Glück.

Ich tippe mit dem Fuß ins Wasser, das ganz glatt und glitzernd vor mir liegt. Ich ziehe den Fuß wieder zurück. Das Wasser meines Aussenbeckens des öffentlichen Bades ist kalt. Sehr kalt.
Ich schlendere zum Bademeister rüber, 17,4 Grad, sagt er, das sei sogar kälter als das Wasser im 50-Meter-Bahn-Becken, das habe 17,6 Grad. Wir schauen hinunter auf das große Becken, in dem ein paar Kampfschwimmer in Neopren ihre Bahnen ziehen.
Ich habe keinen Neoprenanzug, ich trage meinen Tankini, der schwarz in der Sonne glänzt, die hinter den Wolken hervorkommt. Das ist meine Chance, sage ich, das ist das erste Mal, dass ich das Becken für mich allein haben könnte. Langsam gehe ich ins Wasser, über mir die Sonne, vor mir das Glitzern, ich halte die Luft an und schwimme los.

Der Bademeister lacht, streckt den Daumen nach oben und ruft mir zu, dass ich doch nur in der Sonne schwimmen und den Teil des Beckens, der im Schatten liegt, auslassen könne, Querschwimmen, im Kreis schwimmen, das Becken gehöre mir allein.

Wenn man im kalten Wasser schwimmt, werden Adrenalin und Endorphine freigesetzt, und das spüre ich: glücklich fühle ich mich, während ich schwimme, mal in Brust- und mal in Rückenlage, die Kälte, die spüre ich nicht mehr, herrlich ist es, hier allein am Morgen, hier in meinem Becken und dem Geglitzer, das nur für mich da ist.

Nach 25 Minuten steige ich aus dem Wasser, nicht, weil ich nicht mehr kann, aber weil ich auf mich acht gebe: für den Körper ist das eine Hochleistung, er setzt extra Energie frei, um die Körpertemperatur bei 37 Grad zu halten – nicht einfach, wenn der Mensch, der zu diesem Körper gehört, im 17 Grad kühlen Wasser herumplanschen möchte.

Das hast Du gut gemacht, denke ich, als ich meinen Bademantel überwerfe und durch die Gartenanlage hinüber zur Freibadumkleide gehe.

Das hast Du gut gemacht. Das ist einer der Sätze, der am häufigsten in den Zwiegesprächen mit mir selbst fällt. Genauso wie „das ist ok“, wenn ich mal etwas will oder auch nicht will, ich beobachte mich da sehr genau und justiere, wenn ich Anzeichen von Stress spüre.

Auch Schwimmen reduziert Stress, und glücklich, das macht es sowieso.

…und erstmals kann ich hier Fotos direkt aus dem Becken mit Euch teilen!

10 Gedanken zu “11.07.2020

  1. Ich erinnere mich noch gut:
    Als ich meinen Rücken angebrochen hatte musste ich jeden Tag bei Wind und Wetter ins Freibad gehen und meine Runden drehen. Das Wasser war eisig.
    Ich ziehe meinen Hut vor dir, denn wäre mein Bruder nicht zum aufpassen mitgekommen, ich hätte mich manchesmal gedrückt.
    Ich wünsche dir eine gute Nacht.
    Liebe Grüße
    Monika

    Gefällt 2 Personen

    1. …morgen werde ich ein „Leibchen“
      mitnehmen, dass ich nach dem Schwimmen anziehe, um den Rücken zu wärmen; es war schon ziemlich kühl heute 😂 Liebe Grüsse und ebenfalls eine gute Nacht 🙂

      Gefällt 1 Person

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