Unterwegs.

Ich gleite durch das Wasser, meine Bewegungen sind gleichmässig, mein Atem ist ruhig. Mit dem Ausbreiten der Arme formen sich seichte Wellen, auf der hellblau leuchtenden Wasseroberfläche bilden sich kleine Luftblasen, meine rechte Seite wird vom Licht, das an der Beckenwand eingelassen ist, angestrahlt und bildet einen schönen Kontrast zur Innenseite der Arme und Hände.

Heute ist Sonntag, da gönne ich mir das schicke Spa. Zwischen den zwei 30-minütigen Schwimmphasen liege ich mit der Decke auf der Liege, trinke einen Latte Macchiato, esse zwei Kekse, die mir die nette Bardame mit einem Lächeln zum Kaffee auf den Teller gelegt hat und blättere in der Gala.

Draußen regnet es. Das Wasser rinnt an den großen Fensterfronten hinunter und lässt den Hamburger Michel dahinter wie ein Aquarell wirken. Groß und grau türmt sich die Kirche draußen auf, Besucher sind bei diesem Wetter nicht auf der Aussichtsplattform oberhalb der goldenen Ziffern der Turmuhr auszumachen.

Hier drinnen ist es warm und gemütlich. An den Anblick der fast ausschliesslich Nackten um mich herum habe ich mich gewöhnt; ich bin wie immer in einem meiner Doutzen Kroes-Bikinis im Becken unterwegs.  Nachher werde ich mir noch einen neuen Badeanzug bestellen und eine schwarze Bikini-Hose, denn Doutzen Kroes I – das Unterteil – lässt in der Spannung nach und rutscht. Da ich aber in acht Tagen auf Dienstreise gehe und abends den Hotelpool eines unserer Häuser regelmässig zu frequentieren gedenke, möchte ich akkurat aussehen.

Interessanter als die Badebekleidung, die ich mit nach Asien nehmen werde, ist allerdings die Nachricht, dass heute zwei leichtere Erdbeben Yangon erschüttert haben. Ich erinnere mich an meinen letzten Besuch, der bereits knapp zwei Jahre zurückliegt (das Drama im letzten Jahr hatte meine Reisepläne durcheinander geworfen): ich saß abends lesend im Bett und stellte irgendwann fest, dass mir schwindelig ist und alles wackelt – obwohl es mir eigentlich gut ging. Suspekt war auch die Tatsache, dass die Lampe an der Wand hin- und her schwang. Als das Licht ausging und selbst die im Fenster sichtbare Shwedagon-Pagode – das Heiligtum der Burmesen – im Dunkeln lag, begriff ich, was das bedeutet. Erdbeben. Und ich sitze im Bett im vierten Stock eines Hotels und weiß in dem Moment nicht, was ich tun soll. Als ich das Erdbeben einer Website melde – Earthquake Today – die sämtliche Erdbeben weltweit dokumentiert und publiziert – erhalte ich zur Antwort, dass dieses Beben nicht registriert wurde. Doch auch andere Burmesen melden das Beben, das sehe ich auf der Facebook-Site – und meine Kollegen fragen am nächsten Tag, ob ich etwas gemerkt hätte. Ja, habe ich. Mein erstes Erdbeben.

Ich hoffe, dass sich die Erde bis nächste Woche wieder beruhigt, auch wenn ich mittlerweile weiß, dass man sich am besten unter einen Tisch verkriecht oder unter einen Türrahmen stellt, wenn man nicht draussen ist und eine freie Fläche aufsuchen kann. Wie man sich verhält, wenn man gerade mit Doutzen Kroes I samt neuem Unterteil im Pool herumschwimmt, ist noch in Erfahrung zu bringen.

18 Gedanken zu “15.4.2018

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