Falsche Erwartungen.

Ich liege – mal wieder teilbekleidet – auf dem Rücken und schaue interessiert zum Ultraschall. Wie verändert sich der untere Teil des Körpers wenn ich huste, was passiert, wenn ich die Muskeln zusammenziehe, was wird wann gequetscht, verkürzt oder wovon gehalten, warum liege ich hier eigentlich schon wieder flach und fühle mich wie beim kombinierten Besuch von Gynäkologie und Urologie?

Heute habe ich den ersten Termin bei der Physiotherapie (nach Besuchen bei Hausärztin, Gynäkologin, Urologin). Dafür habe ich mich in die Sportklamotten geworfen, Handtuch und Turnschuhe eingepackt und bin durch den Hafen Richtung Michel marschiert, wo das Physiozentrum liegt. Zumindest hatte ich das so in Erinnerung von früheren Physioterminen, dass man mir die eine oder andere Übung zeigt und mir Hausaufgaben mitgibt, damit ich zuhause weiter trainiere.

Hausaufgaben bekomme ich nach diesem denkwürdigen Termin auch mit, allerdings in Form einer Tabelle, die über 48 Stunden ausgefüllt werden muss, Homeoffice sei dank, sonst wäre diese Art an Statistiken nicht umzusetzen. Ob wir jetzt noch dies und das checken wollen, fragt die urogynäkologische Kombikraft, ja klar, antworte ich, wo wir nun schon mal dabei sind, ausserdem finde ich das recht faszinierend, wie mir anhand des lebenden Objektes – also an mir – das Geheimnis des Beckenbodens am Ultraschall erläutert wird.

Ich hätte heute allerdings etwas anderes erwartet, sage ich. Übungen, ein Trainingsprogramm. Deshalb hätte ich auch mein Sportzeug angezogen, setze ich hinzu. Das liegt jetzt geknüllt auf dem Stuhl. Dass das Sportzeug eigentlich mein gewohnter Lockdownlook ist, behalte ich für mich.

Eine Übung wird mir auch noch mitgegeben, on top zu den schriftlichen Hausaufgaben, und bis zur nächsten Woche erwarte sie, dass ich nachts nicht mehr ins Badezimmer gehe. Jedenfalls verweigere ich jetzt den Besuch der Toilette vor Ort, nach der ich vorhin noch gefragt hatte, konstatiere ich und stapfe von dannen, etwas irritiert, etwas amüsiert und im Sportoutfit, das ich gedenke, auch beim nächsten Besuch wieder zu tragen, vielleicht gibt es ja doch noch ein Trainingsprogramm.

Ein Gedanke zu “28.04.2021

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