11.10.2019

Buchtipp

„Lassen bedeutet für mich: Loslassen, heiter gelassen sein, zulassen, sein lassen, laufen lassen! Dem Leben seinen Lauf lassen, dankbar annehmen, akzeptieren, nicht mit aller Kraft versuchen, die Kontrolle zu behalten und alles mit Gewalt in jene Richtung zu lenken, welche der Verstand vorgibt. Das Gehirn hilft oft nicht. Das Gehirn hindert mich oft.“

Alex ist gesund. Glaubt er jedenfalls. Bis eines Tages bei ihm Hodenkrebs diagnostiziert wird. Ein sensibles Thema, über das Mann nicht gern spricht.
Alex geht seine Krankheit pragmatisch an, plant nebenbei seine berufliche Selbstständigkeit, jobbt, macht sich auf die Suche nach seinem Vater und ist immer auf Achse.

Als er zwei Jahre später Schmerzen im Oberarm bekommt, ignoriert er diese, bis sie unerträglich sind und sich der Arm nicht mehr bewegen lässt. Zwei Jahre nach der Erstdiagnose ist der Krebs zurück: ein großer Tumor befindet sich im rechten Oberarmknochen.

Alex stellt sein Leben auf den Prüfstand und auf den Kopf.

In „Wie ich dem Tod in die Eier trat“ wird aufgezeigt, wie unterschiedlich man mit dem Thema Krebs umgehen kann. Spricht man darüber? Oder schweigt man? Was genau bedeutet eigentlich Leben? Und welche Heilmethoden machen Sinn?

Mein Fazit: ich habe das Buch sehr gern gelesen, war erstaunt, was es so alles gibt (in der vielfältigen Welt der Heiler), war berührt über die Offenheit des Autors und interessiert, wie er mit dem Thema Krebs und Kommunikation umgeht (anders als ich es für mich entschieden habe). Auf alle Fälle freue ich mich sehr, dass Alex, den ich vor 2,5 Jahren beim Bloggen kennen gelernt und auch in Wien getroffen habe, seinen Weg für sich gefunden hat. Denn ein einschneidendes Erlebnis wie eine Krebsdiagnose birgt auch die Chance, sein wahres Leben zu entdecken.

Alexander Greiner „Als ich dem Tod in die Eier trat“ – Euro 22,-, Hardcover, ist im Verlag Kremayr-Scheriau erschienen.

 

(ist ein Buchtipp eigentlich Werbung? Nicht sicher…also setze ich besser ein „unbezahlte Werbung“ hinzu)

 

5.12.2017

Antarktis. Tag 11

Epilog

Ich habe wunderbare schneebeckte Landschaften entdeckt, unberührte Natur mit wilden Tieren gesehen und Menschen aus den verschiedensten Ecken der Welt kennengelernt. Ich habe festgestellt, dass man selbst auf einer kleinen Insel wie der Sea Spirit friedlich zusammenleben kann. Ich habe viel gelacht. Ich habe viel erlebt. Ich habe viel gelernt. Ich war ergriffen von der Schönheit dieser Welt. Ich habe neue Freunde gefunden. Ich bin dankbar, dass ich das alles erleben durfte.

Der Kroate M. steht wieder neben mir, als das Schiff in Ushuaia anlegt. ‚I am sad that we are leaving‘, sagt er. ‚You are kidding‘, entgegne ich. ‚You are right‘, antwortet er und grinst. Warum er sich auf den Weg in die Antarktis gemacht hat, wird sein Geheimnis bleiben.

– Logbuch Antarctica – Ende –

4.12.2017

Antarktis. Tag 10

»Unterhalb von 40 Grad gibt es kein Gesetz mehr. Unterhalb von 50 Grad gibt es keinen Gott mehr.«

(Seemannsweisheit)

Zurück wieder durch die Drakepassage, die zwischen dem 56. und 60. südlichen Breitengrad liegt.

Die Club Lounge ist bereits um 9.00h gut besucht, es hat sich herumgesprochen, dass das der ‚place to be‘ bei Sturm ist. Ich nehme meinen Stammplatz am Fenster ein und schaue auf ein bewegtes Meer. Gestern Abend haben wir noch eine Gruppe Buckel- und Finnwale beobachtet.

Y. ist wieder seekrank, die Wellen krachen an das Fenster unserer Kabine auf Deck 3. Anscheinend bin ich nach dem Mittag eingeschlafen, ich wache auf, schaue erschrocken auf die Uhr und sprinte auf Deck 4 in die Club Lounge: heute gibt es Crepe Suzette, die will ich keinesfalls verpassen. Auch die California Girls sind wieder auf den Beinen und halten sich tapfer bei der Wetterlage.

Das letzte Abendmahl zusammen mit den drei California Girls, meinen Kabinengenossinnen Y. aus Israel und J. (noch ein California Girl) und den beiden lebhaften Australierinnen R. und P., die uns an die Serie „friends“ erinnern: grosse Begeisterung, dass die Barkeeperin auch noch „Monica“ heisst.

Nach dem Farewell-Cocktail spaziere ich über das Aussendeck. Wir sind im Beagle-Kanal angekommen, der Sturm hat sich gelegt, um uns herum sind schneebedeckte Berge, über uns ein grandioser Himmel. Wir liegen beim südlichsten Leuchtturm der Welt und warten auf den Piloten, der um 2.00h nachts an Bord kommen soll.

Hinter den Fenstern sehe ich die Chinesen ihre Koffer packen. Das Chaos erinnert mich an unsere Kabine. Ein Pärchen sitzt barfuss auf dem Teppich und spielt Karten.

G., der Brite, den ich bereits im Whirlpool im Hotel in Ushuaia kennen gelernt habe und den ich augenzwinkernd meinen Stalker nenne, kommt mir entgegen: ‚…und dann ziehst Du zu mir nach England, wir kriegen fünf Kinder und haben vier Hunde und drei Katzen.‘ Wir lachen, er geht zurück an die Bar, ich bleibe noch etwas draussen an der Reeling stehen.

Eine Reise neigt sich dem Ende zu. Morgen um 8.00h werden wir in Ushuaia einlaufen.

28.11.2017

Antarktis. Tag 4

Auf Deck 3 sind fast alle Kabinentüren geöffnet: in einer Kabine brütet eine Gruppe Chinesen über einer Karte, in der Kabine schräg gegenüber wird Wäsche gewaschen und auf eine Leine gehängt, die quer durch den Raum gespannt ist. Hausboot-Feeling kommt auf.

Heute tragen die Chinesen hellgrüne Shirts und sind mit Bannern ausgerüstet. Ich beschliesse, mein chinesisches Socialising auszubauen und frage nach: es ist ein Schwimmverein, die Banner sagen: wo bist Du gerade? Ich schwimme hier! Wir positionieren uns mit den Bannern vor der Weltkarte und machen Fotos.

Dann steht der erste Landgang an: wir springen – zehn Personen pro Boot – in die Zodiacs und besuchen die chinesische (Überraschung!) Station auf King George Island. „Moscow, move closer!“, ruft unser Brite den Russen zu, als die finnische Zodiac-Fahrerin darum bittet, enger zusammzurücken. Die California Girls und ich lachen.

Auf der Station sind die Wissenschaftler beschäftigt, aber wir dürfen das Museum besuchen und machen Fotos vor der chinesischen Flagge.

Der Himmel ist grau, um uns herum sind Berge und Schnee. Ein Esel-Pinguin brütet am Wegesrand, drei weitere schwimmen an Land.

Wir stiefeln ins Wasser, klettern zurück ins Zodiac und steuern um Riffe und Inseln. Chin Strap-Pinguine, Adelie-und Esel-Pinguine watscheln über ihre Penguin Highways, einige rutschen bäuchlings die Berge herunter. Ein Seeleopard taucht direkt vor unserem Schlauchboot auf. Es fängt an zu schneien.

‚Why are you coming back that early?‘ Der 72jährige Kroate M. steht an der Zodiac-Station und schaut zu, wie wir landen. ‚Because we missed you already’ entgegne ich. M. schmunzelt. Von den Pinguinen hat er schon nach einem Tag genug gehabt und zieht es vor, auf dem Schiff zu bleiben. ‚You are all penguinized’, stellt er fest.

Nach dem Captains Cocktail zieht meine Zimmergenossin J. ihren roten Badeanzug an und setzt eine riesige Fellmütze auf den Kopf, ihr Ziel ist der Jacuzzi an Deck.

08.11.2017

Unterwegs.
Beim Herzsport berühre ich H. sachte am Arm und stelle ihr die Frage, die mich seit zwei Wochen beschäftigt: Sag mal, warst Du auch am Mount Everest? 

H., die wieder ihr blaues T-Shirt mit der Gebirgssilhuette und dem 50+ Aufdruck trägt und  um die 80 Jahre alt sein muss, strahlt mich an. 1972, 1973 und 1983, antwortet sie. Trekking, mit Zelt. Southface, Nepal. Sie war im Alpenverein. Und am Annapurna, fügt sie hinzu.

Vor meinem inneren Auge startet ein schwarz-weiss-Film, ich sehe die kleine Dame, leicht vorne übergebeugt und mit Rucksack durch unwegsames Gebiet wandern. Ich bin schwer beeindruckt, H. freut sich über mein Interesse und erzählt von ihren Abenteuern.

Ob sie uns auf einen Kaffee einladen soll, tönt es von der Seite, die Trainerin hat uns auf dem Kieker. Entschuldigung, sage ich. Wir sprechen über den Mount Everest, sagt H. Die Trainerin winkt ab. 

Und H. und ich sind kurzzeitig der muffigen Turnhalle und dem Behindertensport entflohen und geniessen den Ausflug zum Himalaya. 

Mein Ziel für 2018.

16.09.2017

Unterwegs.

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt freundschaftliche Regungen in mir verspürt habe, und jetzt hatte ich das Gefühl gleich zweimal in den letzten vierundzwanzig Stunden. Vielleicht ist dieser Tag doch nicht so furchtbar, wie ich dachte.
Forrest Leo, Der Gentleman

Es ist Freitag, ich räume meinen Schreibtisch auf, ziehe meine Jacke an und nehme die Tasche, werfe nochmal einen Blick zurück in mein Büro, in dem noch immer das Welcome Back-Schild auf dem Tisch steht. Unverhofft trifft mich ein wehmütiges Gefühl und die Frage, wann ich wohl wieder zurück komme. In einer Woche, antworte ich mir. Bestimmt.

Nächste Woche habe ich frei genommen, Urlaub habe ich noch genügend. Und zwei Termine, die meine Gedanken einnehmen. Am Dienstag bin ich beim Radiologen im Krankenhaus zum Ultraschall – und ich habe Knoten. Am Mittwoch bin ich beim Radiologen in der Innenstadt zum MRT meines linken Knies – wegen der Schmerzen. Aber eigentlich wegen der Angst. Doch auch dem Orthopäden ist es zu heikel, es mit einem Abtasten des Knies gut sein zu lassen, bei meinen Vorbefunden sei ihm ein MRT sicherer.

Abends fahre ich mit U. zu S.. Ich freue mich sehr, meine beiden Mitstreiterinnen aus dem Sanatorium wiederzusehen, bei unserem monatlichen Treffen zum Austausch und Follow Up. Wie ist es den anderen in der Zwischenzeit ergangen? Halten wir Kurs, setzen wir das, was wir uns nach unseren Dramen vorgenommen haben, um? U. berichtet, dass sie nächste Woche mit Qigong anfängt und gerade eine friedliche Phase bei der Arbeit hat. S. macht jetzt Yoga und Entspannungsübungen und ist auf dem Weg zu sich Selbst. Ausserdem achtet sie sehr auf gesunde Ernährung, was sich im kredenzten Abendbrot widerspiegelt. U. und ich sind begeistert. Ich erzähle den Mädels von den Herzis, meiner reduzierten Arbeitszeit und meinen anstehenden Arztterminen. S. und U. machen mir Mut. Es ist ein wunderschöner Abend, wir lachen, wir reden ohne Unterbrechung, es ist genauso harmonisch wie damals im Sanatorium. Wir freuen uns, dass wir uns kennen gelernt haben.

Später schreibt mir S., dass es ihr gut tue, mit uns zu reden: Irgendwie seid Ihr auch wie Schwestern, die aufpassen, dass alles gut läuft, wohlwollend, aber kritisch, nicht mit Eurer Meinung hinterm Berg haltend.

Für Oktober ist das nächste Treffen mit meinen neuen Schwestern geplant.

#Krebs

12.09.2017

Unterwegs.

Auch das macht mich glücklich: den Dienstag Abend in dem verwunschenen Garten der Psychologen in der Schanze zu verbringen. Mit mir mein Taiji-Lehrer und eine weitere Schülerin. Der Wind rauscht durch die Blätter der Bäume, der Regen hat ausgesetzt, die Füsse suchen einen festen Stand in dem Gras, wir laufen die 19er Form, und auf meinen Wunsch vertiefen wir den Part die Mähne des Pferdes teilen. Bis die Dunkelheit anbricht.

#Krebs

02.09.2017

Unterwegs.

Spontanentschluss: dieses Wochenende geht es nach Sylt. Kuchen in Kampen oder Sekt in der Sansibar, das entscheide ich spontan.

Mit diesem Ausflug belohne ich mich, habe ich doch am Freitag meine knapp fünf Wochen dauernde stufenweise Wiedereingliederung ins Berufsleben erfolgreich beendet.

31.03.2017

Zuhause.

Eins zwei drei im Sauseschritt, läuft die Zeit. Wir laufen mit.
Wilhelm Busch

Gestern war ich geschäftig: noch ein Telefonat mit der Dame von der Strahlentherapie, die bereits die Strahlentaxi-Formulare an meine Krankenkasse gefaxt hat. Dann noch Prof. Dr. M. angerufen, der bestätigte, dass es nach der Tumorkonferenz im Krankenhaus keine Änderungen am Therapieplan gebe. Des weiteren positive Überraschung auf seiner Seite, als ich ihm erzähle, dass ich bereits beim Augenarzt war und die Medikamente geordert sind. Und wenn ich etwas habe, darf ich mich weiterhin bei ihm melden.

Ich belohne mich mit einem leckeren Mittagessen mit Freundin L. an der Elbe; wir sitzen direkt am Fluss in der Sonne und lachen, es fühlt sich fast wie Heimaturlaub an.

Meine heutigen Fixpunkte – ein bis zwei am Tag plane ich – halte ich  bewusst übersichtlich: Abholung der Medikamente aus der Apotheke und Wäsche waschen; da ich noch nicht viel heben darf und kann, trage ich jedes Kleidungsstück einzeln zur Waschmaschine. Läuft.

Die nächsten zwei Einladungen zur Besichtigung von Friedwäldern, die im Email-Eingang sind, ignoriere ich. Ich habe besseres zu tun und werde mit der Fähre an den Elbstrand fahren. Carpe Diem!

 

16.03.2017

Beim Internisten.

Dieses Eis. Diese Steine. Diese Felsen. Das ganze Jahr über sind sie allein. Während einiger Wochen kommen Menschen vorbei. Die Menschen sind bald wieder weg. Die Steine, die Felsen liegen weiterhin hier. So wie sie schon hier lagen, als Ritter mit Lanzen aufeinander losgingen, so wie sie hier lagen, als Seeräuber die Meere unsicher machten, so wie sie hier lagen und schliefen und träumten, als das Nibelungenlied geschrieben wurde, so wie sie hier lagen, als die Völkerwanderung Europa auf den Kopf stellte. Herr Stein, Karl der Große ist gestern gekrönt worden. Wer?
Thomas Glavinic, Das größere Wunder

Unendlichkeit – Endlichkeit.

Endlich stehe ich mal wieder früh auf, um Punkt 8.00 Uhr sitze beziehungsweise liege ich beim Internisten zur Blutabnahme; Blutbild mit Gerinnungswerten, OP-Vorbereitung. Da ich darauf bestehe, dass wir heute den linken Arm nehmen, wird die Liege von der Wand abgerückt, damit die Schwester an den Arm kommt. Ich lege mich mit dem Kopf in Richtung Fussende, so ginge es natürlich auch, sagt die Schwester, und rückt die Liege mit mir obendrauf wieder an die Wand. Wir lachen. Lachen tut unendlich gut.

 

14.03.2017

Unterwegs.

Entspanne dich. Lass das Steuer los. Trudle durch die Welt. Sie ist so schön.
Kurt Tucholsky

Tatsächlich stelle ich eine neue Gelassenheit an mir fest:  ich fange an, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Ich halte inne und freue mich über Dinge, die vorher zwar auch schon da waren, die ich aber nicht so intensiv wahrgenommen habe: die Kindergartengruppe in den gelben Warnwesten, die lachend und aufgeregt vor der Elbphilharmonie herumläuft, die frische Brise an der Elbe, die nach Salz und Meer riecht, das neue Auto eines Freundes, dessen Armaturenbrett, Steuer und Sitze aus feinem hellen Leder ich andächtig berühre – ich höre gar nicht wieder auf zu loben – dabei habe ich mir nie etwas aus Autos gemacht.

13.03.2017

Ich bin müde und etwas durcheinander. Das schreibe ich dem Stress der vergangenen Tage zu. Ich laufe von einem Zimmer ins nächste, vergesse was ich wollte, laufe wieder zurück. Von der Einkaufsliste kaufe ich nur die unteren Positionen; das stelle ich fest, als ich wieder zuhause bin. Ich nehme es gelassen und bin freundlich zu mir. Ein neues Kapuzensweatshirt in himmelblau, eine helle Hose, Wäsche, Mütze und eine Jogginghose lege ich mir zu – alles Dinge, von denen ich glaube, dass ich sie in nächster Zeit brauchen könnte.

Die Sache ist mir auf den Magen geschlagen, ich habe keinen Appetit. Deshalb gehe ich jeden Mittag in Restaurants, lese Zeitung und gucke auf die Elbe. Zwischendurch zum Fitness, Schwimmen, Taiji und Spaziergänge, Freunde treffen. Blende ich die Krankheit aus? Oder lasse ich mich einfach nicht hängen?

Ich erinnere mich an die Inschrift eines Grabsteins, den ich beim Neujahrsspaziergang auf dem Wiener Zentralfriedhof entdeckt habe:

Ich lebe so gerne! Ich glaube, ich lebe sogar noch gerne, wenn ich einmal gestorben bin.

09.03.2017

Zuhause, abends.
Anruf von Prof. Dr. M., der wissen möchte, wie es beim Humangenetiker gewesen sei. Interessant, antworte ich, das Ergebnis komme noch. Er wolle mir sagen, dass ich in der Zwischenzeit nicht sterben werde. Das finde ich sehr aufmerksam.

09.03.2017

Im Krankenhaus.
Prof Dr. M. tippt in seinen PC, ich sitze daneben und warte ab. Zwischendurch eine Entschuldigung und Tätscheln des Knies. Sie haben Glück im Unglück, sagt Prof. Dr. M. nach einer Weile, Ihr Krebs ist langsam. Damit könne ich doch noch meinen Termin beim Humangenetiker wahrnehmen. Danach die Entscheidung, ob wir mit Knotenentfernung und Strahlenbehandlung oder mit Amputationen und Tabletten therapieren. Prof. Dr. M. ist flexibel, ich muß erstmal hinterherkommen. Ich weise darauf hin, dass die Operation am 15.03. anstehe, der Termin bei den Humangenetikern aber erst am 16.03. sei. Ein Anruf von Arzt zu Arzt, in 90 Minuten möge ich in der Altonaer Straße sein.

06.03.2017

Im Krankenhaus.
Sie haben Krebs, sagt Prof. Dr. M., die Gewebeanalyse bestätigt das. Aber er sei nicht sehr agressiv. Wir werden weitere Auswertungen abwarten. Wir sprechen über Amputationen, Rekonstruktionen, Medikamententherapie.

01.03.2017

Im Krankenhaus.
Prof. Dr. M. liest den radiologischen Befund, rollt mit dem Stuhl zu mir rüber, tätschelt mein Knie und verspricht mir, dass wir das hinbekommen. 80-90% Chance auf Heilung, 100% Hoffnung. Seit einer Woche habe das erste Mal das Gefühl, dass dies vielleicht doch nicht das Todesurteil ist. Es fallen die Worte Chemotherapie, Bestrahlung, Medikamente, Operation.

22.02.2017

Und was ist nun mit der anderen Sache, frage ich. Die Ärztin guckt geistesabwesend, das sei egal. Ich nehme die Überweisung in Empfang und setze mich wieder ins Wartezimmer. Panik vorm Wartezimmer, man bräuchte dringend einen Termin beim Radiologen, ich schaue auf die Überweisung. Verdacht auf Krebs.
Bevor ich das verinnerlichen kann, kommt die Ärztin zurück, nimmt mir die Überweisung wieder weg, gibt mir eine neue, es steht nun „suspekter Tumor“ drauf. Termin beim Radiologen eine Woche später, aber sie würden mich anrufen, wenn früher etwas frei werde. Das klingt dramatisch, sage ich. Am Ausgang steht die Ärztin mit ernstem Gesicht und wünscht mir alles Gute.

Draußen vor der Tür komme ich zu mir und fange an zu begreifen.