Logbuch Sahara – Tag 7

Wir stehen im Kreis und kicken uns den platten Ball zu. Manchmal rollt er den Hügel hinab; dann laufen die Jungs hinterher. Auf unserem Spaziergang am Dadesfluss entlang sind wir auf eine Gruppe fussballspielender Jungs gestossen, die von Ahmeds Fussballkünsten begeistert sind. Auch wir kicken mit, selbst die 80-jährige H., die schlecht laufen kann, blüht beim Fussballspielen auf. Einen richtigen Fussball, der auch aufgepumpt ist, haben sie nicht, erzählen die Jungs, die fast alle in der Kühle in Filzpantoffeln unterwegs sind; die richtigen Bälle gäbe es nur in der Schule, aber nicht in der Freizeit. Lasst uns einen Ball besorgen, ich gebe Geld dazu, sage ich, die anderen Mitreisenden stimmen ein. Ahmed verspricht, in drei Wochen, wenn er wieder am Dadesfluss ist, den Jungs einen richtigen Fussball mitzubringen.

Am Bus steht ein kleines Mädchen. Es mag circa vier Jahre alt sein. Die Kleine hat dunkle struppige Haare und grosse braune Augen. Sie trägt eine Jacke aus Wolle und eine rote Hose, die wie ihr kleines Gesicht etwas schmutzig ist. Hussein, unser local guide, klettert in den Bus, öffnet den kleinen Kühlschrank und hält der Kleinen einen Joghurt hin. Schnell verschwindet dieser in ihrer Jackentasche. Die Szene ist rührend, ich lächele Hussein zu.

Als wir durch die Oase mit den Silberpappeln, den knorrigen Feigen- und den rosablühenden Mandelbäumen wandern, treffen wir eine Bekannte von Ahmed, die mit ihren Kindern auf dem Weg zur Vorschule ist. Wir dürfen mit, und schon stehen wir dichtgedrängt in einem kleinen Raum, in dem uns die vier- bis sechsjährigen Dorfkinder erst neugierig anschauen und dann zu singen anfangen. Ein Lied, zwei Lieder, drei Lieder, die Kleinen sind auch von der Lehrerin nicht zu stoppen und klettern singend auf die Tische.

Auf dem Heimweg erzählt uns Ahmed, dass hier noch immer viele Menschen Analphabeten sind, die Arbeitslosigkeit auf den Dörfern hoch ist und das medizinische Versorgungssystem korrupt und nur für die Wohlhabenden erschwinglich sei. Marokko ist, bei aller pittoresker Schönheit, ein Entwicklungsland. Zumindest konnten wir heute ein paar Kindern Hoffnung machen, Hoffnung auf einen Ball zum spielen und ein paar neue Stifte und Tafeln für die Vorschule. Und irgendwo sitzt jetzt ein kleines Mädchen und isst einen Joghurt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s