Unterwegs.

Rhabarber Crumble, rote Grütze, Rhabarber-Marmelade…während ich meine gewohnte Runde durch den Hafen, zum Michel bis hin nach Planten un Blomen aufnehme, überlege ich, was ich mit meinen heute früh getätigten Einkäufen auf dem Biowochenmarkt anstellen kann.
Wildsalat mit Hühnchen, Dinkel-Penne mit frischem Spinat oder selbstgemachte Spinat-Mozarella-Pizza…auf alle Fälle werde ich die ersten (und somit teuren) kleinen, tiefroten Erdbeeren vom Demeterstand unverarbeitet verzehren.

Ich freue mich, dass ich es geschafft habe, so früh nach Altona zum Markt aufzubrechen und jetzt noch motiviert einen weiteren Ausflug in Richtung Komponistenviertel angehe.
Ausserdem habe ich festgestellt, dass ich einen Kleiderschrank habe, in dem es tatsächlich etwas gibt, was kein Joggingoutfit ist, und so laufe ich wochenendfein in Hose, Pullover und blauem Mantel durch den blühenden Park.

Noch scheint die Sonne, aber sämtliche Wetter-Apps drohen mit Regen. Die Luft ist schwül. Ich setze mich auf eine Bank an die Eis- und Rollschuhbahn, schliesse die Augen und lausche den Gesprächsfetzen vorbeigehender Passanten.

Heute früh, als ich noch im Bett lag, habe ich folgendes festgestellt: mir ist nicht zu kalt und nicht zu warm. Statt einer Bettdecke habe ich eine Kombi aus mehreren dünnen Lagen konstruiert, die optimal gegen die – Tamoxifen-sei-Dank – Hitzewallungen wirkt. Ich atme ganz ruhig, ich spüre keinen Stress, ich freue mich über das Gezwitscher der Spatzen und habe keine Schmerzen. Das ist perfekt. Wer schon einmal mit extremen Schmerzen zu tun hatte (bei mir war es die gecrashte Bandscheibe, die in sieben Teile gesprungen war und sich auf den Nerv verteilt hatte, „die Schmerzen können Sie mit Folter gleichsetzen“, habe ich den Chirurgen nach der schweren Rücken-OP im Ohr), weiß solche Momente zu schätzen.

Ich verlasse die Bank und den Park und wandere zurück in Richtung Hafen. Am Himmel über dem Michel türmen sich Wolken auf, durch die hellgrünen Blätter der Bäume geht ein Rauschen. Die Michelwiesen sind noch gut besucht, über dem Gruner und Jahr-Gebäude hängt ein tiefgrauer Himmel, vor dem sich die einfahrende rot-silberne U-Bahn scharf abhebt.
Ein Frachter wendet auf der unruhig werdenden Elbe, die gelben Kräne ragen grell in den Himmel empor.

Ein Tropfen fällt auf meine Hand. Zeit, nachhause zu gehen.

Nachtrag:
Am Sonntag war dieselbe Wanderung weniger gut getimt. Positiv ausgedrückt: die neue Segeljacke ist wasserdicht (die restlichen Klamotten tropfen das Badezimmer voll)

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