30.07.2020

Flugwetter.

Ich mag es, früh morgens mit dem Tag aufzuwachen. Durch die verglaste Fassade schaue ich vom Bett auf die Berge. Heute liegt Nebel am Fusse der Berge, die, in einen feinen grauen Schleier gehüllt, nun von der Sonne angestrahlt werden und das matte Grau in grüne Wiesen verwandelt.

Gestern waren die Berge klar zu sehen, es war ein warmer Sommertag. Und vorgestern, da lagen sie mystisch hinter Wolkenschwaden, die um die dunklen Berge waberten.

In zwei Stunden werden das Kind und ich an einem Abgrund in den Bergen stehen und, nur an einem Seil befestigt, eine 220m lange und 160m tiefe Schlucht überqueren/fliegen. Ich bin gespannt.

Die Sonne steigt höher und gibt einen sanften blauen Himmel frei. Gutes Flugwetter, denke ich.

27.07.2020

Ich stutze: war ich wirklich erst vor drei Tagen im Taiji-Camp? Jetzt liege ich im Bett und schaue durch bodentiefe Fenster über die Dachterrasse bis hin zu den Bergen. Schwarz heben sie sich vom grauen Himmel ab; es wird Nacht. Gestern sind wir erst in Österreich angekommen, und schon fühlt es sich an, als wären wir ewig hier. Ein gutes Zeichen. Dann ist auch die Seele mitgekommen.

Wir haben Wünschetage beschlossen: jeder darf einen Tag so gestalten, wie er es gern möchte; das Programm der restlichen Tage wird gemeinsam beschlossen. S. wünscht sich einen Wandertag in die Berge, mit Einkehr in Hütten und Zeit in der Natur. Ich wünsche mir einen Tag in Bad Gastein, das für seine Villen und Hotels aus der Belle Époque bekannt ist, die an Steilhängen gebaut wurden. Einen Wasserfall gibt es dort auch. Das Kind wünscht sich den „flying fox“, das ist ein Jump über die 160m hohe und 220m lange Dürnbachschlucht, bei der man nur an nem Seil befestigt ist (ich will es noch gar nicht so genau wissen, denn ich habe – im Gegensatz zu S. – sofort fröhlich zugesagt). Einen Besuch im Freibad wünscht das Kind sich auch, da bin ich doch gerne mit dabei (und freue mich insgeheim, dass ich dafür nicht meinen Wunschtag opfern muss, denn schwimmen, das mag ich sowieso).

Ich schaue auf die Berge, die Jalousien lasse ich auf, damit ich morgen früh die Bergwelt erwachen sehe.