Zuhause.

Vorsichtig setze ich einen Fuß vor den anderen. Um mich herum ist es schneeweiß; ich sehe nicht wohin ich gehe, wo der Raum endet, es gibt keinen Horizont, keinen Boden, keinen Himmel. Alles liegt im dichten Nebel. Irgendwann erreiche ich eine Anhöhe, die fließend in eine Wand übergeht.

Langsam drehe ich mich um, um den Rückweg anzutreten. Die Sicht ist klar; das Ende des Saales, die imposanten Marmorsäulen und die Museumswärterin sind deutlich zu erkennen. Ich gehe weiter, bleibe stehen, schaue zurück in eine weiße unendliche Wüste. Die Ausstellung „The Illusion of Light“ und  die Nebelinstallation von Doug Wheeler haben mich Ende 2014 im Palazzo Grassi sehr beeindruckt. 

Gestern Nacht wache ich auf und bin nicht allein. Die Angst hat sich zu mir gesellt, sie hat sich um mich gelegt wie ein dichter, schwerer Nebel, aus dem ich nicht herausfinde. Unwillkürlich denke ich an die Nebelinstallation, die Unsicherheit, die Angst zu fallen.

Ich versuche, die Lage sachlich zu bewerten.

Da ist der Schmerz im linken Knie, das sich der Hausarzt angeschaut und festgestellt hat, dass es sich um keine Thrombose handelt und ich mit einer Knochenmetastase – und das ist meine Befürchtung – nicht mehr laufen könne.

Und dann sind da die Knoten im Narbenbereich auf der linken Seite, die bereits von drei Ärztinnen abgetastet wurden. Das könne nichts sein. Schliesslich habe ich eine OP und eine Strahlentherapie hinter mir. Und das Medikament nehme ich auch regelmässig ein, genauso wie ich täglich Sport mache und mich gesund ernähre.

Und trotzdem habe ich Angst, in der Nacht dringen die rationalen Argumente nicht zu mir durch. Ich versuche, ruhig zu bleiben und auf den Morgen zu warten. Wenn die Sonne kommt, wird sich der Nebel auflösen. Wenn der Tag kommt, kann ich aktiv werden.

Später hole ich einen Termin beim Orthopäden, der glücklicherweise schon diesen Donnerstag Zeit für mich hat. Meinen Sonografie-Termin im radiologischen Zentrum kann ich auf Mitte September vorziehen. Und abends im Fitnessraum lege ich einige extra-Minuten auf dem Stepper ein.

3 Gedanken zu “04.09.2017

  1. Lese ich von Dir? Oder von mir? Dieser dumme Knoten auf meiner linken Seite ist auch nicht weggegangen bei mir, das Bromelain hat leider nicht geholfen. Nächsten Montag hab ich Gott sei Dank Termin zur Nachsorge. Dann schauen wir mal was das ‚Ding‘ da an meiner Narbe ist, und warum es nicht weggeht.
    Die Angst, unser ständiger Begleiter… So ist es wohl… wird bleiben.
    Ich drücke Dir die Daumen und denke an Dich!!! 🍀
    LG Mary 🌹

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