29.05.2021

Unterwegs.

Ich stehe am Beckenrand, mein rechter Fuss taucht ins Wasser, es ist kalt (sehr kalt). Der Himmel hängt dunkelgrau über dem Freibad, die Luft hat 9 Grad (plus) und das Wasser, es ist kalt (sehr kalt). Die Bademeisterin nickt mir freundlich von der anderen Seite zu, ich winke, steige die Stufen hinab, ein kurzes Zögern, Luftanhalten, dann schwimme ich los.

Seit ich mich um 8.00h auf den Weg ins Testzentrum gemacht habe, habe ich auf Dauerschleife ein Du-hast-echt-einen-Knall im Ohr. Es begleitet mich auf dem Weg durch den windigen Hafen, vielleicht ist es ja etwas wärmer und weniger windig im Freibad, rede ich mir ein, die Blüten des Baumes, der über mir das Dach der Umkleideschnecke bildet, rieseln auf mich herab, immer mehr und mehr, bedeckt die feuchten Holzplanken, meine FlipFlops, meine Schultern. Du hast echt einen Knall. Daran gibt es nichts zu rütteln.

Ich schwimme zügig, weiche den mutigen Mitstreitern aus, die sich ebenfalls am ersten Tag der Freibadsaison in die Fluten gewagt haben, ich spüre ein Lächeln im Gesicht und eine Träne im Auge, denn es ist überwältigend, wieder hier zu sein, Kälte hin oder her, es ist herrlich, rufe ich mir innerlich zu, einfach herrlich, und vielleicht habe ich ja doch keinen Knall. Dann reißt der Himmel auf. Die Sonne steigt über das rote Backsteingemäuer und lässt das Wasser glitzern, die Kälte, die durch die Knochen kriecht, ist für einen Moment vergessen.

Nach 22 Bahnen in meinem Aussenbecken des öffentlichen Bades steige ich aus dem Wasser. Das reicht für heute.

Ich setze mich an das große Becken, freue mich über den mitgebrachten heissen Vanilletee, dessen Duft sich mit dem Chlorgeruch des Wassers vermischt und schaue den Kampfschwimmern zu.

Morgen werde ich wieder am Beckenrand stehen.

Nachtrag:
das Reel, das ich erstellt habe, ist noch schöner, wenn man es mit der von mir unterlegten Musik „Schwimmen“ von Neopoetik hört – zu finden auch auf meinem gleichnamigen Account auf Instagram (link)