Unterwegs.

Das Restaurant in Westerland, in das ich eigentlich gehen wollte, hat geschlossen. Klar, denke ich, es würde auch nicht passen, wenn ein Restaurant, das sich „Badezeit“ nennt, im Januar geöffnet hätte. Ich mache mich auf den Weg zur Alternative, die ich mir schon am Nachmittag ausgeguckt habe. Jetzt ist es dunkel, es giesst in Strömen, während ich am Strand bei Windstärke 7 gegen den Sturm ankämpfe. Dann noch die Düne rauf, und ich stehe klatschnass vor der Bedienung, um mir einen Tisch zuweisen zu lassen.

Wenn ich allein im Restaurant esse, habe ich grundsätzlich ein Buch oder eine Zeitschrift dabei. Hier ist es duster, die Beleuchtung ist spärlich, und mit der Kerze auf dem Tisch kann ich kaum die Speisekarte lesen. Den Gästen an den Nachbartischen geht es ebenso. Allerdings haben sie ihre Kameraden zum Plaudern dabei.

Ich bestelle und lasse meinen Blick durch den Raum schweifen, bis er an der Wand gegenüber hängen bleibt. Dort, über einem Tisch, an dem zwei Frauen sitzen, sitzt im Knick zwischen Wand und Zimmerdecke eine Nacktschnecke. Jedenfalls sieht es so aus, als sässe dort eine Nacktschnecke. Ich weiss nicht, ob das der richtige Ort und die richtige Jahreszeit für diese glitschigen Tiere ist. Vielleicht ist es auch nur ein Riss oder ein Fleck, der sich im flackernden Kerzenschein bewegt. Fragen mag ich niemand. Meinen Blick abwenden kann ich allerdings auch nicht. Macht auch nichts, lesen geht ja nicht. Und sie bewegt sich doch.

Am nächsten Morgen hat der Regen, der nachts durchgängig gegen die Fenster geprasselt ist, aufgehört. Der Sturm ist geblieben. Die Wellen türmen sich auf und werfen sich wütend an den Strand. Ich bleibe stehen und schaue fasziniert zu, bis ich von ihrer Schnelligkeit überrascht werde und lachend zurückstolpere, um ihnen knapp zu entkommen. Das Salz auf den Lippen bleibt.

15 Gedanken zu “28.1.2018

  1. Da muss ich doch gleich schreiben, ich „Sylt-Verrückte“. Ich war im November dort und es war wunderbar. Es war windstill und sonnig mit dramatischen Wolken und riesen Wellen.
    Ich war dann in dem „Restaurant“ das aussieht wie ein Schiff in Wenningstedt meinem Lieblinsort auf Sylt. Ich habe wunderschöne Fotos gemacht, sehr dramatische Fotos, weil das Licht so toll war bei Sonne mit dramatischen Wolken. Weil ich von Bayern aus 8 Stunden einfach mit dem Zug brauche und nicht bei Regen dort sein will (Hang zur Blasenentzündung seit der Antihormontherapie) fahre ich immer mit der 3 Tageswettervorhersage aus dem Internet spontan hin und hatte so immer gutes Wetter, also ohne Regen.
    Ich beneide Dich dass Du so nah dran wohnst. 3-4 mal im Jahr nehme ich die weite Anfahrt nach Sylt auf mich und dann noch 3-4 mal im Jahr nach Norderney (auch 8 Stunden Zugfahrt einfach, plus 1 Stunde mit der Fähre), meiner zweiten Trauminsel.
    Nirgendwo bin ich so glücklich wie auf Sylt und Norderney.

    Genieße es und grüße die Möwen von mir, ich komme auch bald wieder !
    LG

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  2. Übrigens das „Restaurant“ in Wenningstedt in das ich immer gehe hat immer geöffnet, auch im Winter und ist direkt am Strand mit herrlichem Meerblick bei großen Fensterfronten.
    Ohne das würde ich im Winter gar nicht hinfahren, weil ich einen Unterschlupf brauche falls es regnet, da ein Schirm ja nichts bringt . Das „Restaurant “ nennt sich ganz banal Strandbistro, obwohl es sehr gemütlich ist und man dort auch was essen kann, allerdings wahrscheinlich nur einfachere Gerichte.
    LG

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