Logbuch Sahara – Tag 8

Und täglich grüsst das Murmeltier, denke ich und schliesse die Augen. Um mich herum tobt die morgendliche Auseinandersetzung ob der Sitzplätze im Bus, dabei hat jeder sogar zwei Sitzplätze, und mehrmals habe ich gesagt, dass sich gern (nun ja, nicht wirklich gern) jemand zu mir setzen könne oder ich den Platz auch tauschen würde. Aber es geht nicht um meinen Platz in Reihe 3, den mir I. jeden Morgen ungefragt mit ner Jacke reserviert, es geht um Reihe 2. Was für ein Klamauk, nun muss Ahmed, unser Reiseleiter, ein Machtwort sprechen.

Endlich fahren wir los, vorsichtig blinzele ich, langsam kehrt im Bus Ruhe ein.

Es geht zur Kasbah eines spanischen Bekannten von Ahmed, der diese wieder aufgebaut hat und als kleine Pension bewirtet. Gelegen ist sie inmitten einer grünen Oase, der Brunnen plätschert, der Pool leuchtet türkis, der Ausblick von der Dachterasse ist wunderschön. Genauso wunderschön wie der Spanier, das hat Ahmed schon im Bus erwähnt.

Hier würde ich gern eine Woche bleiben, hier in der Ruhe und Abgeschiedenheit, und natürlich ohne meine schwierigen Mitreisenden.

Die Schneegrenze ist gesunken, die Berge des Atlas sind weiss. Das wird morgen interessant, denn wir müssen über den Pass, der Bus mit den Koffern und wir in den Jeeps.

Aber jetzt geht es erstmal in die Atlas-Filmstudios. Viele Sandalen-Filme wurden hier in der marokkanischen Wüste gedreht, denn hier tobt kein (Bürger)Krieg: Asterix und Kleopatra, der Gladiator, Prince of Persia, Games of Thrones, die riesigen Kulissen werden immer wieder angeglichen und nachhaltig genutzt, hier stehen ein jüdisches Haus neben römischen Säulen, dem Holzboot von Kleopatra, des Pferdegespanns von Ben Hur, eines riesigen ägyptischen Palastes und dem tibetischen Potalla-Palast. Very cool!

Auf in unser Riad, ein völlig verwinkeltes Boutique-Hotel, das inmitten einer Oase liegt. Ich schaffe es, meine klettigen Mitreisenden abzuhängen und entschwinde zu einem ruhigen Spaziergang durch Dattelpalmen, Mandel- und Feigenbäume.

Abends wird Ahmed eine Lesung abhalten: islamische Gedichte, Märchen und ein Kapitel aus seinem eigenen Buch, das von der Schönheit handelt. Draussen ruft der Muezzin zum Gebet.

2 Gedanken zu “20.02.2020

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