Unterwegs.

Am Freitag mache ich G., meiner 80-jährigen Schwimmfreundin, Mut, da sie Schmerzen im Knie und Krämpfe im Bein hat und Angst bekommt, dass sie bald keinen Sport mehr machen kann.

Am Freitag mache ich einem Kollegen Mut, der in meinem Büro zu weinen anfängt, als er mir erzählt, dass seine Frau Brustkrebs hat. Sie habe doch schon Leukämie gehabt. Fair sei das nicht. Ich oute mich und biete an, dass, wenn sie sich austauschen möchte, mich jederzeit kontaktieren kann.

Das Leben ist fragil. Das Leben ist zu schade, um es im Bett zu verplempern. Also mache ich mich am Samstag in aller Frühe auf den Weg nach Sylt. Auf dem Bahnhof gönne ich mir einen Kaffee mit „richtiger“ Milch und ein Croissant. Für die Reise habe ich ich noch Wurzeln, Pflaumen, Gurkenscheiben, Bananen, ein Vollkornbrötchen, Nüsse und Wasser mit frischer Zitrone dabei.

Der Zug fährt los. Ich sehe die Sonne über den Wiesen aufgehen. Ich sehe den Nebel aus den Weiden emporsteigen. Ich sehe den Raureif, der auf den Feldern liegt. Ich sehe einen Regenbogen. Die Ausbeute an wunderschönen Eindrücken ist groß, dabei ist es noch nicht mal 9.00h!

Mein Zimmer ist noch nicht bezugsfertig, also mache ich mich auf den Weg in die Friedrichstraße. Neben der Vorderreihe in Travemünde ist sie meine Lieblingseinkaufsstraße. Es dauert keine Stunde, und ich habe die ersten 100 Euro vershoppt (Klobürste, Abwaschbürste, Weihnachskarten, Kalendarium 2020, Postkarten, kleine Weihnachtsgeschenke, ein Pfund Kaffee – kriegt man ja alles nicht in Hamburg 🤨). Aus Selbstschutz gehe ich zurück ins Hotel, setze mich ins Foyer und schreibe die ersten Karten.

Später mache ich einen langen Spaziergang am Strand entlang, gönne mir noch einen Kaffee (und eine frische Waffel), dann gehe ich schwimmen. Abends ein Salat und ein weiterer Spaziergang.

Es ist dunkel am Strand, die Luft ist klar. Vor mir krachen die Wellen an Land, über mir glitzern die Sterne. Ich gehe weiter und weiter, niemand ist hier unterwegs, nur ich und die Wellen und die Sterne. Gut, denke ich. Dann gehört mir die klare Luft hier ganz allein.

6 Gedanken zu “30.11.2019

  1. Ich wollte auch hinfahren aber die Baustellen am Hindenburgdamm haben mich abgeschreckt . Bei 8 Stunden Anfahrt aus Bayern wäre noch zusätzliche Stunden
    dann doch zu viel Stress. Und mir graut schon vor nächstem Jahr wenn es dann im Frühling wieder los geht dass ich öfter hinfahren will , weil der zweigleisige Ausbau soll ja Jahre dauern. Hattest Du Zugverspätung deswegen ?
    Viel Spaß noch !
    LG

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    1. ich hatte noch nie Zugverspätungen von Hamburg nach Sylt (kein Witz). Und wenn, habe ich immer ein Buch, eine Zeitschrift, was zu Essen und zu Trinken dabei – nenn‘ mich tiefenentspannt 😉 LG

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  2. Aber ich dachte wenn der Hindenburgdamm wie angekündigt saniert wird dann bricht das absolute Chaos aus bei der Regionalbahn von Hamburg nach Sylt. Schön zu erfahren dass es nicht so ist. Also ich war ja schonmal wegen Zugverspätung statt 8 Stunden 12 Stunden unterwegs von Bayern nach Sylt . Bin dann um Mitternacht dort angekommen .
    12 Stunden Fahrt (einfach) für 2 Tage Sylt ist dann schon heftig. Aber ich würde glaube ich auch noch länger fahren weil ich bin ja süchtig nach Sylt und mein Mann der dieses Jahr das erste mal mitgefahren ist jetzt auch. Nur 2 Monate später wollte er gleich nochmal hin , dann mit dem Auto und Autozug., war auch schön , hat so geruckelt dass es uns auf dem Autozug heftig durchgeschüttelt hat.
    LG

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