Unterwegs.

Zehn! Zehn! Zehn!, tönt es aus dem Poolbereich. Die Befehle werden von lauter Discomusik begleitet. Es ist 8:00h morgens, und ich war sicher, dass ich die Einzige bin, die sich so früh am Sonntag zum Schwimmen aufmacht. Circa 16 eher ältere Herrschaften mit Schwimmnudeln um den Hals haben sich früher aufgemacht. Ich bahne mir einen Weg in den hinteren Poolbereich, wo eine Handvoll Gäste im Kreis schwimmt, was mich an Pferde in der Zirkusarena erinnert, die unermüdlich ihre Runden drehen. Ich reihe mich ein.

Draussen ist es weiss, die Flocken fallen dicht vom Himmel, schweben über das Balkongitter und bleiben liegen. Der grüne Leuchtturm verblasst in der Ferne.

Heute ist Weltkrebstag. Auch mein Mammazentrum hat einen Gruss auf Facebook gepostet, was mich sehr freut und mich innehalten lässt. Die rosa Schleife auf dem Bild wirkt friedlich. Genauso friedlich wie der Schnee, der immer dichter fällt.

9 Gedanken zu “4.2.2018

  1. Die älteren Herrschaften mit Schwimmnudel sind genau der Grund, weshalb ich gerade wieder an der Sinnhaftigkeit einer Reha für mich zweifle. Ich tu‘ mich mit dem Einreihen etwas schwer…

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    1. Ne Bandscheiben-Reha hatte ich auch schon 😉 also: ich fand das Sportprogramm gut (natürlich war das kein Leistungssport), des weiteren hatte ich Einzelgespräche mit einer Psychologin, Kreativtherapie, Entspannungstherapie und Vorträge zur Ernährung. Plus Antragshilfe für den Behindertenausweis und andere admin. Dinge. Eine Therme war an der Klinik angeschlossen, bin fast täglich zusätzlich schwimmen gewesen oder habe im Park Taiji gemacht. Alle Negativlinge (davon gibts einige bei den Krebskranken) habe ich einfach ignoriert. Plus zwei Gleichgesinnte getroffen, wir kommen immer noch monatlich zusammen – quasi eigene Selbsthilfegruppe gegründet😀 Ich finde es toll, dass es in Deutschland solche Möglichkeiten gibt. Aber macht nur Sinn, wenn man darauf Lust hat.

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  2. Die Rücken-Reha war super, davon habe ich sehr profitiert. Von daher hab ich da grundsätzlich Lust drauf. Ich befürchte nur, das Angebot kommt für mich ein wenig zu spät, hab ja Chemo, BET, Strahlentherapie schon seit November hinter mir und mir mein Reha-Programm bereits selbst zusammengestellt. Schwerbehindertenausweis hab ich bereits, regelmäßige Sitzungen bei der Psychoonkologin ebenso. Ob es an meinem Reha-Ort ein Schwimmbad gibt, hab ich natürlich auch schon gecheckt (seit 2015 leider nicht mehr).
    Meine Zweifel hat eine Freundin geweckt, als sie mich daran erinnerte, wie weit ich seit dem Ende der Akuttherapie schon gekommen sei. Und ob ich mir den „Blick zurück“ wirklich antun möchte. Als ich letztens meine Antikörperinfusion bekommen habe, saß mir gegenüber eine Frau, der die Chemo arg zugesetzt hat und sofort kamen wieder Erinnerungen hoch an meine eigene Chemozeit…

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    1. Kann Deine Bedenken nachvollziehen; letztendlich muss das jeder für sich selbst entscheiden. Beim wöchentlichen Herzsport sind die Teilnehmer zT auch mehr eingeschränkt, was mich die Bodenhaftung nicht verlieren lässt und mir immer wieder zeigt, wo ich herkomme und wozu ich da Sport mache. Das finde ich wichtig.

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    2. Hab hier mitgelesen. Ich war drei Monate nach Abschluss der Radiochemotherapie auf Reha in Salzburg und obwohl ich genauso mein eigenes Sport- und Rehaprogramm habe und mich darüber hinaus sehr viel mit den psychischen Fragen und Folgen auseinandergesetzt habe, hat mir der dreiwöchige Aufenthalt trotzdem etwas gebracht. Die Vorträge waren allesamt sehr gut, detto die Einzelgespräche mit dem Psychologen, ich hab Lymphdrainagen und Massagen bekommen, dazu Strombehandlungen zum Muskulaturaufbau der geschädigten Körperregionen, ich war viel im Schnee wandern und am Berg, ich Qi-Gong und Klangschalenmassage ausprobiert und lernte viele nette Menschen kennen.

      Ich finde, dass der »Blick zurück« mit Respektabstand immer sinnvoll ist, da in einem achtsamen Leben darum geht, zu kontrollieren, wie ich auf welchem Weg wohin unterwegs bin. Ich habe auf der Reha wieder einmal gelernt, wie wichtig es ist, sich mit den richtigen Menschen zu umgeben. Leider gibt es auch Negativlinge dort, das ist vollkommen klar, da es tausende verschiedene Krebsarten gibt und wieder tausende verschiedene Reaktionen der menschlichen Körper auf die Krebstherapie – von den tausenden Verarbeitungsstrategien der betroffenen Psychen gar nicht zu sprechen. Ich hatte das große Glück, sehr mitfühlende und im Geist gleichgeschaltete Menschen an meinem Tisch zu treffen. Wir sind nie ins Jammern verfallen, haben das Gesprächsthema Krebs immer so kurz wie nötig gehalten, die meiste Zeit über alles andere, was das Leben so bringt, gesprochen und unglaublich viel miteinander gelacht.

      Dieses Jahr werde ich auch wieder auf Reha gehen, denn trotz meines Genesungsstatus und meiner persönlich sehr guten Bildung was das Thema Krebs angeht, hat mir die Reha vergangenes Jahr unterm Strich viel gebracht.

      Erinnerungen werden übrigens immer hochkommen. Die Frage ist, was du mit ihnen machst … 😉

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