10.02.2020

Weiterpacken.

Kamillentee, Klopapier, Desinfektionsmittel, Kohle-Kompretten, Trockenhefe, Verbandszeug, Elektrolyte, Haferflocken, Gemüsebrühe, Nüsse, Wanderstiefel, Mütze, Handschuhe, Sonnenbrille…

Du hast sie doch nicht mehr alle, sage ich.

Aber ich liebe Abenteuer!, antworte ich mir.

Noch etwas gebeutelt von Magen-Darm und einem Sturz bei Nacht, in der ich ohnmächtig in der Küche zusammengesackt und mit dem Kinn auf die Arbeitsplatte geknallt bin (und dabei auch noch meine Hand mit Teewasser verbrannt habe), fange ich an zu packen.

Deja vu: genauso sah es aus, als ich auf dem Weg zum Basecamp des Everest war; nun geht es in die Sahara.

Einfach mal so einen Strandurlaub…mit Buch…Cocktail…

ich winke ab. Ich möchte durch Oasen mit Palmen spazieren, wie Laurence von Arabien durch die Todraschlucht wandern, übers Atlasgebirge und zum Dadesfluss fahren…na dann – dann pack weiter.

08.09.2019

Logbuch Arktis – Tag 3

Noch immer stürmt es. Die chinesische Übermacht an Bord hat sich merklich reduziert. Die Seekrankheit greift um sich. J. ist blass und fühlt sich nicht gut, D. bestelle ich ein Frühstück auf die Kabine. Im Restaurant lerne ich zwei Deutsche kennen sowie G. aus Georgien, Jay aus Wales, A. aus der Schweiz und G. und A. aus Chicago. R. der Oberkellner, begrüsst mich: Ms Anja, please have a look to the buffet – we have almond milk for you.

Ich bin sprachlos; auf dem Fragebogen, den man vor Antritt der Reise ausfüllen musste, hatte ich vermerkt, dass ich Wert auf gesunde Ernährung lege und Mandel- oder Kokosmilch bevorzuge. Mehr Service geht nicht.

Ich statte der Brücke einen Besuch ab, ich bin der einzige Gast.

Der Whirlpool auf Deck 5 ist abgedeckt. Ich setze mich in eine windgeschützte Ecke und schaue über das leere Deck. Hier haben wir nachts in der Antarktis zur Discomusik des DJ‘s getanzt, während sich das Eis immer dichter an die Sea Spirit geschmiegt hat. Titanic-Feeling.

Heute tanzen die Wellen.

Spucktüten sind die Gänge hinunter an den Wänden drappiert, das Bordshopping, das Kayak-Intro und der Vogelkunde-Vortrag werden verschoben, es ist ja kaum ein Passagier auf den Beinen. Zum Glück werden die für 16.00h angekündigten Crepe Suzette in der Lounge nicht verschoben. D. lasse ich auf der Kabine schlafen und trete den wackeligen Weg in die Lounge an. Ich plaudere mit G. aus Berlin und A. aus der Schweiz.

Ob ich ein Schokocroissant möchte, fragt D. Sie habe einige aus dem Hotel aus Reykjavik mitgebracht. D. sitzt in der Kabine auf dem Sofa neben ihren unausgepackten Koffern, in dem sich neben den Croissants noch Äpfel, Kekse, Müsliriegel und ein grosses Sortiment an Tabletten befinden. Ausserdem könne sie gerade ihre Wasserflasche nicht finden. Ich helfe ihr beim Suchen.

Kein Maskara heute, zu gefährlich bei dem Sturm, da könne man sich ja die Augen ausstechen, stellt meine quirlige Zimmergenossin fest.

Ich habe D. angeboten, beim Auspacken und Verstauen zu helfen, vielleicht später, nach dem nächsten Vortrag, und weg ist sie.

Nach dem Dinner hole ich mir an der Rezeption meine Charge Tabletten gegen Seekrankeit. Aufregung am Fenster, ich schaue hinaus: die ersten schneebedeckten Berge und ein hellblau schimmernder Eisberg tauchen auf. Vor uns liegt Grönland.

22.04.2019

Unterwegs.

C: Asterix ✖️

A: Obelix ✖️

N: Rest ✖️

Abends im Pyjama im Bett liegen und mit meinen kleinen Zwillings-Patenkindern Asterix in Italien lesen. Die Rollenverteilung übernimmt N. C. und ich haben entspannte Abende. Erstmals wird mir klar, wie wenig Obelix zu sagen hat.

Aufwachen am Morgen unter der lachenden Piratensonne.

Bucket List: Zeit mit meinen Patenkindern verbringen ✔️

28.03.2019

Logbuch Israel – Tag 7

Wenn ich im Beduinensupermarkt für eine Banane, zwei Schokoriegel (Rex und Pokemix) sowie eine Haarbürste 10 Schekel (Euro 2,50) zahle.

Wenn ich nach sieben Tagen endlich wieder eine Bürste habe (im Gepäck hatte ich nur einen zusammenklappbaren Kamm von einer Airline).

Wenn wir bereits um 9.00h die erste Ausgrabungsstätte in Tel Arad besichtigen. Das Wetter spielt mit.

Wenn wir aus Sicherheitsgründen Umwege fahren. Der Gazastreifen liegt 20 Kilometer von uns entfernt. Die Straße über Hebron ist unsicher.

Wenn wir mittags in die Höhlen von Bet Guvrin-Maresha hinabsteigen.

Wenn wir durch Wiesen und Felder wandern.

Wenn wir zwischen Olivenbäumen und Kakteen ein Picknick ausbreiten. Mit Tischdecke.

Wenn wir ein Weingut besuchen und israelische Weine verköstigen.

Wenn wir J. ins Krankenhaus in die Notaufnahme bringen müssen. Seit gestern hat er Husten, Fieber und kann nicht mehr schlucken. Der 85-jährige trinkt nicht und ist schwach. Die Ärzte unter den Mitreisenden kümmern sich gut um ihn und raten abends an, ihn ins Krankenhaus zu bringen. N., unser local guide, bleibt bei ihm.

Wenn wir beim Abendessen festellen, dass ich im Hotel eine Suite mit Blick auf Jerusalems Altstadt bekommen habe, während meine Mitreisenden auf Garagendächer schauen und gelbe Badezimmertüren haben.

Wenn sich die andere Reisegruppe im Hotel an die falschen Tische setzt, die schon für’s Frühstück vorbereitet wurden und die Kellner panisch das Geschirr wegräumen. Ein koscheres Hotel muss für die Mahlzeiten unterschiedliches Geschirr haben. Auf Geschirr, auf denen Milchspeisen lagen, darf kein Fleisch aufgefüllt werden und umgekehrt. Morgens gibt es Milchprodukte. Und abends gibt es Fleisch.

Wenn ich die Abendtour ausfallen lasse, um mal für mich zu sein und mich in die Bar setze. Ich muss die ganzen Eindrücke sortieren. Die Reise ist intensiv. Und eine der schönsten, die ich bisher gemacht habe.

4.11.2018

Unterwegs.

Ich könnte jetzt schreiben, dass ich an einem Sonntag Abend irgendwo in ner Industriegegend in Zürich gelandet bin.

Und dass sich die Toiletten Richtung Tiefgarage befinden.

Und dass ich mich mal wieder frage – und mich dabei amüsiert beobachte – was ich hier eigentlich mache (seit wann bin ich überhaupt zum Fangirl mutiert? Nach so vielen beruflichen Jahren mit Künstlerkontakt).

Und dass ich aufgeregt bin.

Und mich so freue.

Dass ich (wie bei jedem TMZ- Konzert) ganz vorn vor der Bühne stehe und tanze.

Dass Leo dann plötzlich samt Saxophon neben mir im Publikum steht. ❤️

Ich kann’s auch kurz fassen: simply happy. simply grateful to be here.

20.7.1018

Zuhause.

Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben. – Chinesische Weisheit

Diese Worte habe ich gerade irgendwo gelesen. Sie sind hängengeblieben und beschäftigen mich. Fand ich diese Weisheit erst 100% richtig, stimme ich nach einiger Überlegung nur noch zur Hälfte zu.

Wenn ich abends auf dem Dach Taijiquan übe, bin ich ganz bei mir. Ich bin aufmerksam und konzentriert aber gleichzeitig auch entspannt und gelassen. Ich stehe fest auf dem Boden und lasse gleichzeitig alle Gedanken los. Ich laufe die Form, spüre, dass die Abläufe immer flüssiger werden und – das mag jetzt vielleicht auch wishful thinking sein – der Weg von der äußeren zur inneren Form bereitet wird.

Ich spüre das Leben und mich selbst, hier allein auf dem Dach, nur die Möwen und der Himmel über mir.

Und trotzdem geht es auch darum – und da möchte ich der Weisheit widersprechen – dem Leben mehr Tage zu geben. Mehr Tage sind notwendig, gewollt und gewünscht, um noch all das zu machen, was ich machen möchte. Es geht um beides: den Tagen mehr Leben zu geben und dem Leben mehr Tage.

Und eigentlich sind es nicht nur mehr Tage, die notwendig sind, sondern sogar zusätzliche Leben, denn Großmeister Chen Xiaowang schreibt in ‚Die 5 Level des Taijiquan‘: Die Schönheit und die Wirksamkeit des Taijiquan in seiner gesamten Bandbreite kann niemals innerhalb eines Lebens erreicht werden.

Es bleibt spannend, das Leben.

07.08.2017

Unterwegs.

In recent years I’ve turned down trips abroad for these very reasons so why is it that I am about to fly all the way to America for the sake of a $12 coffee mug?
Mike Gayle, The To-Do List

Morgen ist es soweit. Ich werde den ersten Punkt, der auf meiner Bucket-List steht, umsetzen. Darauf habe ich mich seit Monaten gefreut.

Anfang April, kurz nach der Operation und ohne zu wissen, wie es gesundheitlich weitergeht, habe ich mir ein Ticket für das Konzert meiner Lieblingsband Too Many Zooz gekauft, die in einem Club auftreten, um 22:00 Uhr, einer Dienstagnacht, in Berlin, im August. Die Band spielt sonst am Union Square in New York in der U-Bahn-Station, und auch dorthin hätte ich die Reise angetreten, um sie einmal live zu sehen.

Der Besuch des Konzerts ist nicht nur der erste Punkt auf meiner Bucket-List, sondern war Anfang April auch meine Zielsetzung: bis zum 8. August bin ich wieder gesund. Ich werde mitten in der Woche nach Berlin fahren und nachts in ein – höchstwahrscheinlich wildes – Konzert gehen. Ich werde vor der Bühne stehen. Ich werde lachen. Ich werde tanzen. Ich werde Spaß haben. Ich werde leben.

Eben trifft mein Schwerbehindertenausweis ein. Auf dem Foto lache ich mir entgegen und sehe fit und fröhlich aus.  Noch habe ich mich nicht mit dem Begriff „schwerbehindert“ angefreundet. Vielleicht werde ich das auch nie tun. Und vielleicht ist das auch egal. Für die morgige Nacht sowieso.