Triptrap.

Mach das ruhig in Deinem Tempo, sagt die Gabi und schaut mich an. Das ist nicht nötig, möchte ich ihr antworten, denn Gabi ist nett, und die Morgengymnastik, die Wirbelsäulengymnastik und auch das Training mit den Tubes sind recht entspannt. Antworten brauche ich der Gabi nicht. Sie schaut aus meinem Laptop heraus, auf dem ich bei YouTube Fitnesseinheiten recherchiere. Nach 20 Minuten verabschieden wir uns, dann treffe ich auf Pamela.

Mit Pamela absolviere ich das Six-Pack-Programm. Mit Pamela verbindet mich eine Hassliebe; ihre Übungen sind anspruchsvoll und ambitioniert, kein Vergleich mit den Einheiten, die die Gabi bietet, hier wird auch nicht gesprochen sondern hart trainiert, während im Hintergrund die passende Musik erklingt. Pamela trägt schicke Turnschuhe, Sportleggings und ein bauchfreies Top, das ihr Six-Pack eindrucksvoll zur Geltung bringt. Ihr blonder Pferdeschwanz wippt im Rhythmus ihrer Übungen, die sie mit ernstem Blick aus großen blauen Augen ausführt. Ich schimpfe mit Pamela und schaue mit jedem plank böser in ihre Richtung, mein Pferdeschwanz wippt nicht im Takt, mein Outfit ist nicht schick und windschnittig, die Baumwolljogginghose rutscht von der Hüfte und das Pikachu-T-Shirt von der Schulter herunter.

Puh, jetzt bin ich ausser Atem! Das sage nicht etwa ich, sondern die schweisslose und immer noch wunderschön aussehende Pamela, und ich frage mich, ob sie sich über mich lustig macht. Trotzdem trainiere ich mit Pamela, wahrscheinlich, weil ich mir einbilde, irgendwann dann auch so einen Astralkörper zu haben (den ich aber nicht bekommen werde, denn Pamela ist ein zwanzigjähriges Fitnessmodell, und ich, ich bin halt ich).

Während ich im ersten Lockdown täglich im Hafen Taiji gemacht habe, bin ich im Lockdown No. 2 zu Spaziergängen übergegangen. Zu kühl, zu nieselig, zu rutschig, zu grau, um auf den Holzplanken an der Elbe zu trainieren. Ich spaziere durch die Dunkelheit, wandere durch Planten un Blomen, schaue hinauf auf den angestrahlten Turm des Michels und sitze ganz hinten auf der Holzbank innendrin. Am Altar steht der Tannenbaum. Riesengroß, mit Lichtern und Lametta, so wie ich es mag, alles glitzert, so wie das Wasser im Aussenbecken des öffentlichen Bades, wenn es von der Sonne angestrahlt wird. So schön kann nicht einmal Pamela glitzern.

7 Gedanken zu “13.12.2020

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