Eine weiße Schneedecke, die sich über die Gärten des Belvedere, die Oper, die Burg, den Stephansdom und die Kärtner Straße legt…den Gefallen tut mir meine Lieblingsstadt leider nicht. Stattdessen liegt der Himmel grau und schwer über Wien. Es ist kalt.

Um 4.15h bin ich in Hamburg aufgestanden, um 9.30h stehe ich bereits an der Rezeption des weißen stuckverzierten Hotels, das nur einen Steinwurf von der Wiener Oper entfernt liegt. Das Zimmer, welches man für mich im siebten Stock reserviert habe, stehe erst zum regulären Check In um 15h bereit. Man könne mir aber ein Zimmer in der ersten Etage anbieten, das ich sofort beziehen könne. Ich fahre in den ersten Stock, packe kurz aus und mache mich auf den Weg zum Naschmarkt. Ein frühes Mittag mit Shakshuka, das Neni ist proppenvoll. Ich sitze am Tresen und schaue dem lebhaften Treiben zu.

Es ist schön, hier zu sein; ich mag es, Vertrautes wiederzusehen und gleichzeitig Neues zu entdecken. Ich mag es, ganz spontan zu entscheiden, was ich als nächstes machen möchte, ich liebe die Freiheit, einfach dem zu folgen, wozu ich gerade Lust habe.

Heute habe ich Lust auf einen Bummel durch die Kärtner Straße und die Geschäfte. Im Stephansdom zünde ich wieder zwei Kerzen an (eine für Dich, lieber Alex – für ein gesundes, langes Leben).

Im Café an der Oper gönne ich mir Topfenstrudel und ein Glas Sekt, bevor ich eine Ruhepause im Hotel einlege und mich für den Abend im Burgtheater zurechtmache.

Moderne trifft Klassik, und das gleich doppelt: das Ticket ist per App auf meinem Smartphone gelandet, meine Loge in der altehrwürdigen Burg hat ein eigenes Vorzimmer mit samtroter Couch, verschnörkeltem Spiegel und Garderobe.

Die klassische Tragödie Medea (nach Euripides, 431 v.Chr.) wird in die heutige Zeit verlegt und basiert auf einer realen Tragödie, die sich in den USA ereignete.

Anna ermordet ihre Kinder und zündet das Haus an, während der Ruß ganz sanft in das schneeweiße Bühnenbild rieselt.

Auf dem Platz gegenüber vorm Rathaus wird Schlittschuh gelaufen.