16.10.2017

Unterwegs.

Genau die Stelle tut weh, rufe ich dem Krankengymnast zu, der, während ich mich bäuchlings auf der Liege befinde, im Bereich der linken Kniekehle herumdrückt.

Der innere Beugemuskel des Knies braucht Massagen und Wärme, lautet das Fazit. Gut, endlich zu wissen, was mir bei einigen Bewegungen Schmerzen bereitet. Und gut, dass man was dagegen tun kann. Ich bekomme eine Übung für zuhause mit auf den Weg und werde das Montags-Taiji,  das wir mit der Stehenden Säule beginnen, ausfallen lassen. Die Übung ist sicher nicht optimal für meinen angeschlagenen Beugemuskel.

Alternativ geht es zum Walken, danach dann Übungen mit der Pilates-Rolle.

15.10.2017

Unterwegs.

Keine spektakulären Vorkommnisse am Donnerstag im Fitnessraum zu verzeichnen (lässt man den schwer stöhnenden Sporti ausser acht, der – spätestens, als er nen Kopfstand macht – alle Blicke auf sich gezogen hat).  Das Schwimmen am Freitag im Glitzerwasser des Outdoorbeckens kristallisiert sich zum Höhepunkt der sportlichen Wochen heraus.

Am Samstag nehme ich mir bewusst nichts weiter vor, gehe gemächlich Einkaufen und putze rudimentär die Wohnung. Die restliche Zeit liege ich auf dem Sofa, lese einen Comic, schaue fern, trinke einen Kaffee und relaxe. Um 18.00 Uhr werde ich nervös und stelle fest, dass mir die tägliche Bewegung fehlt. Laufe eine 19er Form im Wohnzimmer.

Am Sonntag springe ich früh aus dem Bett, frühstücke, gehe hinaus in den Nebel und schaue der Sonne zu, wie sie sich langsam durch das Grau über der Elbe kämpft. Sie gewinnt.

Wandere zurück nach Hause, gehe in den Garten und laufe im Sonnenschein drei weitere 19er Formen.

11.10.2017

Unterwegs.

Wir könnten ja schon mal pulsen, schlägt einer der Herzis vor. Und wir machen einfach ganz langsam, füge ich hinzu.

Sechs Herzis, eine Trainerin und ich – Frau Dr. A. ist nicht in Sicht. Und ohne ärztliche Aufsicht dürfen wir nicht mit dem Sport anfangen. Da sei schon so einiges passiert, erklärt die Trainerin und schaut mich an. Die Worte hängen in der Luft, was genau schon so passiert ist, will ich lieber gar nicht wissen. Da sie mir letzte Woche von ihren Sportstunden mit den Kindern vorgeschwärmt hat, die ein „lebendiges“ Kontrastprogramm zum Sport mit den Herzis sind, ahne ich düsteres. Und umsonst steht die Erste-Hilfe-Box samt Defibrillator auch nicht in der Halle.

Zum Glück weht Dr. A. im pinken Trenchcoat um die Ecke, die langen Haare wie immer offen und zerzaust. Wir können starten.

Nach Pulsen – das ich noch immer nicht durchschaut habe – und Aufwärmen zu Walzerklängen stehen wir uns paarweise zum Ringwerfen gegenüber. Mein Partner ist M., bei dem ich jede Woche Angst habe, dass er umkippt. Falsch liege ich damit nicht, er sitzt meistens schnaufend auf der Bank. Auch jetzt schnauft er wieder, während wir uns mehr schlecht als recht die Ringe zuwerfen. Ein Ring trifft mich unglücklich am Mittelfinger, irgendeine Ader platzt, die Fingerspitze wird dick, blau und heiss. Kampfverletzung, rufe ich M. zu und halte den Finger in die Luft. Ob ich mich setzen möchte, schnauft M. und schaut hoffnungsvoll. Ich zerstöre seine Hoffnung sofort. Wir machen weiter, ist nur ein Finger, nicht so schlimm, rufe ich wieder. Ich halte den Finger auch nicht Frau Dr. A. unter die Nase, mich ärgert ja schon, dass ich bei Streckübungen immer unter Sonderbewachung stehe. Und schon ertönt ein „Aber C. muss aufpassen“ zu mir herüber.

Morgen ist wieder Gerätetrainung im Reha-Zentrum. Ohne Pulsen, ohne strenge Überwachung und ohne Walzerklänge. Und ohne blauen Finger.

09.10.2017

Unterwegs.

Die Gruppe hat einen kleinen Kreis gebildet und schaut auf den Boden. In den Händen halten sie Schwerter. In der Mitte des Kreises liegt eine tote Mücke. Nicht erstochen, sondern mit einem Schwert zerquetscht.

Das erste Opfer des Zusatzprogramms, das sich unser Taiji-Lehrer für seine Schüler überlegt hat. Schwertkampf. Nach dem regulären Unterricht wird eine halbe Stunde drangehängt. Ich mache nicht mit, mir ist das zu lang, ausserdem bin ich immer noch mit der 19er Form beschäftigt.  Ich befürchte, dass mich weitere Lerneinheiten intellektuell überfordern könnten. Neben mir sind noch ein paar andere, die sich gegen den Schwertkampf entschieden haben. Trotzdem halten wir alle die Schwerter in der Hand, die unsere Mitschüler stolz und auch etwas aufgeregt herumzeigen. Wir freuen uns mit ihnen und scherzen herum.

Damit die Wartezeit zum Extra-Programm nicht zu lange wird, dürfen die Schwertkämpfer die Reeling Silk-Übungen mit Waffe üben, während wir Unbewaffneten die gängige Abwehrhaltung einnehmen.

Bevor es aber richtig losgeht, laufen wir unsere 19er Form – in Zeitlupe, während unser Lehrer durch die Reihen geht und korrigiert. Wer sich mit Taiji auskennt, weiß, dass es extrem anstrengend ist, die eh schon langsamen Bewegungen fast im Stand zu machen.

Um 20:00 Uhr ist für uns Unbewaffnete der Unterricht vorbei. Ich marschiere zur Bushaltestelle, es ist dunkel, es regnet, nachher wird mein Schrittzähler 9.000 Schritte anzeigen – das ist eine gute Leistung neben den 90 Minuten Taiji und dem Arbeitstag, der hinter mir liegt.

Ich gehe über die Brücke, die über die grau-braune Elbe führt und biege in meine Straße ein. Polizeiwagen stehen vor dem Wohnkomplex, der neben meinem Haus liegt. Eine Anwohnerin erklärt den Polizisten, dass die Gebäude eine Tiefgarage haben, die die Häuser verbindet. Da könnten sie entkommen sein. Ich gehe weiter. Und überlege, ob ich mich nicht doch noch für den Schwertkampf entscheiden sollte.