Antarktis. Tag 6

Der Wake Up Call um 7.00h verkündet, dass die Anlandung auf Useful Island in der Gerlache Strait mit den Zodiacs „bumpy“ wird. Der Schnee, der in der Nacht fiel, hinterlässt glitschige Decks an Bord und Felsen auf der Insel.

Wir sind die Ersten, die in dieser Saison auf Useful Island landen. Unberührte Natur. Esel-Pinguine brüten in ihren Kolonien und klauen sich gegenseitig die mühsam gesammelten Steinchen aus den Nestern, der Wind weht den üblen Guano-Gestank zu uns herüber. Mindestens fünf Meter Sicherheitsabstand zu Pinguinen sind Pflicht, um sie nicht zu stören. Ausserdem dürfen wir den rotbeflaggten Pfad nicht verlassen, Gletscherspalten können unter dem Schnee lauern.

Es schneit und stürmt, während wir hintereinander einen Gipfel erklimmen, allesamt in dicken roten Jacken, Mützen, Sonnenbrillen Handschuhen, Boots und Rucksäcken; so muss sich eine Everest-Expedition anfühlen. Aber mit Pinguinen.

Mittagsbesuch auf der Brücke. Der Ausblick ist atemberaubend; das Schiff gleitet durch Eisberge, um uns herum riesige Gletscher, Berge und Schnee. Ich habe noch nie etwas so schönes gesehen.

Nachmittags geht es weiter nach Noka Island; wir setzen über, erklimmen den nächsten Berg, um uns herum Penguin-Highways und Kolonien mit brütenden Esel-Pinguinen inmitten einer gewaltigen Gletscherlandschaft. Das Wetter schlägt um: statt im Sonnenschein geht es im Schneesturm dem Gipfel entgegen.

In der Club Lounge frage ich die Chinesen am Nachbartisch, was in den flaschenähnlichen Behältnissen ist, die sie fast alle vor sich stehen haben. L., die zwar kein englisch aber etwas deutsch spricht, erklärt, dass es Tee aus Baumflechten sei, die sie aus China mitgebracht haben. Ein Mann aus ihrer Gruppe springt auf und kommt mit Tassen zurück. M. und ich werden zum Tee eingeladen: es duftet und schmeckt nach Jasmin, Blüten und Blätter schwimmen in unseren Tassen. Als ich frage, ob sie auch Taiji machen, ist die Begeisterung gross. Wir verabreden uns locker für die nächsten Tage auf eine gemeinsame Session.

Dinner mit den drei California Girls, die ich in mein Herz geschlossen habe und meiner israelischen Zimmergenossin Y. (auch ins Herz geschlossen). M. und C. haben gestern gesehen, wie C., der Autist ist, mit bewegenden Worten die Asche seines verstorbenen Freundes in der Antarktis verstreut hat. Und erzählen, dass M. immer die Asche ihres verstorbenen Mannes und C. die ihrer verstorbenen Mutter dabei hat. G. schaut ungläubig und kann es nicht fassen, dass sie ihre Kabine statt zu dritt de fakto zu fünft teilen. Ihr gruselt‘s.

Wir erreichen Paradise Bay. Da ich das Unterfangen ‚Camping‘ gecancelt habe (ich bin auch so glücklich*), ziehe ich meinen Doutzen Kroes I-Bikini an und gehe um 22.00h mit Y. in den Jacuzzi auf Deck 5. Um uns herum Stille und die unwirkliche Kulisse der Antarktis. Schneeflocken rieseln auf uns herab.

*) Safety first: zum Campen ist das Mitbringen von Getränken und Nahrung verboten. Medikamente müsste man für 2 Tage dabei haben, falls man durch die Wetterlage gehindert wird, zurück zum Schiff zu kommen. Tamoxifen kann ich nur mit Getränk und zu einer Mahlzeit einnehmen. Deshalb habe ich das lieber abgesagt.

8 Gedanken zu “30.11.2017

  1. Dein Antarktis-Abenteuer klingt auch ohne Camping fantastisch. Hast nur du das Ganze abgesagt, oder konnte es wetterbedingt gar nicht stattfinden?

    Endlich kommt Doutzen Kroes zum Einsatz😉

    Gefällt 1 Person

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