs und Hirntumor bei einer Generation verantwortlich ist? Weil das NTHL1-Gen, das für die Fehlerfindung auf der DNA zuständig ist, keine Fehler finden kann, wenn es defekt ist und somit Krebszellen ignoriert?
Damit habe ich den unsicheren Faktor in meinem Leben gefunden. Ich bleibe pragmatisch; Ende Januar haben ich einen Termin beim Humangenetiker, im worst case werden sie vorschlagen, zehn Körperteile zu entfernen (was ich aber nicht glaube), im good case werden sie sagen, dass ich feinmaschiger als bisher zu Vor- und Nachsorgeuntersuchungen anzutreten habe. Mit dem good case kann ich leben.

Ich schwimme auf dem Rücken und gucke in den grauen Himmel. Von den bunten Bäumen sind nur noch Skelette übrig, die dunkel und kahl über das Aussenbecken ragen. Ein Schwarm Vögel zieht vorbei. Wie geht es Dir?, frage ich. Gut geht es mir. Mir geht es gut.  

Der Fitness-Rückblick der Woche:
Mo: Stretching ✔️
Di: Meditation-Class ✔️
Mi: Schwimmen ✔️
Do: Gym ✔️
Fr: Schwimmen ✔️
So: Schwimmen ✔️

…und am Samstag im Kino grünen Tee, Gemüsesticks, Trauben und Käse bestellt statt Prosecco und Popcorn. (note to myself: freiwillig!)

02.11.2019

Unterwegs.

Und was passiert, wenn ich auf den letzten Button dieser app clicke?
„Die Bestellung wurde abgeholt“, sagt die app.
Ich verdamme meine Neugier, die Bestellung habe ich natürlich noch nicht abgeholt, ich sitze ja in der Küche und versuche, die app zu durchschauen.
Ich ziehe die Jacke über, nehme den Einkaufskorb und laufe los zur Cafe-Bäckerei, bei der ich jetzt schon angeblich die Ware abgeholt habe.
Trotz des Malheurs gefällt mir die app – es geht darum, Lebensmittelverschwendung vorzubeugen; hier stellen Cafés, Bäcker, Geschäfte und Restaurants Lebensmittel ein, die sie nicht mehr an diesem Tag loswerden, und das zu einem Schnäppchenpreis.
Ich investiere Euro 3,80 und bin gespannt, was ich bekommen werde. Leicht wird das nicht, da ich ja (eigentlich) einen hohen Anspruch an meine Ernährung habe.
Das Tresenteam schaut mich interessiert an, als ich erkläre, dass ich meine Bestellung jetzt abholen komme, obwohl sie wohl die Info hätten, dass ich schon da gewesen sei. Sie bleiben gelassen, statt einer Überraschungstüte darf ich mir aussuchen, was ich mitnehmen möchte. Das gefällt mir gut, ich zeige auf ein Stück Käsekuchen (Sünde 1), man gibt noch zwei Muffins dazu (Sünde 2+3), ich möchte ein Brot mit Streichkäse, Wurzeln und Gurke, man gibt mir noch zwei riesige vegetarische Burger mit Gemüse dazu.
Da ich schon mal in der Gegend bin, geht es weiter zum Bioladen.

Ausserdem war ich heute nach der Arbeit schwimmen.
Kalt ist es, Dunst steigt auf und lässt das Aussenbecken des öffentlichen Bades mystisch wirken. Nur zwei weitere Schwimmer drehen ihre Runden, C., meine Schwimmfreundin,  habe ich bereits in der Kabine getroffen, sie war sehr früh dran, ich sehr spät, da ich noch in dem Laden für Mikronährstoffe meine Vorräte an B12 und D3 aufgefrischt habe.

Überhaupt ist die Fitnesswoche durcheinander geraten.
Stattdessen gab es Zahn- und Augenarzttermine, am Feiertag lag ich kränkelnd danieder, und am Dienstag war der Mutmachabend der Stiftung ‚meines‘ Krankenhauses.
Das war doch sicher traurig, sagt meine Mutter am Telefon.
Ich verneine.
Im Gegenteil; das zahlreich erschienene Publikum hatte sogar etwas zu lachen.
Weder das Taschentuch, das ich vorsichtshalber in die Hosentasche gesteckt hatte – ich war mir nicht sicher, wie ich auf der Bühne mit der Konfrontation Brustkrebs reagiere – habe ich gebraucht, genauso wenig wie die Karteikarten, die ich dabei hatte, sollte mir nichts einfallen. Mir fällt viel ein, ich hätte noch locker zwei Stunden über die verschiedenen Aspekte zum Thema Brustkrebs sprechen können.

Ein weiteres Highlight der Woche ist das email meiner Arktis-Kabinengenossin D. aus North Carolina. Die 76-Jährige hat ihre nächste Expedition in die Kälte geplant und fragt, ob ich nicht wieder mitkommen möchte. Ausserdem fliege sie nächstes Jahr nach London und checke schon Flugverbindungen nach Georgien, wo wir uns doch alle wiedersehen wollen.
Trotz ihrer Versprechungen „…I will bring my sleep machine so I will not snore!!! I certainly feel better using it instead of the glorious mouth piece! I will unpack immediately upon arrival!!“ werde ich nächstes Jahr nicht wieder in die Arktis fahren – ich plane im Frühjahr eine ganz andere Exkursion mit A. aus Österreich, die ich in Israel kennen gelernt habe.

Und wieder einmal stelle ich fest, dass das Leben so viele wunderschöne Momente bereithält.

Fotovermerk: Hamburg Photography

Blumen statt Tränen 😍

#nofoodwaste

D. und ich auf unserer Arktis-Expedition

26.10.2019

Unterwegs.

Highlight der Woche:
Einladung von G. aus Georgien an Team Naughty (unser Arktis-Dream-Team), ihn in  2020 für eine Woche in Georgien zu besuchen. Wir müssten uns nur auf ein Datum einigen und die Flüge zahlen. Team Naugthy ist hellauf begeistert, wir möchten so gern nach Georgien und uns wiedersehen, die Bilder, die G. uns geschickt hat, sehen wunderbar aus, mal schauen, ob wir es schaffen, die Team Naughty-Mitglieder aus den USA, UK, der Schweiz und Deutschland zusammen unter einen Hut und zu G. nach Georgien zu bekommen.

Fail der Woche:
Ich wusste, dass ich niemanden auf D.’s Geburtstag kennen würde. Auf dem Weg zum Restaurant, in dem wir unser Essen selbst kochen werden, verlaufe ich mich auf dem unübersichtlichen Areal. Aber ich bin ja plietsch und folge einfach einigen Herrschaften, die mit Geschenken bewaffnet auf das Restaurant zusteuern. Ich lasse mir die Garderobe zeigen, plaudere ein wenig und möchte mein Geschenk auf den Gabentisch legen.

Das ist doch hier der Geburtstag von D.?, frage ich den netten Herrn neben mir. 
Das hier ist die Hochzeitsfeier von S. und G.,
 antwortet er.
Huch!
Ich nehme mein Geschenk und suche die nächste mir (noch) unbekannte Gesellschaft.

Hier wird gekocht. Im Team „Vorspeise“ schwitze ich Unmengen von Gemüse an. Gemüse kann ich. Es ist ein wunderbarer Abend, auch auf dieser Feier lerne ich sehr nette Menschen kennen. Und wenn dem nicht so gewesen wäre….hätte ich ja zur mir schon bekannten Hochzeitsrunde zurückgehen können…

Die Woche an sich:
Die Woche war anstrengend. Anstrengend bei der Arbeit, dazu noch viele kleine Dinge zwischen Büro und dem Sport erledigt (Rezept aus meinem kleinen Krankenhaus holen, Wochenmarkteinkäufe am Freitag einbauen, Umorganisation sämtlicher Sportaktivititäten, weitere Termine abmachen, mein Rezept zur Apotheke bringen, Schuhe kaufen).

Ausserdem führe ich ein langes Telefonat mit der Moderatorin für den anstehenden Mutmachabend am 29.10. zum Thema Brustkrebs, den die Stiftung meines kleinen Krankenhauses organisiert.
„Aktiv leben“ und „Halt finden – Halt schenken“; zu diesen tollen Themen darf ich als Talkgast auf der Bühne meine Erfahrungen vor einem größeren Publikum teilen. Ich bin gespannt.

Am Samstag bin ich dann endgültig k.o. und beschließe, den Tag einfach im Bett zu bleiben, rumzutrödeln, einige Stunden Shopping Queen zu schauen, nur zur Apotheke muss ich schnell rüberlaufen, um meine bestellten Tabletten abzuholen.
G., meine Schwimmfreundin, ruft an, sie habe mich am Freitag vermisst und möchte wissen, ob ich krank sei und etwas bräuchte. Das ist sehr lieb von ihr. Ich gebe Entwarnung und verspreche, dass ich nächsten Freitag wieder am Start bin.
Weiter rumtrödeln, etwas zum Abendessen kochen, die Schwimmtasche für Sonntag packen und ab in die Badewanne.

Ausserdem muss ich noch überlegen, was ich am Dienstag Abend anziehen möchte – vielleicht probiere ich gleich einige Kombinationen durch, bevor ich am Dienstag in Panik verfalle. (note to myself: der neue dicke schicke Strickpullover fällt aus, abends ist die Zeit der Hitzewallungen, und Bühnenbeleuchtung macht das auch nicht besser.)

Der Fitness-Wochenrückblick:
Montag: Taiji auf dem Dach ✔️
Dienstag: Meditation-Class ✔️
Mittwoch: Gym ✔️
Donnerstag: Schwimmen ✔️
Sonntag: Schwimmen ✔️

03.10.2019

Israel-Westjordanland

Was macht Mut?

Über diese Frage werde ich die nächsten Tage genauer nachdenken.
Was macht mir Mut?
Wie mache ich Anderen Mut?

Der Oktober ist offiziell Brustkrebs-Monat.

Am Dienstag, den 29.10.2019 um 19.30h, findet in Hamburg im Hotel Gastwerk eine Veranstaltung statt, die von der Stiftung Mammazentrum Hamburg organisiert wird.
Thema: Aufklärung und Mut machen!
Bei der moderierten Veranstaltung werden Ärzte „meines“ Krankenhauses zu Wort kommen, genauso wie Betroffene. Eine davon bin ich. Deshalb mache ich mir schon mal etwas Gedanken zum Thema Mut. Und freue mich auf einen spannenden Abend.

Das Programm wird künstlerisch unter anderem von der Schirmherrin der Stiftung, der Schauspielerin Barbara Auer, begleitet.

Interessierte können sich über die Stiftung Mammazentrum Hamburg per email anmelden. Wer also Interesse hat und in Hamburg ist….vielleicht sehen wir uns.

09.09.2019

Logbuch Arktis – Tag 4

Eine weitere stürmische Nacht liegt hinter uns. Wellen krachen ans Kabinenfenster, der Horizont lässt sich im Schwarz des Meeres und des Himmels nur erahnen. Die Sea Spirit ächzt und knarrt, während sie sich vorwärts kämpft.

Irgendwann liegt sie still. Die Ankerkette rasselt, ich schaue aus dem Fenster: kleine bunte Holzhütten verteilen sich in einer bergigen, schneebedeckten Landschaft. Ittoqqortoormiit ist die einzige Ortschaft, die wir auf dieser Reise sehen werden. 300 Einwohner gibt es hier, wir werden gebeten, im Supermarkt kein Obst und Gemüse zu kaufen. Es wird nur zweimal im Jahr angeliefert und ist rationiert. Also werfe ich nur einen kurzen Blick in den kleinen Laden, in dem es vorrangig Fleisch, Brot, Nudeln und etwas Kleidung zu kaufen gibt. In der Tiefkühltruhe liegen zwei Tüten mit Erbsen und Wurzeln. Frisches Obst und Gemüse gibt es nicht.

Das kleine Museum ist sehr schön, Postkarten gibt es im Touri-Centre (ein kleiner vertäfelter Raum), und wir schauen der Hundefütterung zu. D. hat eine zusätzliche Fahrt mit dem Zodiac genossen, da sie ihr Portemonnaie an Bord vergessen hat.

Am Nachmittag steht eine etwas beschwerlichere Wanderung auf die hügelige Umgebung von Hurry Inlet bei Nökkedal an, die ich ausfallen lasse: ich gehe ins Gym, und danach eröffne ich die Jakuzzi-Saison auf Deck 5. Während ich im warmen Wasser liege, blicke ich auf hellblaue Eisberge schneebedeckte Bergkuppen, dazwischen laufen kleine rote Punkte – meine Mitreisenden – herum. Ich geniesse den Moment, den ich hier ganz für mich alleine habe.

Der Kellner deutet nach rechts, als ich das Restaurant zum Dinner betrete. A. aus der Schweiz, J. aus Maine, G. aus Georgien und Jay aus Wales winken und zeigen auf den letzten leeren Platz. Jetzt ist die Runde perfekt, strahlt A. Sie hat recht: wir lachen und albern herum, amüsieren uns über die Chinesen, die sich heute zum Captains Empfang in oscarreife Abendroben geworfen haben und aufgeregt im Restaurant hin- und herlaufen.

Sally, die chinesische Travelagentin, trägt ein schwarzes langes Kleid mit einer goldbestickten Stola. Sie hat Geburtstag. Die philippinischen Kellner bringen eine Torte und singen zur Gitarre gleich mehrere Geburtstagslieder, wir klatschen mit. Sally ist sichtlich gerührt; mit einer Flasche Rotwein bewaffnet, kommt sie an unseren Tisch, sie möchte mit uns anstossen und schenkt ein, Lucky Sally sei ihr Name, sie habe heute nicht nur Geburtstag, auch Nordlichter würden wir heute Nacht sehen, ihr roter Lippenstift ist verwischt, sie schwankt, und sie ist glücklich. Das ist alles, was zählt.

Jay notiert sich unsere Kabinennummern, er wird klopfen, wenn er Nordlichter sieht. Noch ein Drink in der Bar, zu dem uns G. aus Georgien einlädt, dann gehe ich zu Bett.

In unserer Kabine breitet sich das Chaos aus: D. hat es immer noch nicht geschafft, so richtig auszupacken bzw. ihre Sachen wegzuräumen. Ich sehe das gelassen, mache mich bettfertig und schlafe ein.

Durchsage von der Brücke und zeitgleich ein lautes Klopfen an der Tür, Jay stürzt herein, Nordlichter über uns! D. will im Pyjama loslaufen, zieh eine Jacke über, wir haben Minusgrade an Deck, rufe ich ihr nach, ich ziehe an, was in greifbarer Nähe liegt. Auf Deck 5 laufen die Chinesen zwischen aufgebauten Stativen herum, unter den roten Arktis-Jacken schauen der rote Tüll und die grüne Spitze der Abendkleider hervor. Über uns am Himmel fangen die Nordlichter an zu tanzen, es schaut aus als spielten sie miteinander, es werden immer mehr. Lucky Sally kommt auf mich zu und strahlt, zeigt in den Himmel, fällt mir in die Arme, wieder und immer wieder, sie ist Lucky Sally, und heute ist sie richtig glücklich.

07.09.2019

Logbuch Arktis – Tag 2

In der Hotellobby treffe ich auf J., sie stammt aus Maine. Wir tauschen unsere Kabinennummern aus, auch sie hat als Solo-Traveller noch weitere Mitbewohnerinnen, die sie – genauso wie ich – noch nicht kennen gelernt hat. J. ist mir sympathisch, und ich bedauere es ein bisschen, dass wir nicht dieselbe Kabinennummer haben.

In Kabine 335 sind zwei Betten, eine Flasche Rot- und eine Flasche Weisswein mit vier Gläsern arrangiert – ein Upgrade, hatte ich doch eine Dreibett-Kabine gebucht. Eine Dame Mitte Siebzig tritt ein. Wache blaue Augen, weisse Haare, silberne Ohrringe, rundliche Figur. Willkommen, D. aus North Carolina! Einer ihrer Koffer fehle, stellt sie fest, und schon ist sie wieder verschwunden.

Später freuen wir uns, dass wir nicht nur jede eine Flasche Wein als Willkommensgruss bekommen haben, sondern auch freie Soft Drinks und alkoholische Getränke zum Lunch und Dinner geniessen dürfen. Das passe gut, sagt D., es gebe 19 Biersorten an Bord, die könne sie dann alle durchprobieren. Allerdings finde sie gerade ihren Zimmerschlüssel nicht. Ich helfe ihr beim Suchen.

Das Abendessen verpassen wir. Wir sitzen auf meinem Bett und schauen auf den Horizont. Wenn sie zurück nach Hause komme, gehe es erstmal zum Arzt, zum zweiten Mal habe sie Hautkrebs bekommen. Ich erzähle ihr vom Brustkrebs, auch D. hat ihre Ernährung umgestellt und reist jetzt durch die Welt.

Gerade kann sie aber ihr Ladekabel nicht finden. Ich helfe ihr beim Suchen.

In der Nacht wache ich auf. Es stürmt. Das Schiff scheint auf den Wellen zu schweben, bis es krachend wieder ins tosende Meer hinunterkippt, begleitet vom Stöhnen des Holzes und dem Klappern der vielen Fächer und Schubladen. Zum Glück haben wir unseren Wein sicher im Schrank verstaut.

20.08.2019

Im Krankenhaus.

Flashback, Dezember 2016.
Ich erstarre: es fühlt sich an, als ob mir jemand eine schwere Zementplatte auf den Oberkörper drückt. Ich kann nicht atmen. Panik steigt auf.
Ich bin allein auf dem Vaporetto in Venedig, irgendwo auf dem Canale Grande, irgendwann im Dezember. Es nieselt. Schlaganfall. Herzinfarkt. Ich hebe vorsichtig den Arm (funktioniert), versuche zu lächeln (funktioniert), spreche ein paar Worte (funktioniert). Soll ich sitzenbleiben? Soll ich aussteigen? Ich steige aus, ich muss mich bewegen, um die Panik in den Griff zu bekommen, ich laufe durch die engen Gassen, links und rechts ragen die Palazzi empor. Nach einer Weile wird es besser. Ich entspanne mich.
Zuhause stellt mein Hausarzt fest, dass die Blutwerte gut sind, das EKG und Belastungs-EKG unauffällig, der Blutdruck ebenso.
Noch später bin ich davon überzeugt, dass das der Moment war, in dem der Brustkrebs Einzug erhielt.

100 Euro möchte ich bitte in isländische Kronen tauschen, sage ich zum Bankangestellten. Während ich das sage, frage ich mich, was ich denn mache, wenn…
Morgen ist der jährliche Mammographie- und Ultraschalltermin in „meinem“ Krankenhaus. Sollte ich nicht besser abwarten, ob…
Nein, antworte ich mir. Was auch immer sein wird, ich fahre in die Arktis.
Der nette Mann am Schalter nimmt sich extra Zeit, erklärt mir die neuen und die alten Banknoten und woran ich diese erkennen würde, wir scherzen und lachen, während sich die bösen Blicke der Wartenden hinter mir in den Rücken bohren und ich mich frage, ob ich mit dem Geldtausch nicht doch besser abwarten sollte.
Nochmal nein.
Ich fahre in die Arktis.

Es ist ungewöhnlich, dass ich nervös werde, allerdings kann ich mir das Ziehen in der linken Brust nicht erklären, das immerhin drei Wochen anhielt, bevor es, genau wie sämtliche Rippenschmerzen, von allein wieder abklang.
Zerrungen vom Sport oder so, denke ich.
Deine Nervosität hat einen realen Hintergrund, erinnere ich mich.
Zur Vorsicht informiere ich ein paar Freunde, dass man mir am Dienstagmorgen bitte die Daumen drücken möge. Vier umgehende Zusagen, vier ist eine gute Zahl, wie ein Glückskleeblatt, das passt.

Alles unauffällig, keine Veränderungen, sagt die Radiologin. Sie untersucht extra vorsichtig, aber einen Grund für die Schmerzen gebe es hier nicht.

Das gute Ergebnis teile ich zwanzig Minuten später der Gynäkologin mit. Sie fragt nach, welcher Radiologe mich heute untersucht hätte, ruft dort an und lässt sich meine Auskunft bestätigen.
Note to myself: Du musst an Deinem Auftreten arbeiten. Wer Ringel-T-Shirt, Jeans und Turnschuhe trägt, scheint nicht glaubwürdig zu sein.
Note back to myself: Aber das Ringel-T-Shirt ist ganz neu. Das hast Du extra angezogen!
Wir plaudern noch etwas über die Arktis, verabschieden uns, ich trete wieder hinaus in die Sonne und atme tief durch. Ich bin dankbar, demütig und glücklich.

Auf ins öffentliche Bad!
Im Aussenbecken sind nur ein paar Damen-mit-Kopf-über-dem-Wasser-Schwimmer unterwegs. Ich unterhalte mich mit Hyazinth (der kleine Spanier scheint hier im Bad zu wohnen), dann gleite ich langsam der Sonne entgegen.

Heute zähle ich keine Bahnen. Heute schaue ich nicht auf die Uhr. Heute freue ich mich über die Sanftheit des Wassers, das mich umschliesst und über die kleinen silbrigen Wellen, die bei meinen Armbewegungen entstehen.
Von der Kampfschwimmerbahn spritzen Wassertropfen herüber, sie wirbeln durch die Luft, bevor sie sich auf unserer Seite mit dem hellblauen Nass vereinigen.

Ich ziehe meine Bahnen, blinzele ins Licht und denke: heute glitzert das Wasser besonders schön.

2 Jahre, 5 Monate, 1 Woche und 4 Tage krebsfrei.

16.08.2019

Unterwegs.

Da war ich noch gesund, denke ich, als die nächste Erinnerung bei Facebook aufploppt. Das denke ich immer, wenn die Fotos, die mir plötzlich angezeigt werden, älter als 2,5 Jahre sind. Du bist gesund, korrigiere ich mich (wenn man mal von dem defekten Gen, der wankelmütigen Schilddrüse, der tauben Wade und dem chronischen Husten absieht, was ich aber alles nicht als „krank“ bezeichne). Ich schaue mir die Erinnerungen besonders genau an; wie habe ich da ausgesehen, wie geschaut? Und stelle fest, dass ich jetzt besser aussehe und zufriedener dreinschaue. Das ist interessant. Und gut.

Da ich am Montag (keine Lust) und Dienstag (Unterricht fiel aus) mein Sportprogramm zuhause auf dem Dach absolviert habe, beschliesse ich, am Mittwoch zur Taiji-Class zu gehen. Der Mittwoch-Slot (ehemals Herzi-Programm) „verkommt“ immer mehr zum social-Slot, heute entscheide ich mich aber für das zweistündige Taiji-Programm.

In der alten Halle, die inmitten eines schönen Parks in Altona liegt, fällt mir auf, dass nur die  richtig guten Taiji’ler am Start sind. Schon das Aufwärmprogramm ist neu; unser Lehrer, der extrem kompetent und enthusiastisch ist, hat sich wieder etwas Neues für uns überlegt. Natürlich ist es anstrengend, natürlich bin ich nach fünf Minuten durchgeschwitzt, der Blick zur Seite bestätigt aber, dass es meinen Mitstreitern nicht anders geht. Die ersten klagen über Kreislaufprobleme, was mit einem „richtig atmen!“ kommentiert wird. Mitleid hat unser Lehrer nicht, da können H. und P. am Boden liegenbleiben.

Da wir die äussere Form ja alle können und wir hier nicht mehr Level 1 sind, möchte unser Lehrer in der nächsten Zeit den Fokus auf die innere Form legen. Die Stehende Säule wird in sechs Varianten aufgeteilt, nach denen mir die „normale“ Stehende Säule lächerlich unanstrengend erscheint. Weiter geht es mit Fang Song, und was bei unserem Lehrer so einfach erscheint, ist extrem ambitioniert.

Nach 90 Minuten der erlösende Aufruf, dass wir in die Form gehen. Ich freue mich. Unser Lehrer ergänzt: die 75er Form. Ich freue mich nicht mehr. Ich kann nur die 19er Form. Spätestens jetzt ist mir klar, warum beim Mittwoch-Unterricht nur die langjährigen Schüler angetreten sind; von der 19er über die 75er bis hin zur 38er und der Schwertform sind sie fit. Ich könne einfach kopieren, ruft mir mein Lehrer zu. Nach langer Zeit fühle mich wieder wie ein Anfänger. Trotzdem stapfe ich nach dem Unterricht glücklich nach Hause.

Das pink Deiner Badekappe beisst sich mit meinem knallig pink-roten Badeanzug, lache ich meiner Schwimmfreundin zu. G., die mich schon vermisst hatte, macht mir Komplimente zum neuen Outfit, wir schwimmen plaudernd nebeneinander her, dank des kühlen grauen Wetters ist es leer im Aussenbecken des öffentlichen Bades, einfach perfekt für uns.
Ihre Tochter fände sie albern, weil sie in ihrem Alter immer noch so großen Wert auf ihr Äußeres lege, sagt G. Ich finde das toll, antworte ich. Warum sollte man nicht auch mit 80 Jahren schick angezogen sein und auf seine Figur achten; das zeigt doch, dass man sich wertschätzt.
G. sieht das genauso so, sie erzählt von ihrem jungen und gutaussehenden Arzt, dem angeknacksten Fuss (der sie natürlich nicht vom Schwimmen abhält), der Fahrt nach Glückstadt und ihrem Blazer, der nicht mehr zugeht.

Am Freitag Mittag im Aussenbecken überkommt mich ein Urlaubsgefühl, obwohl ich bis vor einer halben Stunde im Büro mit Irland und Myanmar ge-skype-meetet und mit Zypern und Singapur telefoniert habe. Wie wunderbar ist es, plaudernd seine Bahnen zu ziehen und sich darüber zu freuen, einfach hier zu sein.

Fitnessprogramm der Woche:
Montag: Stretching ✔️
Dienstag: Taiji und Tubes ✔️
Mittwoch: Taiji-Class ✔️
Donnerstag: Gym ✔️
Freitag: Schwimmen ✔️
Samstag/Sonntag: natürlich etwas Taiji und/oder Schwimmen

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12.08.2019

Unterwegs.

Ist es ein gutes oder ein schlechtes Zeichen, wenn der Arzt, den ich zwei Jahre zuvor für 10 Minuten bei einem Info-Gespräch gesehen habe, sagt, dass er sich an mich erinnere?

Ich erinnere ihn daran, dass ich ein defektes NTHL1-Gen habe und deshalb wieder zur Spiegelung kommen solle. Aber wir hätten ja damals nur zwei kleine Polypen enfernt, nix dramatisches. Nun interveniert er; das Gewebe müsse man beobachten, deshalb sässe ich wieder hier.

Wieder mal habe ich einen Arztbrief missverstanden; ich dachte, alles sei gut.

Mir wird Blut abgenommen, mit einem Termin und dem Konzentrat zum Einnehmen stehe ich wieder vor der Tür.

Jetzt bin ich aber schon etwas amüsiert: statt mir zwei Jahre trübe Gedanken wegen des defekten Gens zu machen, habe ich zwei fröhliche Jahre gelebt.

Ich sitze am Kanal, trinke einen grünen Tee und beschliesse, mir auch weiterhin keine Sorgen zu machen. Was kommt, wird kommen, was fernbleibt, bleibt fern. Es macht schlichtweg keinen Sinn, sich vorab unnütz zu sorgen.

Nächste Woche wieder Doppel-Nachsorge-Termin in „meinem“ Krankenhaus, Anfang September die Spiegelung, und dann geht’s in die Arktis. Das Leben ist schön. Alles andere akzeptiere ich sowieso nicht.

20.07.2019

Unterwegs.

Karl-Heinz?!? Kannst Du Würstchen und Kaffee holen, wir gehen schon mal an den Strand!

Sowas kann man sich nicht ausdenken, so ist das auf der Strandpromenade in Westerland. Wunderbar!

Bereits um kurz vor 11h kann ich in mein Zimmer, es ist sehr schön und unter dem Dach mit Blick auf die Friedrichstrasse, das Wlan erkennt meint Handy wieder, so ist das, wenn man nach Hause kommt. Jedenfalls fühlt es sich so an.

Trotz mehrmaliger Nachricht einer Bekannten, dass es auf Sylt regnen täte und alles etwas enttäuschend sei, lasse ich mir die Laune nicht vermiesen. Mit Nörglern und ewigen Zweiflern hab‘ ich es nicht so. Ausserdem zeigt die Wetter-App Sonnenschein an. Und selbst wenn dem nicht so wäre: ich mag jedes Wetter. Von Badeanzug bis Regenjacke habe ich alles im Gepäck.

Die Sonne scheint.

Ich packe den Koffer aus und finde in meinem Schuhbeutel Euro 50,-. Die habe ich ja mal gut versteckt, denke ich, und packe das Geld ins Portemonnaie, das Extra-Budget darf ausgegeben werden.

Der Entschluss ist gefasst: ich werde das verlängerte Wochenende in Westerland vertrödeln, zwischen Friedrichstrasse und Strand. Kein Stress. Kein Programm. Ich darf machen, was ich will. Als erstes will ich Frozen Joghurt mit Mangostücken, damit verziehe ich mich an den Strand. Ich wandere umher, suche mir ein nettes Plätzchen und packe mein Buch aus, das der Verlag gerade rechtzeitig zur Abreise zugesandt hat.

Lesend pendele ich zwischen Strand und meinen Lieblingsrestaurants, es gefällt mir ausserordentlich gut.

Nachts lasse ich das Fenster geöffnet; Lachen, Musik und Möwengeschrei dringen ins Zimmer, auch das mag ich, es ist lebendig, es klingt nach Süden.

Am nächsten Morgen habe ich um 10.15h bereits Nüsse, Wasser, Bananen, ein gelbes Tuch und eine gelbe Handtasche gekauft (note to myself: die gefundenen Euro 50,- hast Du jetzt bereits mehrmals ausgegeben). Die Handtasche und das Tuch kommen nächste Woche mit ins Konzert meiner Lieblingsband und passen perfekt zu Leos gelb-orange-gefärbten Haaren (note to myself: no further comments…Du Fangirl….note back to myself: Und? Ich kann machen, was ich will!).

Es ist windig, der Sand verfängt sich in den Haaren, klebt im Gesicht und an den Füssen, ich wechsele wieder in den Strandkorb meines Lieblingsrestaurants und esse zu Mittag. Danach ein Frozen Yoghurt mit frischen Erdbeeren, ein frischer Minztee, etwas Strand, etwas lesen und viel leben, das ist alles, was zählt, und zwar jetzt.

03.07.2019

Unterwegs.

Durch das weit geöffnete Fenster schaue ich in den Park.

Radfahrer sitzen im Gras, um sie herum liegen die Räder.

Kinder spielen Ball. Sie lachen.

Die Meditationsgruppe schweigt.

Ein Mädchen übt mit dem Langstock. Ich erkenne sie; es ist die kleine Chilenin, die manchmal zum Taiji-Unterricht erscheint.

Ein Mann jongliert.

Ein anderer sitzt auf der Bank und hält einfach nur sein Gesicht in die Sonne.

Der Wind weht durch die Blätter und malt Streifen ins Gras. Blüten rieseln von den Bäumen herab, sie glitzern golden in der Sonne, wie Sternenstaub.

Ich spüre den Wind, der durch das Fenster weht, ich sehe den Spatz, der durch das Gras hüpft.

Ich schaue in den Park.

Eigentlich sollte ich meine Augen bei der Stehenden Säule schliessen.

Aber die Welt ist so schön.

18.06.2019

Im Krankenhaus.

Ich habe schlecht geträumt. Vom Nachsorgetermin, den ich mir nach Intervention on top besorgt habe, da ich gern – wie in den Richtlinien Onkologie erwähnt – alle Vierteljahr zum Check Up gehen möchte. Meine Umfrage unter Brustkrebspatienten (Jahr 1-3 nach Diagnose) ergab dasselbe Resultat: bis auf U., meine Schwester im Herzen, die alle 6 Monate zur Untersuchung antreten soll, haben alle Mitstreiterinnen vierteljährliche Nachsorgetermine. U. und ich haben allerdings dieselbe Ärztin.

Angst vor dem heutigen Termin habe ich nicht. Als ich mich auf den Weg mache, ist mir aber etwas flau im Magen. Seit 22.00h habe ich nichts mehr gegessen, damit ich nüchtern um 11.00h im Dachgeschoss des kleinen Krankenhauses erscheine, sollten die Blutwerte überprüft werden. Meine Blutwerte waren letztes Mal nicht sensationell („grundsätzlich in Ordnung“ laut des beiliegenden Grusses in der Post, was mich genauer hat hinschauen lassen).

Die Blutwerte waren ja nicht sensationell, sage ich zu meiner Ärztin. Sie schaut in den Computer, sie fände die Werte ok, kein Grund zur Beunruhigung.
Ich erwähne, dass ich über die letzten Monate zweimal Schmerzen in einer Rippe gehabt hätte, die allerdings auch wieder verschwunden sind. Panisch bin ich deshalb nicht, aber aufmerksam. Sollten die Schmerzen nochmal kommen, würde ich das untersuchen lassen wollen.
Ich ernähre mich gesund, stellt sie eher fest als das sie fragt. Ich bejahe. Warum der Cholesterinwert wieder höher ist, kann ich nicht erklären.

Auch der Tastbefund ergibt nichts Neues, nur die beiden Knoten im linken Narbengebiet, aber die habe ich seit der Strahlentherapie.

Es geht mir gut, ich sehe gesund aus, das merke ich selbst, als ich im Wartezimmer sitze. Man kann den Menschen, die hier warten, ansehen, wie es ihnen geht; die Sorgenfalten im Gesicht, das permanente Wippen des Fußes, die vorneübergebeugte Haltung beim Sitzen, der abwesende Blick. Wieder einmal mehr ist mir klar, dass ich Glück gehabt habe, dass ich physisch und psychisch so gut aus dem Drama rausgekommen bin.

Ich freue mich, dass Prof. Dr. M. (mein Lebensretter) ins Wartezimmer schaut um seine Patientin zu holen und mich freundlich grüßt, sie wird wohl die nächste sein, der er hoffentlich das Leben retten wird.
Ich nehme mein Rezept und mache mich auf zum Schwimmen.

2 Jahre, 3 Monate und 4 Tage krebsfrei.

Foto: Belohnung für den Tag – ein selbstkreiertes Zitronen-Himbeereis, zuckerfrei.

16.06.2019

In vino veritas.

Nachdem ich nun in meinem Ernährungsbuch auf die positiven Effekte des Rotweins gestoßen bin und mir gestern und heute Abend ein Gläschen gegönnt habe, stoße ich auf ein ganzes Kapitel, das Alkohol thematisiert. Grundsätzlich: Alkohol ist zu vermeiden. Rotwein ist erwiesenermaßen die Ausnahme: dank des hohen Resveratrol-Gehaltes und anderer sekundärer Pflanzenstoffe (u.a. Anthocyanidine, Proanthocyanidine, Flavonole, Phenolsäuren) sinkt das Krebsrisiko bei maßvollem Genuss (das bedeutet nicht mehr als ein kleines Glas für Frauen am Tag, am besten sei Pinot Noir aus Burgund).
ABER: bei Brustkrebs wird es schwierig (die chemischen Erläuterungen lasse ich weg, die sind mir auch zu kompliziert). Mehr als ein 0,1l-Glas darf es nicht sein, sonst steigt das Brustkrebsrisiko lt Statistik nämlich an!
Da ich eigentlich eh nicht gerne Rotwein trinke und ihn nur gekauft habe, da er als gesund deklariert wurde, werde ich in Zukunft nur ab und an mal ein Gläschen trinken.
Die kleine Flasche ist nun ohnehin getrunken, die nächsten Tage schwenke ich wieder auf Zitronen-, Ingwer- und Minzwasser um.

Nachdem ich heute nicht nur beim Schwimmen war und abends noch spontan aufs Dach zum Taiji-Praktizieren gegangen bin, habe ich mich für nächstes Wochenende zum Stand Up Paddling auf der Alster verabredet. Da bin ich mal gespannt. Gemacht habe ich das noch nie. Zumindest kann ich mich im Ernstfall eine Stunde schwimmend über Wasser halten.

Foto: Das war erstmal das letzte Glas Rotwein.

09.06.2019

Unterwegs.

Da steht sie. Nein, sie bewegt sich, es sieht aus, als ob sie ihre Taiji-Form tanzen würde, ganz langsam. Das letzte Mal, als wir uns sahen, hat sie mich angesprochen, da habe ich genau an dieser Stelle den Chen-Stil praktiziert. Die chinesische Nachbarin unterrichtet den Yang-Stil. Ich bleibe stehen, halte inne und lächele, bevor ich weiter zur Arbeit gehe.

Nach der Meditation schlendere ich mit C. zurück zum Bahnhof. Sie weiß nicht, wie sie sich verhalten soll; sie habe sich mit einer lieben Freundin zum Frühstück getroffen, auch sie ist gerade mit Brustkrebs durch OP, Strahlentherapie und Reha gegangen. C. sei erschrocken, die eh schon übergewichtige Freundin habe weiter zugenommen, esse nicht gesund und habe auch angeblich keine Zeit für Sport. Sind wir die Einzigen, denen gesunde Ernährung und Fitness so wichtig sind? Sie bleibt stehen und schaut mit an. Das denke ich nicht, antworte ich und bleibe auch stehen; allerdings sind wir beide wirklich extrem gut aufgestellt, denn wir haben kapiert, dass wir an einer Katastrophe vorbeigeschlittert sind und uns entsprechend gut positioniert, um vorzubeugen. Verstehen tue ich Andere auch nicht, die wieder in den alten Trott zurückfallen und weiterleben, als sei nichts gewesen. Unser Körper hat schliesslich schon mal gezeigt, dass er anfällig ist; deshalb finde ich es wichtig, ihn zu stärken und weniger angreifbar zu machen. C. sieht das auch so. Ich lasse einen Bus in meine Richtung davonfahren, das Gespräch ist zu wichtig.

Ob wir uns nächsten Dienstag wiedersehen? fragt C. Natürlich, antworte ich, da sei ja wieder Taiji im verwunschenen Garten des Psychologenhauses, einer meiner Lieblingsabende der Woche. Darauf freue ich mich immer sehr. Und auch auf unseren intensiven Austausch auf dem Rückweg.

G. ist aufgebracht. Meine Schwimmfreundin treffe ich überraschenderweise auf der Aussenbahn an, normalerweise schwimmt sie am Beckenrand entlang. Heute scheint die Sonne, es ist warm, das Becken ist voller Teenies, die Ballspielen und vom Beckenrand springen. Allerdings ist auch die Ausweichmöglichkeit, auf die Schnellschwimmerbahn überzuwechseln, für uns nicht gegeben; zuviele Kampfschwimmer kraulen dort in hohem Tempo auf ihren Bahnen. Wäre sie bloss früher gekommen, schimpft G. Dann hätten wir uns aber nicht gesehen, antworte ich und versuche sie etwas aufzumuntern. Nebeneinander her schwimmen klappe heute allerdings nicht, ich solle mein Tempo schwimmen, G. fuchtelt hilflos herum, die 80-Jährige ist nicht gern auf der Außenbahn, auch wenn das Wasser nicht allzu tief ist. Ich schwimme vor und bitte mehrere Gruppen Jugendlicher, weiter an die Seite zum Spielen zu gehen. Sie gehorchen. Ich lache G. zu, jetzt haben wir Platz, wir schwimmen knapp 30 Minuten plaudernd nebeneinander her, die Stimmung steigt. Irgendwann muss auch G. über sich selbst schmunzeln, so griesgrämig kenne ich sie gar nicht, sagt sie, nein antworte ich, ich sei verblüfft gewesen, aber nun sei alles gut, es ist so gut, dass wir beide die Zeit vergessen und weit über eine Stunde im Wasser unterwegs sind.

Der Sonntag ist herrlich; kurz nach 10.00h bin ich wieder im Aussenbecken des öffentlichen Bades, wieder scheint die Sonne, wieder ist es warm, die weißen und rosa Blüten an den Bäumen sind endgültig einem tiefen Rot und Grün gewichen, die Rosen blühen, das Wasser glitzert. Kinder planschen friedlich am Beckenrand, die restlichen Schwimmer sind in meinem Tempo unterwegs. Es ist perfekt. Es ist so perfekt, dass ich denke, am Pfingstmontag wieder zum Schwimmen zu gehen.

Mo: Tubes & Taiji ✔️
Di: Meditation
✔️
Do: Gym
✔️
Fr: Schwimmen
✔️
So: Schwimmen
✔️

02.06.2019

Fitnessübersicht

Mo: Taiji Class ✔️

Di: Stretching/Taiji at home ✔️

Mi: Taiji Class ✔️

Do: Schwimmen ✔️

Fr: Schwimmen ✔️

Sa: Tubes/Taiji at home ✔️

So: Schwimmen ✔️

Am Sonntag war das öffentliche Bad so voll (kein Wunder bei 30 Grad Sonnenschein), dass ich a) keine Liege auf der Grünfläche bekommen habe und b) zum Schwimmen auf die Schnellschwimmerbahn ausweichen musste. Diese wiederum wichen auf die 50m-Bahnen aus (unbeheizt, ca. 17 Grad); aber Kampfschwimmer sind ja hart im Nehmen.

Zuhause mein selbstgemachtes Schokoladen- und Zitroneneis (zuckerfrei) getestet und für sehr lecker befunden. Von den fünf kreierten Milchschnitten ist nur noch eine übrig. Dafür habe ich noch circa 20 selbstgemachte Müsliriegel.

09.05.2019

Zuhause.

Ich überlege, ob ich über Kreuzblütler (dazu gehört mein Hassliebe-Gemüse Brokkoli) schreiben soll.

Ich überlege, ob ich über die Meditation am Dienstag berichte, bei der nur mein Lehrer und ich anwesend waren und wir beide feststellen mussten, wie wunderbar diese 90 Minuten sind, in der wir in die Stille abtauchen, während draussen das Leben tobt.

Ich überlege, ob ich darüber schreibe, dass mir heute ein Kapitän ein Foto seiner Tomaten- und Gurkenplantage geschickt hat, die er auf der Brücke (sprich: seinem Arbeitsplatz oben auf dem Schiff) angelegt hat, was ich zwar einerseits sehr kreativ (und gesund) finde, was andererseits aber nicht geht, da die Fenster auf der Brücke zum Rausgucken sind, damit man nicht überraschenderweise gegen einen Eisberg donnert und nicht für wild rankende Gewächse, die einem die Sicht  auf eben jenen Eisberg nehmen könnten.

Ich überlege, ob ich erzähle, dass ich am Samstag ein Interview mit einem französischen Autor führen werde, der den Prix Goncourt, den renommiertesten Literaturpreis Frankreichs, erhalten hat. Ich bin gespannt auf meinen Gesprächspartner, den ich in einem Café treffen werde. Da mein Französisch zu schlecht ist und seine Deutschkenntnisse nicht für ein Interview reichen, haben wir uns auf englisch geeinigt. Nur die Fragen, die ich ihm stellen werde, die habe ich mir noch nicht überlegt.

Ich überlege, ob das so intelligent war, mich morgen nach dem Schwimmen im Gewühl des Hafengeburtstags mit meinen Schwestern im Herzen zu verabreden. Wir haben uns schon lange nicht mehr getroffen. Ich bin gespannt, wie es ihnen geht.

Am meisten überlege ich aber, was ich am kommenden Dienstag Abend zum Konzert in Amsterdam anziehen möchte; mein Lieblingssaxophonist hat gerade wieder gelbgefärbte Haare, da könnte ich passend dazu den kurzen gelben Rock anziehen. Oder doch eher Jeans, T-Shirt und Trainingsjacke?

Ich überlege…

Das bin ich (anonymisiert) mit meiner Lieblingsband 2018. Auch dort trug ich schon den gelben Rock, passend zu Leos gelben Haaren.
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29.04.2019

Unterwegs.

Die Sonne schien, da sie keine Wahl hatte, auf nichts Neues.
Samuel Beckett, Warten auf Godot.

Die Sonne scheint auf den Park mit den hohen Kastanienbäumen, sie sinkt langsam tiefer und taucht die Blätter und Gräser in sanftes Licht. Um die Bäume laufen Kinder, sie spielen Fangen mit einem bunten Ball. Die Haare der Mädchen flattern, es ist so warm in der Abendsonne, dass sie nur T-Shirts und Röcke anhaben. Sie lachen, das Lachen weht zu uns hinüber in den alten Turnsaal, dessen hohe Fenster weit geöffnet sind.
Ich lächele, während die Szenen draußen an mir vorbeiziehen, die tobenden Kinder, der Mann im Rollstuhl, die beiden Frauen, die kurz vor dem Fenster halten und neugierig hineinschauen.
Eigentlich sollte ich meine Augen bei der Stehenden Säule, die wir gerade im Taiji-Unterricht praktizieren, geschlossen haben. Du kannst Deine innere Balance nicht finden, wenn Du die Augen bei der Übung geöffnet hast, hat mein lieber Freund mal zu mir gesagt. Ich habe das letzte Woche versucht; im Gym auf dem Stepper und im Pool des schicken Spa’s; ich war neugierig, wie sich das anfühlt, mit geschlossenen Augen Bahnen zu ziehen und mich auf dem Stepper zu bewegen und ob ich dabei meine Mitte finde ohne ins Wanken zu geraten bzw. die Bahn zu verlieren (funktioniert genauso wie bei der Meditation, man muss sich auf den Atem konzentrieren, dann findet man die innere Balance).

Jetzt mag ich meine Augen nicht schließen, viel zu schön ist es, in den Park zu schauen, das wechselnde Licht und die Bäume zu sehen. Außerdem habe ich noch den süßen Geschmack des Kekses im Mund, die F. nach dem Aufwärmen angeboten hat. Es geht mir gut, denke ich, genau hier und jetzt möchte ich sein, genau hier und jetzt mich über den Keks freuen und über das Lachen und Kreischen der spielenden Kinder und den Korrekturen meines Lehrers nachspüren.

Die Sonne scheint immer noch, als ich den Rest des Heimweges zu Fuß antrete, sie steht jetzt ganz tief über dem Hafen und färbt den Himmel rot.

Ich lese noch etwas in dem Buch über Ernährung, welches C. mir geliehen hat.
Wenn wir begreifen, was Krebs ist, dann werden wir erkennen, dass diese Krankheit ein furchtbarer Feind ist, dem wir mit großem Respekt begegnen müssen, damit er uns nicht besiegt.

Die Sonne scheint nicht mehr.

Aber morgen wird sie wieder scheinen, wenn wir im verwunschenen Garten des Psychologenhauses Taiji trainieren, draußen zwischen den Rhododendren und dem blühenden Apfelbaum, den Blumen und den Büschen; wir werden uns in Achtsamkeit üben und stärken und uns nicht besiegen lassen.

14.04.2019

Unterwegs.

Links von mir liegt der weiße Altbau, ich biege ab und gehe hinein. Nicht nach vorn gucken, mahne ich mich; dort lauern schlechte Erinnerungen. Im Erdgeschoss ist der Eingang zur Praxis des Frauenarztes, der mir vor zwei Jahren eine Überweisung mit den Worten „Verdacht auf Mammakarzinom“ in die Hand gedrückt (ohne das vorher im Gespräch zu thematisieren) und mir dann gleich noch eine Adresse für den falschen Radiologen mitgegeben hat („wir machen seid Jahren keine Mammographien mehr“ sagt die med. Assistenz, als ich eine Woche später zum Termin erscheine. Momente, die ich nie vergessen werde).

Heute muß ich in den zweiten Stock, dort sitzt die Hautärztin, bei der ich auch vor zwei Jahren einen Termin zur Krebsvorsorge hatte und den ich fast abgesagt hätte, da ich in dem Moment nicht davon ausging, dass ich den noch brauche (ich war im Katastrophenmodus).  Im Nachhinein war es gut, dass ich hingegangen bin, da es eine sehr emphatische und eloquente Ärztin ist, die sich auf De-Eskalation versteht und das Thema Brustkrebs mit mir durchgesprochen hat.

Gut sehen Sie aus, sagt sie heute zu mir und schaut mich an. Sie korrigiert sich. Sie sehen sehr gut aus. Ich freue mich, sie möchte wissen, was seit dem letzten Besuch alles so passiert ist. Ich fange an zu erzählen. Von dem Leben im Jetzt. Von den Reisen. Von Sport und Meditation. Von gesunder Ernährung. Von der Wertschätzung jedes Tages. Davon, daß ich gesund bin. Davon, daß ich das Drama als positives Ereignis sehen kann und mein Leben viel bewusster lebe.

Morgens fahre sie immer mit dem Fahrrad zur Arbeit, an der Alster längs, erzählt sie mir. Und heute habe ein kleiner Laster mitten auf der Straße gehalten. Das habe sie gewundert. Den Fahrer habe sie dann am Alsterufer ausgemacht. Er machte Fotos. Weil es ein so wunderschöner Sonnenaufgang war.
Wir sind auf einer Wellenlänge und tauschen uns weiter aus, dazwischen prüft sie akribisch die Muttermale, Arme hoch, Fußsohlen zeigen, alles ist gut. Ich setze mich wieder hin, unser Gespräch ist noch nicht zu Ende.
Als ich die Praxis verlasse, schaue ich auf die Uhr. 30 Minuten hat unsere Unterhaltung gedauert, abends um 18.30h, und ich war nicht die letzte Patientin. Aber eine fröhliche (das steht jetzt auch bei ihr im PC).

Außerdem werde ich wieder vierteljährliche Brustkrebs-Nachsorgetermine haben, so wie es im Leitlinienprogamm Onkologie zu finden ist. Einerseits gefällt es mir, dass die Ärzte glauben, dass ich gesund bleibe (das glaube ich selbst auch) – aber da ich bis heute ratlos bin, wieso ich einen beidseitigen Brustkrebs und somit gleich zwei Tumore bekommen habe, möchte ich lieber auf Nummer Sicher gehen und die kürzeren Intervalle einhalten.

Seit Anfang April ist Taiji wieder im verwunschenen Garten des Psychologenhauses. Das Thermometer zeigt 5 Grad, wir kämpfen uns durch 90 Minuten an der sehr frischen Luft. Zum Glück habe ich meine Skiunterwäsche untergezogen. Dafür hat C. Handschuhe dabei.
Trotz der Kälte finden wir es schön, wieder draußen in unserem Garten zu trainieren.

Dienstag: Taiji ✔️
Mittwoch: Hometraining ✔️
Donnerstag: Gym ✔️
Freitag: Schwimmen ✔️
Samstag: Schwimmen ✔️
Sonntag: Taiji ✔️

31.03.2019

Logbuch Israel – Tag 10

Sieben Grad. Es giesst in Strömen. Der Himmel liegt bleiern über dem großen steinernden Platz.

Wir gehen langsam durch den dunklen Gang, der nur von fünf Kerzen beleuchtet wird, die sich in zig tausenden Spiegeln vervielfältigen und dem Raum eine unglaubliche Dimension geben. Vom Band ertönen Namen. Drei Monate dauert es, bis alle 1,5 Millionen Namen, Alter und Herkunftsländer verlesen sind. Es sind die Namen von 1,5 Millionen jüdischen Kindern, die im Holocaust ermordet wurden.

Während ich durch das Flackern der Lichter gehe, streichen die Finger meiner rechten Hand über den kleinen Zweig eines Olivenbaumes, den ich gestern im Garten Gethsemane in die Jackentasche gesteckt habe. Ich bin froh, den Zweig in der Tasche zu haben. Es ist gut, sich an etwas festhalten zu können.

Heute besuchen wir Yad Vashem, Gedenkstätte für die Opfer des Holocausts. Ein weiterer emotionaler Moment dieser Reise.

Das Museum erspare ich mir, nach dem Gedenksaal für die Kinder gehe ich erstmal einen Tee trinken.

Auf dem Mahane-Yehuda-Markt kaufen wir Gewürze, Nüsse und Brot, danach ist Freizeit. A., S., K. und ich nehmen das Damaskustor in die Altstadt, wir schlendern nochmal durch das arabische Viertel und den Bazar, der abrupt endet und in den jüdischen Teil übergeht. Eine unsichtbare Grenze trennt das laute Treiben der überfüllten Stände mit Schals, Früchten, Schuhen, Gewürzen, Tees und Schüsseln von Kunsthandel und edlen Silbergeschäften auf der anderen Seite.

Nachdem K. dreimal erwähnt hat, dass sie zu gerne noch einen Apfelstrudel essen würde und wir alle einen guten Kaffee trinken möchten, landen wir wieder im österreichischen ehemaligen Hospiz. Das nächste Mal sollten wir zusammen nach Österreich fahren.

22.03.2019

Logbuch Israel. Tag 1

Ich bereite mich selten akribisch vor.

Im Deutschunterricht in der Schule lese ich nicht wie vorgegeben Lessings Nathan der Weise; einen Abend vor der Klassenarbeit überrede ich meinen Vater, mir sein Ticket fürs Theater zu überlassen (macht der theatermüde Vater gerne!) und schaue mir das Stück an. Das ist effizient. Und visuell bin ich eh aufgeschlossener.

So bin ich auch freudig überrascht, dass am Abend vor der Abreise auf N3 eine Israel-Doku läuft. In den Reiseführer habe ich nicht wirklich reingeguckt.

Ich rufe meine Eltern an; ihr müsst schnell N3 einschalten, da läuft eine Doku über…TRINKE NICHT DAS WASSER AUS DEM TOTEN MEER, DANN STIRBST DU!!!! ruft mein Vater durch den Hörer. Sie gucken bereits die Doku. Ich lege schnell wieder auf.

Am Flughafen stelle ich fest, dass mein Flug nach München Verspätung hat, der darauffolgende ist komplett gestrichen. Am Gate wird bereits ausgerufen: wer einen Anschlussflug hat und schon hier sei, möge sofort kommen und in den früheren Flieger einsteigen. Ich lobe mich ob meiner Überpünktlichkeit.

Wenn man sich nicht akribisch vorbereitet, kann man auch überrascht werden.

In Tel Aviv ist Shabbat, vor der Passkontrolle stehen Tausende Menschen, und das ist kein Witz. Ich gehe zu nem Extraschalter, dort schauen die Menschen irritiert, zeigen auf mich, der Offizielle sagt was auf hebräisch, nun bin ich auch irritiert. Only for Israelis, übersetzt jemand. Wir lachen, ich gehe weiter und verliere mich in der Menge der Tausenden Wartenden.

Nach 90 Minuten bin ich aus dem Chaos raus, ich treffe die Anderen, der Bus fährt zum Hotel, es liegt direkt am Strand und leuchtet ganz bunt.

Durch die Verzögerung (im Übrigen hält am Shabbat auch der Fahrstuhl ungefragt in jeder Etage – und ich wohne im 14. Stock) und der Tatsache, dass es in aller Hergottsfrühe weitergeht, muss ich mein privates Abenddate canceln.

Dafür lerne ich A. aus Linz kennen, sie macht einen netten Eindruck, wir gehen nach dem Dinner an der Strandpromenade spazieren und trinken ein Glas Wein. Ich wollte ja auf meinen zweiten zweiten Geburtstag anstossen (das sage ich ihr natürlich nicht). Wir machen Fotos, am Strand hüpfen ein König und ein Pirat herum. Es ist nicht nur Shabbat, sondern auch Purim.

Vom Bett aus sehe ich das Meer.

22.03.2019

Logbuch Israel & Palästina 2019

Prolog.

Heute vor zwei Jahren, genau um diese Uhrzeit, bin ich in „meinem“ Krankenhaus operiert worden.

Heute vor zwei Jahren wurden die beiden Krebstumore entfernt. Der Feind in mir.

Heute ist sozusagen mein zweiter zweiter Geburtstag.

Heute, genau zwei Jahre später, sitze ich am Gate eines Flughafens. Ein Ort, an dem ich gern bin, ein Ort, an dem viel Trubel herrscht, ein Ort, der Aufbruch bedeutet und Vorfreude auf Neues verspricht und voller Leben ist.

Und heute Abend werde ich beim Sonnenuntergang am Strand von Tel Aviv stehen und auf den zweiten zweiten Geburtstag anstoßen. Das Leben ist schön.

 

Flughafenatmosphäre am Dubai International und Paris CDG

17.03.2019

Unterwegs.

Note to myself: die Waage im schicken Spa sagt die Wahrheit. Die Waage im eigenen Haushalt lügt. Ich werde ihr keinen Glauben mehr schenken.
BMI: 20.0 – Top-Score.
Außerdem zeigen die regelmäßigen planks erste Resultate in Form von Bauch- und Armmuskeln.

Montag: Taiji ✔️
Dienstag: Sole ✔️Stretching/Meditation✔️
Mittwoch: Heimtraining ✔️
Donnerstag: Gym ✔️
Freitag: Schwimmen ✔️
Sonntag: Schwimmen ✔️

Alle Bereiche abgedeckt: Ausdauer, Muskeltraining, Balance

Der innere Schweinehund ist ausgezogen.

15.03.2019

Unterwegs.

Das erste, was ich vorm Spiegel in der Damenumkleide des öffentlichen Bades sehe, ist eine große goldfarbene Tasche und ein Schal mit Glitzer. Das kann nur einer gehören, denke ich. Kurz darauf erscheint G. Hallo A., ruft sie, du bist spät dran! Ich habe dauernd zur Tür geschaut, ob du kommst!
Ich bin zu spät, ich war vorher noch bei der Bank, jetzt ist meine Schwimmfreundin bereits auf dem Rückzug. Fuerteventura war klasse, sie habe den Pool für sich gehabt, die anderen Gäste saßen nur faul drumherum. Außerdem war sie diese Woche schon dreimal zur Gymnastik, G. erzählt und glitzert vor meinen Augen, braungebrannt im hellen Wollpullover mit Kristallsteinchen-Besatz, ob sie die Mütze aufsetzen solle? Ja, sage ich, und die weiße Flauschmütze mit grünem Bommel landet auf ihrem Kopf. Hyazinth, der kleine Spanier, sei noch da, der sei ja immer vier Stunden im Bad, aber wo solle er auch sonst hin, sagt G., als Rentner mit einer Einzimmerwohnung. G. weiß alles und teilt alles, wir verabschieden uns und hoffen, dass wir bald wieder zusammen unsere Bahnen ziehen.

Es stürmt, es regnet in Strömen, und es ist kalt, als ich in den Außenbereich schwimme. Dampf steigt auf, die Regentropfen werfen kleine Ringe auf der Wasseroberfläche, links von mir pflügen die Kampfschwimmer durch’s Becken, rechts von mir bewegt sich das Walross langsam unter der Wasseroberfläche.
Immerhin habe ich meine turbanähnliche (und fürchterlich aussehende) Badekappe auf dem Kopf, da bleiben die Haare und Ohren trocken. Eine Dame taucht auf, mit einer Kopfbedeckung, die aussieht wie die Deckelverzierung eines Einmachglases, ein weißes Häubchen mit Gummiband drumherum. Ihre Arme wirft sie in die Luft und deutet damit eine Kraulbewegung an. Eine weitere Dame erscheint, ihr anscheinend langes Haar ist unter einer schwarzen Plastikschlange versteckt, es sieht aus, als hätte sie einen Fahrradreifen auf dem Kopf. Da bin ich mit dem Turban doch noch im oberen Bereich der Badeoutfits anzusiedeln, denke ich.

Hier im Becken vergesse ich die ernsten Gedanken, die mich heute bewegen: es berührt mich, wenn ich in der Zeitung lese, daß jemand verstorben ist, jung, fast plötzlich, kämpfend – ich weiß dann, um was für eine Krankheit es sich handelt. Es berührt mich, wenn Mitstreiterinnen, deren blogs ich verfolge und die genauso wie ich hoffen, dass alles gut bleibt, mit Knochenmetastasen in die zweite Runde gehen. Es ärgert mich, wenn Unwissende – auch wenn es lieb gemeint ist – dieses mit sinnfreien Sprüchen wie „du schaffst das schon“, „das wird schon wieder“, „du bist stark“ usw. kommentieren.
Fakt ist: ein Rezidiv bei Brustkrebs, das als Metastasen auftritt, ist zu 100% unheilbar. Palliativ-Behandlung heißt es dann – der Erkrankten eine möglichst lange und schmerzfreie Zeit zu ermöglichen. Da wird nix wieder. Da ist nix zu schaffen. Und genau das ist es, was Brustkrebs so düster macht: ein Erstschlag kann geheilt werden. Ein Zweitschlag (in Form von Metastasen) nicht.

Es macht jetzt keinen Sinn, zuhause zu sitzen, in Schockstarre zu verfallen und depressiv zu werden. Es macht Sinn, jeden Tag als etwas besonderes und als nicht selbstverständliches zu begreifen. Es macht Sinn – soweit es in der eigenen Macht steht – alles dafür zu tun, um die „Chance“ auf ein Rezidiv zu reduzieren. Und genau deshalb bin ich recht streng mit mir, was Ernährung und mein Sport- und Meditationsprogramm angeht. Und auch stolz darauf, dass ich bei Wind und Wetter im Aussenbecken des öffentlichen Bades anzufinden bin und nicht hygge-mit-Kerze-und-Chips auf dem Sofa vorm TV rumliege.
Im übrigen bringt es mir auch Spaß, und es tut mir gut, denn mein Fitnessprogramm kompensiert den Stress, den ich im Berufsleben habe.

Ich überprüfe den Einkaufskorb, alles drin, sage ich.
Nein, antworte ich, der Schokoriegel fehlt.
Aber es gab am Mittwoch den Frankfurter Kranz.
Aber schon letzte Woche hast du den Schokoriegel vergessen. Außerdem bist du 45 Minuten im strömenden Regen draußen geschwommen, das muß belohnt werden!
Ist es nicht schon eine Belohnung, nach der Arbeit schwimmen zu gehen und das Leben zu genießen?
Jetzt wirst du aber philosophisch.
Diskussionen mit mir selbst gefallen mir, eine Lösung gibt es immer. Und heute gibt es den Schokoriegel.

14.03.2019

Unterwegs.

Brötchen ohne Weizenmehl hätte ich gern. Dinkel. Oder Vollkorn. Die Bäckereifachverkäuferin zeigt auf drei Sorten, die ich für gut befinde, je zwei von allen, sage ich und bin zufrieden. Und was haben Sie an gesundem Kuchen?, höre ich mich fragen.

Naja, die enthielten alle Fett und Zucker, aber die Mandelstückchen wären vielleicht ok. Die Verkäuferin deutet auf extrem langweilig und trocken aussehendes Gebäck, ich winke ab, mein Blick schweift über Sahnestückchen, Joghurttorte und Marzipanteilchen.

Ich nehme hiervon ein Stück, sage ich und zeige auf den Frankfurter Kranz. Die Verkäuferin lacht, damit habe sie jetzt nicht gerechnet. Ich eigentlich auch nicht. Buttercreme und Krokant, süsser und gehaltvoller geht es nicht. Ich gebe Ihnen das ganze Stück mit, es ist ja gleich Feierabend. Sie meint es gut mit mir.

Ich verlasse die Bäckerei mit Brötchen, die politically correct sind und nem Kilo fetter Buttercremetorte. Nach einem knappen Stück ist mir schon schlecht, geschieht mir recht, denke ich, ich kann solche extremen Sünden gar nicht mehr ab.

Ich bringe die Yogamatte, die Pilatesrolle und die Tubes in Position – zum Dessert gibt’s 50 Minuten intensives Home-Training.

Heute im Gym bin ich im Ranking beim Training auf der wackeligen Scheibe auf Platz 3 vorgestoßen. Brilliante Balance durch Buttercreme, vermute ich.

12.03.2019

Im Krankenhaus.

Ich schwebe auf dem Wasser, es ist grün-grau, ganz hell und weich. Wenn ich mit den Fingerkuppen sanft die Wasseroberfläche streife, fühlt es sich an, als würde ich flüchtig über Seide streichen. Das Sole-Bad ist meine neueste Entdeckung, ein wunderbarer Ort um zu entspannen. Das alte Gebäude erinnert an eine Kathedrale: die Sonne flutet durch die runden Fenster direkt in den Pool und direkt auf mich, als ich auf dem Rücken im Wasser liege und die Augen geschlossen habe.

Zur Feier des Tages gönne ich mir eine Schachtel Eiskonfekt, während ich auf der Liege mein Buch weiterlese.

Heute habe ich mir frei genommen. Heute früh war ich wieder in „meinem“ Krankenhaus zur Nachsorge. Rundumcheck inklusive Blutabnahme, auf meinem Rezept habe ich ab jetzt ein Extra-Kreuzchen, damit die Krankenkasse endlich wieder das Tamoxifen bezahlt. Die letzten Male mußte ich das selbst zahlen, da sich die Kasse geweigert hat. Aber mit dem Kreuz auf dem Rezept ändert sich das.
Ich bin immer noch etwas unsicher ob des verlängerten neuen Nachsorge-Rhythmus (Mammographie 1x jährlich, 2x jährlich zu meiner Ärztin) und auch, was nicht erklärbare (Rippen-) Schmerzen angeht; das macht mich ja immer nervös, wenn ich nicht weiß, wo etwas herkommt. Allerdings sind die Schmerzen wieder weg, und bei meinen vielen Sportaktivitäten kann es leicht passieren, dass mal etwas verspannt. Außerdem bleibe ich die Einzige, die sich sorgt. Während ich mich wieder ankleiden gehe, sagt die Ärztin, dass ich mit großer Wahrscheinlichkeit gesund bleibe.

1 Jahr und 355 Tage krebsfrei.

03.03.2019

Unterwegs.

Was uns sofort ins Auge fällt, sind die bunten Blumen. Die sehen fröhlich und nach Frühling aus. Die Urne ist aus Holz, ganz schlicht, auch das sieht schön aus und passt zu unserem Großonkel, genauso wie die bunten Frühlingsblumen, die so wunderbar seine Freundlichkeit und seine Verbundenheit zur Natur widerspiegeln.
Als wir zur Beerdigung fuhren, haben wir gerätselt, wer wohl die Trauerrede halten wird. Onkel G. war erklärter Atheist. Seine Tochter und sein Schwiegersohn sind Pastoren.

Eine Pastorin erscheint, Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm, immerhin weist sie darauf hin, dass Onkel G. nicht gläubig aber doch getauft war, wir singen Himmel, Erde, Luft und Meer, in den Liedern kommt die Natur vor, es ist ein gelungener Kompromiss, finde ich. Wir weinen etwas, aber eher, weil wir berührt sind, unser Großonkel ist immerhin 93 Jahre alt geworden und friedlich eingeschlafen. Die Pastorin lässt sein Leben Revue passieren, auch das ist schön, die Erinnerungen werden geweckt an den orangenen VW-Bus, mit dem er in den Schulferien – unser Onkel war Rektor einer Sonderschule – durch Europa gereist ist, genauso wie die unbeschwerten Familienausflüge mit seinem kleinen Segelboot über die Elbe hinüber nach Schweinesand.

Tante W., die nun Witwe ist, setzt sich beim Kaffee neben mich: Deine Reiselust hast Du von Onkel G. geerbt, sagt sie. Das glaube ich auch, antworte ich, von meinen Eltern kommt das jedenfalls nicht. Die stranden ja regelmässig in Neustadt an der Ostsee (den bösen Blick meiner mir gegenüber sitzenden Eltern ignoriere ich geflissentlich).
Zwei mir unbekannte Damen fragen mich nach der Antarktis und dem Everest, anscheinend bin ich Gesprächsthema bei der Verwandtschaft und auf alle Fälle von Interesse für die beiden Damen, die Deutschland noch nie verlassen haben.

Am Sonntag beim Frühstück im Wasserschloss arbeiten meine Cousine T. und ich die Beerdigung und unsere Familiengeschichte auf. Und Uroma F. war im Waisenhaus und hat dort unseren Uropa kennengelernt, sagt T. Ich bin verblüfft, das habe ich ja noch nie gehört! Dann wissen wir gar nicht, wo wir herkommen? Wir schicken eine sms an meinen Vater, das muss rückbestätigt werden. Und auch, wie die Geschwister von unserer Oma W. hießen. Du hast aber einen Stammbaumzettel von uns! kommt postwendend zurück, und sie würden gerade essen. Zwischenzeitlich sind uns noch weitere Fragen eingefallen, die wir simsen, es folgt eine kurze Auskunft und ein Mahlzeit!, damit wird uns klargemacht, dass die Prioritäten um 11.45h gerade nicht auf der Familiengeschichte liegen.

Wir könnten mal mit allen zusammen frühstücken gehen oder ein ein Familienfest planen! Wahrscheinlich lernen wir noch so einiges über die Familiengeschichte. T. und ich sind in unserem Element. Nach Schweden (T.) und Israel (ich) werden wir das angehen.

Eigentlich wollte ich farblich abgestimmte Blumen pflanzen; nun kaufe ich lila und weiße Hyazinthen, gelbe Narzissen, pastellgelbe und rosafarbene Rosen, es wird bunt, bunt wie der Frühling. Und bunt wie das Leben.

22.02.2019

Unterwegs.

Ich schaue vom Schreibtisch auf, blicke auf den Kalender und bleibe am Datum hängen: heute ist der 22. Februar.
Vor genau zwei Jahren hat man mir wortlos eine Überweisung zum Radiologen in die Hand gedrückt, auf der Verdacht auf Brustkrebs stand. Heute vor zwei Jahren stand die Welt für mich still.
Wie schnell die Zeit vergangen ist, denke ich, und was ich seitdem alles gemacht habe – und doch ist der 22. Februar 2017 ganz nah.

Ich skype meinen Grafiker an:
I just had a look at the wall calendar, two days ago THE drama started.
Ich schicke hinterher, no, I mean two years ago – not two days. Time is flying.
Wow, I thought it was last year, already two years?
Yep, shall go for a drink now.
Would join you for the drink if I were in Hamburg.
Alright, then no drink, then off to swimming!

Ich schaue zum Fenster. Der graue Morgenhimmel ist aufgebrochen, blau strahlt es jetzt, keine Zeit für Sentimentalitäten, denke ich, der Himmel ist blau, die Sonne kommt raus, 5 Grad, aber immerhin, ich schalte den Computer aus, nehme meine Tasche und laufe los, das Leben muss gelebt werden.

Wir stehen im Weg, ruft das Mädchen ihrem Freund im Becken zu, kein Problem, rufe ich, ich umrunde euch einfach, dann umrunde ich auch noch das Walross, das sich wie immer ganz langsam unter der Wasseroberfläche bewegt und schwimme dem blauen Himmel entgegen.

Diesmal habe ich nicht nur das Duschgel sondern auch noch die Bodylotion vergessen. Macht nix, denke ich, das ist nichts, worüber ich mich aufrege. Auch das Deo ist nicht in der Sporttasche, als ich es suche, fällt mir ein, dass ich es gestern in der Umkleide des Gyms in den linken Turnschuh gesteckt habe.
Dafür habe ich ein Quarkbrötchen dabei. Wenn ich das auf dem Weg zum Bahnhof esse – so meine Theorie – könnte ich den Schokoriegel, den ich mir freitags immer nach dem Schwimmen gönne, ausfallen lassen (nice try…but fail…so einfach lasse ich mir nicht meinen Schokoriegel-der-Woche nehmen).

Ich mache mir einen Kaffee, setze mich nach draußen in die Sonne, der Koffer kann später gepackt werden. Das Leben ist schön.

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01.02.2019

Unterwegs.

Dear colleagues,
please kindly note that we are organizing an event for World Cancer Day which will be held at M on 4th of February.
Professor Dr. D (Dental Surgeon, Professor and Head of Department of Oral medicine) and Dr. M (AR Hospital) will speak about Oral Cancer, Breast Cancer and Ovarian Cancer. We would like to invite all business units to attend.

Ich bin überrascht und auch etwas gerührt über die Nachricht im Posteingang, die aus unserem Büro in Südostasien kommt. Die asiatische Geschäftsleitung organisiert einen Event zum World Cancer Day und lädt einige hundert Kollegen dazu ein. Ich schreibe zurück, lobe sie ob dieser ungewöhnlichen Aktivität, wundere mich insgeheim aber auch etwas, da Krebs eher ein Problem der ersten Welt ist, in der die Menschen zuviel Zucker und Junkfood essen und sich zu wenig bewegen (verkürzt ausgedrückt). Im nächsten email folgt die Info, daß vor allem die Kollegen erscheinen mögen, die Betelnüsse kauen. Betelnüsse gelten als krebserregend. Also ist Krebs doch kein ausschließliches First World-Problem, denn Betelnüsse kauen dort fast alle. Ich weise meine Abteilung vor Ort an, Fotos zu machen und einen Artikel über den Event zu schreiben, den wir im nächsten Newsletter veröffentlichen können.

Man schickt mir vorab die Präsentation der Professoren; ein, zwei Schockbilder, Texte in burmesischer Kringelschrift, aber auch Fotos, wie man sich die Brust abtastet (was schon wirklich sehr offen für die dortige Kultur ist, vor allem in einer öffentlichen Präsentation) und icons, die Meditation, Bewegung, Rauchen (durchgestrichen), Alkohol (durchgestrichen), Junkfood (durchgestrichen), Gemüse (nicht durchgestrichen) darstellen. Das finde ich jetzt mal eine wirklich gute Aktion.

Eine weitere Einladung ist in der Post, ‚mein‘ Krankenhaus lädt zum Informationstag Brustkrebs Hamburg 2019 ein.

Als ich mich auf den Weg ins öffentliche Bad mache, fängt es an zu schneien. Schneeflocken irren durch den Dampf, der aus dem Becken steigt, mein Blick irrt im Becken umher und sucht die pinke Badekappe. Meine Schwimmfreundin fehlt.

 

15.1.2018

Unterwegs.

Und hier ist unsere sonnige Oase, sage ich. Wir stehen in Socken auf dem orangenen Teppich des Meditationsraumes, das Licht ist weich, die Heizung wärmt, an der Wand leuchtet die goldene Buddha-Figur.
R. hat sich über den Dauerregen beklagt, er und C. und ich sind klatschnass im Psychologenhaus eingetroffen. Den Regen finde ich auch schön, sage ich, und auch den Sturm, das Wetter ist so lebendig, jeden Tag neu und jeden Tag anders. Ich sehe das also von der positiven Seite, setze ich hinzu und schaue aus dem Fenster. Auf der gegenüberliegenden Seite trainieren Fussballer im Flutlicht, in dem der Regen tanzt, der Rasen leuchtet grün.

Nächste Woche sei er nicht da, sagt unser Lehrer, aber wir können trotzdem zum Meditieren kommen. C. und ich nicken uns zu, R. übergibt mir den Schlüsselbund, damit bin ich für den Meditationsraum am nächsten Dienstag verantwortlich. Und der andere Schlüssel sei für die Eingangstür, falls die abgeschlossen sein sollte. Die Eingangstür steht immer offen. Jeder kann ins Psychologenhaus spazieren, in die Gesprächsräume, die Küche, die Stube und in den verwunschenen Garten. Die Psychologen scheinen ein solides Grundvertrauen in die Menschen zu haben.
Dann könnte ich endlich mein Mobiliar herschaffen und hier einziehen, wo ich jetzt die Schlüssel zu meinem Lieblingshaus habe, sage ich.

Am Bahnhof erzähle ich C. von meinen selbstgemachten zuckerfreien Zitronen-Joghurt Gums und den Müsliriegeln, die erstaunlich lecker sind.
Am Bahnhof bleiben wir jeden Dienstag zwanzig Minuten stehen.
Am Bahnhof sprechen wir über ‚unser‘ Thema.
Wir machen das richtig, sagt C. und guckt mich erwartungsvoll an. Wir machen das richtig, bestätige ich ihr. Sie strahlt. Das höre sie immer so gern von mir, dass wir das richtig machen. Mit dem Sport. Mit der Meditation. Mit der gesunden Ernährung. Mit dem positiven Denken. Ein Restrisiko bleibt, meine ich. Aber auch die Gewissheit, sich niemals Vorwürfe machen zu müssen, denn wir tun alles, was wir tun können.
Wir machen das richtig.

Und dann wandere ich wieder zurück durch den Regen und den Sturm, durch die Lichter am Hafen und durch das Leben.

28.12.2018

Rückblick. Ausblick.

Rückblick.
Wien – Sylt – Travemünde – Zypern – Amsterdam – Myanmar – Travemünde – Sylt – Tibet – Sylt – Travemünde- Zürich – Sylt – Travemünde

14 Reisen in 12 Monaten. Davon 6 Auslandsreisen. Da bin ich jetzt auch etwas baff, als ich meinen Kalender durchblättere.

Montag: Taiji – Dienstag: Meditation (Winter) / Taiji (Sommer)  – Mittwoch: Herzsport – Donnerstag: Geräteraum – Freitag: Schwimmen – Sonntag: Schwimmen/Spaziergehen

6 Tage die Woche Sport und Achtsamkeit, 52 Wochen lang, nach der Arbeit. Es hat Spaß gebracht.

Highlights 2018
Ich stand auf 5200 Metern im Basecamp (Northface) des Mount Everest. Meine Nr. 1 auf der Bucket List. ✔️
Mein erster Gedanke, als ich die Krebsdiagnose hatte, war, dass ich nicht zum Everest gereist bin. Und es jetzt nicht mehr tun kann. Weil es ‚das‘ nun gewesen ist. Ein (wenn nicht sogar DER) mentaler Tiefpunkt im Drama.
Umso wichtiger für mich, genau dieses Abenteuer jetzt angegangen zu sein. Um – was auch immer noch kommen mag – nie wieder den Gedanken haben zu müssen, es nicht gemacht zu haben.
Ein emotionaler Moment, als die Wolken, die über Wochen den Everest verdeckt haben, sich beiseite schoben, am 8. August. Am Tag, an dem er unser Tagesziel war. In dem Moment, als wir vor ihm standen.

Mein Taiji-Lehrer, der mich im Sommer die 19-er Form vorlaufen ließ, um mir dann offiziell zu bestätigen, dass ich sie jetzt laufen kann. Auch das war ein Punkt auf meiner Bucket List. ✔️
Viele wunderbare Taiji-Stunden im verwunschenen Garten des Psychologenhauses mit meinem Lehrer und den Mitschülern.

Dreimal durfte ich dieses Jahr meine Lieblingsband Too Many Zooz live erleben: Amsterdam, Hamburg, Zürich. Jedesmal in der ersten Reihe, jedesmal aufgeregt und glücklich, tanzend und verschwitzt. Ein Foto mit der Band. ❤️ Noch ein ✔️ auf der Bucket List.

Viele schöne Momente im öffentlichen Bad, draußen beim Schwimmen. Den Dunst sehen, der vom Wasser aufsteigt. Das Glitzern der Wasseroberfläche. Die Sonne, die mich zwinkern lässt. Die Bäume, bunt gefärbt. Die klare Luft im Winter. Die Gespräche mit meiner 80-jährigen Schwimmfreundin mit der pinken Badekappe.

Herzerwärmende Momente bei den Herzis. B., die in die Hände klatscht und sich so freut, als ich auf ihren Vorschlag eingehe, einen Vortrag über Tibet zu halten und meine Fotos zu zeigen. Weil Herzis da nicht hinfahren können. H., mit der ich statt in der muffigen Halle in Gedanken im Himalaya unterwegs bin. Dr. A., die immer fröhlich und ansprechbar ist, nicht nur bei Herzproblemen.

Die Wellen und der Wind in Westerland. Die friedliche Stimmung auf der Hafenmole in Travemünde. Der blinkende Leuchtturm. Enlightenment Day of Buddha, zelebriert bei der Shwedagon Pagode in Yangon. Und ich mittendrin in den myanmarischen Festivitäten.

Das Entdecken neuer Lieblingszeitschriften (ein Gesundheitsmagazin und ein Magazin über Psychologie), die ich mir als Reiselektüre im Buchladen auf dem Bahnhof oder am Flughafen kaufe.

Der Gedankenaustausch bei der Meditation mit meinem Lehrer und den Mitschülern. Besonders mit C., die auch letztes Jahr Brustkrebs hatte. Die vielen Äpfel und Birnen aus C.’s Garten und das selbstgemachte Reneklodengelee, welches sie mir mitbringt.

Viele Theater- und Konzertbesuche und Stunden mit Freunden und Familie.

Meine erste Buchveröffentlichung im Dezember! Eine sechsseitige Reisereportage (Auftragsarbeit, nicht zu verwechseln mit dem Logbuch) über die Antarktis wurde in einem Reiseführer veröffentlicht. Darauf bin ich stolz.

Dank der Radiojodtherapie Ende November kann ich viel besser atmen und schlucken und schlafen. Die ersten Blutwerte zeigen, dass die Schilddrüse trotz der heimtückischen radioaktiven Attacke tapfer weiterarbeitet und nicht bockig mit einer Unterfunktion kontert.

Mich neben mich zu setzen und zu fragen: wie geht es Dir? Das tue ich häufig. Ich achte auf mich selbst.

Die Erkenntnis, dass es darum geht, sich selbst zu lieben. (klingt egozentrisch und pathetisch, aber ein liebevoller Umgang mit sich selbst ist lebenswichtig).

Nicht-Highlights 2018
Momente der Angst, wenn mir irgendetwas wehtut, was ich nicht einordnen kann. Rippenschmerzen. Schulterschmerzen. Geschwollener Lymphknoten. Der falsch gelesene Arztbericht der vorstationären Untersuchung der Schilddrüse des großen Krankenhauses. Worte wie Malignität, Thyroid Cancer Guidelines und abklärungsbedürftig lassen meinen Verstand kurzzeitig aussetzen. Die Angst hat einen realen Hintergrund. Deshalb ist sie ok. Und es ist ok, achtsam zu sein. Und – sobald der Verstand wieder durchblitzt – diesen zu nutzen und lösungsorientiert vorzugehen. Das läuft eigentlich ganz gut. Und es sind sehr wenige Momente, in denen ich mich ängstige.

Stress bei der Arbeit. Lösungsvorschläge habe ich bereits erarbeitet. Es liegt ausschliesslich an mir, welchen Weg ich nun einschlagen werde. Wie allerdings schon die Psychologin im Juli 2017 im Sanatorium treffend feststellte – ich bin niemand, der mit einem Sachbearbeiterjob glücklich sein würde. Mein ungebrochener Enthusiasmus und Ehrgeiz machen dem einen Strich durch die Rechnung. Das wird noch interessant in 2019.

Ausblicke und Ziele 2019.
Ich werde am 25. März nachts unter dem Sternenhimmel am See Genezareth stehen.
Und im toten Meer baden.
Im Zodiac um Eisschollen herummanövrieren, während über mir die Nordlichter, die Aurora Borealis, tanzen, irgendwo in Grönland, irgendwo im Schnee.
Ich werde Too Many Zooz auf einem Konzert ihrer Europatournee 2019 zujubeln, in einer Stadt, in der ich noch nicht gewesen bin.
Zu einer britischen Hochzeit nach Cheshire werde ich fahren. Mit Hut.
Viele schöne Stunden mit Taiji und Mediation und beim Schwimmen im Aussenbecken des öffentlichen Bades werde ich erleben. Das steht fest, genauso wie mein Sportprogramm.
Treffen und Lachen mit Freunden und Familie.
Die Stiftung ‚meines‘ Krankenhauses ehrenamtlich unterstützen.
Neue Ziele ausmachen.
Vielleicht doch Trekking zum Basecamp (Nepal/Southface) mit George Hillary (dem Enkel von Sir Edmund Hillary) auf die Bucket List setzen. George Hillary hat ein Everest-post von mir auf Instagram gelikt, ich bin begeistert! (note to myself: auch dort wird es keine sanitären Anlagen geben – und Du hast in Tibet wirklich darunter gelitten! Und wer beim Stiefmütterchenpflanzen schon Rückenprobleme bekommt, der wird nicht tagelang mit Rucksack durchs Gebirge klettern können! tbd with myself)

Gesund bleiben.

Ich freue mich auf 2019.

18.12.2018

Unterwegs.

J. trägt einen grün-seidenen Kimono als er die Tür öffnet. Er ist barfuß. Ich schnaufe. Die  Wohnung liegt im Dachgeschoß eines Altbaus in Eimsbüttel, einen Fahrstuhl gibt es nicht, dafür fünf Stockwerke und eine Wendeltreppe. Zur letzten Meditation des Jahres hat J. uns zu sich nach Hause eingeladen; nach dem Sitzen wollen wir gemeinsam essen. J. führt mich durch die Wohnung, die anders aussieht, als ich es von dem (normalerweise) im Anzug erscheinenden Mitstreiter, der bei einem Flugzeugbauer arbeitet und Meetings mit chinesischen Kunden hat, erwartet habe. Die Zimmer sind mit japanischen Tatami-Matten ausgelegt, auf denen bunte Kissen liegen, eine Klangschale steht vorm Spiegel auf dem Flur. Es gibt unzählige Bücher und Holzkisten.  Frauenportaits aus einem entfernten Jahrhundert hängen museumsgleich an den Wänden, aber auf Oberschenkelhöhe. Jetzt weiß ich, was mich irritiert. In dieser Wohnung gibt es keine Möbel. Kein Bett, kein Kleiderschrank, keine Couch, keine Sitzecken, keine Stühle, keine hohen Tische. Zwei Sitzgelegenheiten ohne Beine und ein Tisch, vor den man sich hinknien kann, stehen im Wohnbereich. Dann passt es auch mit den niedrig hängenden Bildern an den Wänden, denke ich.

C. erscheint, auch sie ist am Schnaufen. Sie streckt mir ein Glas selbstgemachtes Reneklodengelee entgegen, ich habe ihr ein Gesundheitsmagazin mitgebracht. C. hat einen Radiobeitrag eines Arztes über Mikronährstoffe gehört, über den sie sich sofort mit mir austauschen möchte. Ich esse immer das, was mir schmeckt, sagt unser französischer Gastgeber. Er weiß nicht, daß zwei Brustkrebspatientinnen vor ihm stehen, die ihre Ernährung auf den Kopf gestellt haben und sich dienstags nach der Meditation mit Begeisterung darüber austauschen. Wir sind jedenfalls schon gespannt, was es nachher bei unserem Franzosen zu essen geben wird.

Der Gong ertönt, am immer leiser werdenden Ton gleite ich hinab in mein Inneres und fokussiere mich auf den Atem. Mit dem Gongschlag 70 Minuten später kehre ich wieder zurück.

Wir platzieren die bunten Sitzkissen um den niedrigen Tisch, es wird eng mit sechs Personen, aber es geht. J. hat eine Süßkartoffel-Ingwer-Suppe mit frischen Kräutern gekocht. Dazu gibt es einen grünen Salat, leckeres dunkles Brot, Butter, diverse Käsesorten,  vegetarische Brotaufstriche, Mandarinen und grünen Tee. C. und ich sind begeistert, das passt perfekt in unser Ernährungskonzept.

Die Konversation ist locker und anregend; mit R. besuchen wir Meditations-Retreats und reisen nach China, mit N. verfolgen wir das dumpfe Grollen in der Mongolei, das langsam anschwillt und zu einer riesigen Yak-Herde gehört, die um uns herum galoppiert, ich nehme die Gruppe mit in die weiten Hochsteppen des Himalaya zum Teetrinken, derweil unser Bus im reißenden Fluss feststeckt und auf Rettung wartet. Wir besuchen C. in ihrem schönen Garten im Grünen, aus dem sie mir immer Äpfel mitbringt und fahren mit A. und J. nach Japan.

Es ist ein wundervoller Abend, an dem wir gemeinsam durch die Welt und zu uns selbst reisen. Wir schmieden Pläne für’s nächste Jahr. Vielleicht ein gemeinsames Retreat. Vielleicht zusammen C. in ihrem Garten besuchen. Und gemeinsam Schweigen werden wir sowieso.

passend zum post trifft gerade das Rezept ein (evtl geht auch Haferdrink statt Milch – muss ich mal testen)

19.11.2018

Im Krankenhaus.

Nach der Arbeit fahre ich in ‚mein‘ Krankenhaus, ich habe dort einen Termin mit einer Dame aus dem Vorstand der Stiftung. Die Stiftung unterstützt Brustkrebspatientinnen mit interessanten Sportangeboten, Vorträgen über Ernährung oder auch Humangenetik, Gesprächskreisen, Breast Care Nurses, Kühlkappen bei Chemo, Kreativkursen oder auch mit Terminen bei Psychoonkologen.

Wir unterhalten uns sehr angeregt; ich unterbreite einige Vorschläge, wie ich die Stiftung mit ehrenamtlicher Hilfe untersützen könnte. Nach 45 Minuten steht fest: wir werden etwas zusammen auf die Beine stellen.

Mitte Dezember planen wir ein Meeting, an dem auch Ärzte und weitere Vorstandsmitglieder teilnehmen werden.

Ich möchte etwas von der Hilfe, die ich hier bekommen habe, zurückgeben.

18.11.2018

Unterwegs.

Ob ich mich vorher auch so gesund ernährt hätte, fragt mich B., während sie sich etwas von ihrem Bauernfrühstück auf die Gabel füllt. Nein, antworte ich meiner Herzi-Mitstreiterin, aber durch den Schock und den ersten Ernährungsvortrag, den ich mir bereits im Krankenhausbett einen Tag nach der Operation vom Arzt anhören durfte, wurden meine Süchte sofort eingestellt. Ich erinnere mich noch daran, dass ich meine Lieblingsschokolade aus Chile, die ich extra als Trost eingepackt hatte, umgehend in den Mülleimer befördert habe. Ich wusste nicht, dass Krebs sich von Zucker ernährt. Und das Weizenmehlbrötchen mit Salami auch nicht viel gesünder sind.

Ich finde es interessant, daß B. ihre Zeitrechnung auch in ein vorher und ein nachher eingeteilt hat. Was zwischen dem vorher und dem nachher liegt, bleibt unausgesprochen.
Jedenfalls schaue ich sehr bestürzt drein, als unsere Trainerin und ein Herzi nach dem Abendessen in der Wirtschaft zum Rauchen vor die Tür verschwinden. Auch gegen eine Sucht kann man etwas tun, wenn diese nicht durch Schock ausgelöscht wird – wie bei mir, und Schokolade habe ich in der Tat sehr viel gegessen. Ich kasteie mich nun nicht, aber ich bin sehr diszipliniert, ich weiß ja, wofür ich das tue. Ich will leben und das noch möglichst lange und gesund. Also sitze ich heute Abend als Einzige mit einem Salatteller in der Wirtschaft, während die Herzis Rinderroulade und panierte Schnitzel vertilgen.
Zum Nachtisch teile ich mir aber eine Portion Topfenpalatschinken mit Zwetschgen und genieße diesen umso mehr, da dies eine Ausnahme ist, eine sehr leckere, zugegebenermaßen.

Dann krame ich meinen Laptop aus der Tasche. Tische und Stühle werden umhergerückt, denn alle zwölf Herzis wollen nun mit mir durch Tibet reisen. Und danach sogar noch durch die Antarktis; vorausschauenderweise hatte ich den zehnminütigen Film unseres chinesischen Vogelkundlers eingepackt. Es ist ein schöner Abend, hier in der Wirtschaft in Uhlenhorst, hier mit meinen Herzis.

Am Sonntag mache ich mich zu einer zweistündigen Wanderung auf, entlang der Hamburger Kanäle. Eine Gegend, die ich nicht kenne, da ich sonst immer entgegengesetzt in Richtung Aussenalster marschiere. Jugendstilbauten säumen die Finkenau, auf dem Wasser liegen Hausboote und am Kanal umgedrehte Kanus, über die sich das Herbstlaub gelegt hat. Es nieselt.

Zurück zu Hause wärme ich mir die restlichen Vollkornnudeln mit frischen Tomaten und Basilikum auf, zum Nachttisch gibt es ein Vollkornbrot mit Frischkäse und selbstgemachtem Renekloden-Gelee, das mir C., meine Freundin aus der Meditationsrunde, am Dienstag geschenkt hat.

Ein ruhiges Wochenende geht zu Ende, eine spannende Woche liegt vor mir.

16.10.2018

Im Krankenhaus.

Das Handy klingelt. Am Telefon ist die Radiologin, bei der ich vor zehn Minuten in der Nuklearmedizin gewesen bin. Sie hätte bei meinem Hausarzt angerufen, dort habe man zwar meine Blutwerte, die ich auch vorhin dabei gehabt hätte, aber nicht die speziellen Blutwerte, die sie bräuchte. Kein Problem, sage ich, dann gehe ich zu meinem Hausarzt und lasse dort Blut abnehmen. Wenn ich noch nicht allzu weit weg sei, könne ich auch zurück ins Krankenhaus kommen, dann hätten wir das schon mal abgehakt.

Weit gekommen bin ich in der Tat nicht. Ich sitze im Café auf dem Krankenhausgelände in der Sonne. Das Café, in gesunden Grüntönen und hellem Holz gehalten, heißt „Healthy Kitchen“, was mich schon wieder ärgert, da es dort vorrangig Burger, Pizza und Weizenbrötchen mit Wurstaufschnitt gibt. Dabei wollte ich dort frühstücken, wenn ich aus der Nuklearmedizin wieder ‚raus bin. Jetzt bestelle ich nur einen Kaffee.

Dann geht es wieder zurück durch die ganzen Gänge und Treppenhäuser, dieses Krankenhaus ist riesig und korrespondiert nicht mit meinem nicht vorhandenen Orientierungssinn. Die Blutabnahme findet im Liegen statt, nachdem mich die Arzthelferin fragt, ob ich mit dem Blutabnehmen Probleme hätte. Wir könnten es mal so versuchen, antworte ich etwas zögerlich, sie winkt ab und holt eine Krankenbahre. Es wäre ihr heute schon ein Patient umgekippt, das würde ihr langen. Ich halte mich tapfer.

Da ich mit der Radiologin sehr schnell einig ob der preferierten Behandlungsmethode werde, wird nur ein Ultraschall gemacht und zwei vorstationäre und ein stationärer Termin  für den November festgelegt. Dann kann das Projekt „Schilddrüse“ endlich in Angriff genommen werden, nachdem es letztes Jahr in der Prioritätenfolge zurückgefallen ist.

Ich frage, ob die Radiojodtherapie in Kombination mit den ganzen Mammographien und der Strahlentherapie aus dem Vorjahr zu Problemen führen könnte – anders gefragt: wieviel Strahlen kann der Mensch ab? Das könne man leider so nicht pauschal beantworten – da es bei mir aber um Teilstrahlungen ginge, sehe sie diesbezüglich keine weiteren Probleme auf mich zukommen. Ich hätte zwar gedacht, dass man die Strahleneinheiten alle addieren und dann ins Verhältnis zu Alter/Größe/Gewicht/Geschlecht setzen könne, aber das kann man nicht.

Dann bringe ich die zwei Paranüsse zur Sprache, die ich täglich wegen des Selens esse. Die seien ja auch radioaktiv. Der Arzt im Mammazentrum hat beim Vortrag über Mikronährstoffe von denen abgeraten und stattdessen zu Tabletten geraten. Ein Freund, dem ich von den Paranüssen erzählt habe, sei allerdings nicht vom Hocker gekippt. Er ist Radiologe. Die Ärztin lacht, auch sie kippe jetzt nicht vom Hocker, die zwei Paranüsse könne ich weiterhin essen.

Da der stationäre Aufenthalt schon mal eine Woche dauern kann, die man sozusagen in sensorischer Deprivation verbringt (das Zimmer darf nicht verlassen werden, u.U. darf man später über die Station gehen), möchte ich wissen, ob es ein Trimmrad auf dem Zimmer gibt. Gibt es nicht. Keine Sportmöglichkeiten. Aber ich dürfte Terraband, Tube, Ball & Co. gern mitbringen.
Auch eigene Nahrung darf ich mitbringen, auch wenn es vorher noch ein Gespräch gebe, was der Patient essen mag. Da ich mittlerweile ein etwas schwierigerer Fall geworden bin, und meine bisherigen Krankenhaus- und Reha-Aufenthalte nicht mit meiner jetzigen Ernährung korrespondieren, werde ich Nüsse, frisches Obst und Gemüse einpacken. Sicher ist sicher.

Ich verlasse das Krankenhaus zum zweiten Mal und bin positiv überrascht, daß ich auch hier wieder an wirklich freundliche Ärzte und Assistenten geraten bin.

Nachtrag:
Der blog wird weiterhin vorrangig Fitness, Ernährung, Reisen und andere Bucket-List-Items zum Thema haben. Es werden keine weiteren Krankheiten in den Fokus rücken. Weil ich mich auf das Positive im Leben konzentriere.

14.10.2018

Unterwegs.

Und danach kaufe ich mir ein Croissant für’s Frühstück, sagt meine innere Stimme, als ich mich auf den Weg in den Hafen mache, wo ich mir ein schönes Plätzchen zum Taiji-Üben suchen möchte. Nein, kein Croissant, antworte ich und lasse vorsichtshalber das Geld zuhause. Erstens zeigt die Waage eine Tendenz nach oben, zweitens wird das Wetter wieder wunderbar, da werde ich mir eventuell später ein Eis gönnen wollen. Eine kleine Sünde ist ok, zwei gestatte ich mir nicht.

Im Hafen sind nur eine Handvoll Angler um den Ponton verteilt, sonst ist es ruhig zu dieser frühen Stunde. Der Himmel ist leuchtend blau, die Elbe glitzert, an den Kaimauern wuchert es grün. Ich atme tief durch und beginne mit der 19er-Form.

Gestern Abend Treffen mit Freunden. Wir sitzen im Kerzenschein auf dem Balkon, den Blick gerichtet in den dunklen Garten und die weißen Jugendstilhäuser um uns herum. Es ist warm, so warm, als säßen wir in einer lauen Sommernacht, es mutet skurril an, Mitte Oktober, hier in Hamburg. Ab und an zwitschert ein Vogel, wir lachen, essen kleine Köstlichkeiten und trinken Rosé. Der Co-Gastgeber ist gebrieft und schenkt mir immer nur ganz wenig nach – so habe ich am Ende des Abends vielleicht ein Glas Wein getrunken, auch wenn es ausschaut, als hätte ich mehrere Gläser gehabt. Das gefällt mir, so mache ich nicht den Eindruck einer Spaßbremse und habe den ganzen Abend ein leicht gefülltes Glas in der Hand.

Da der Oktober ja als Brustkrebsmonat deklariert wird, habe ich es endlich vollbracht und einen Gastartikel für die liebe Nicole und ihre tolle Website https://www.prinzessin-uffm-bersch.de geschrieben (https://www.prinzessin-uffm-bersch.de/2018/10/07/der-feind-in-mir/).  Nicole, die einen Sohn mit schwerer Mehrfachbehinderung hat,  erkrankte 2010 an Brustkrebs. Heute arbeitet sie wieder und begleitet außerdem Menschen im Hospiz auf ihrem letzten Weg. Auf ihrer Website gibt es viele gute Tipps für Betroffene und Angehörige und ganz viel Mut und Hoffnung zu finden.
Das erinnert mich daran, daß auch ich mir vorgenommen habe, ehrenamtlich tätig zu werden um etwas von der Hilfe, die ich erfahren habe, zurückzugeben.

4.10.2018

Zuhause.

Das habe ich noch nie gemacht, denke ich. Langzeitplanung. Weder vor dem Drama noch nach dem Drama. Das ist übrigens meine Zeitrechnung: es gibt ein ‚vorher‘ (bis 21.3.2017) und ein ‚danach‘ (ab 22.3.2017 – Tag der OP). Danach habe ich in extrem kurzen Zeiträumen geplant: spontan das nächste Wochende nach Sylt oder Wien oder nach Edinburgh und Amsterdam, die Antarktis habe ich im September gebucht und bin zwei Monate später losgereist. So ganz habe ich dem Frieden, dass der Feind fernbleibt, nicht getraut.

Und nun habe ich ein wunderbares Abenteuer für den September 2019 gebucht. Langzeitplanung. Ich denke, dass das ein gutes Zeichen ist.