Unterwegs.

Die blonde Frau am Nebentisch grüsst zu mir ‚rüber und lacht. Ich grüsse zurück und bin irritiert, genauso wie es offensichtlich auch ihre männliche Begleitung ist. Ich kenne die Frau nicht.
Und zumindest der Mann scheint mich auch nicht zu kennen.
Wir waren doch vorhin zusammen im Flieger, raunt sie ihm zu.

Es ist kurz vor 10 Uhr, die Sonne scheint, ich schaue von der Rooftopbar des Steffls über die Dächer von Wien. Ich trinke ein Glas Sekt, dazu einen Milchkaffee, und es gibt frisch gebackenes Vollkornbrot mit Quark, Hummus und Gemüsesticks. Ein Kompromiss zwischen gesund und gönn-dir-was.

Im Stephansdom zünde ich zwei Kerzen an, eine für meinen Wiener Mitkämpfer A., der gerade in Kroatien weilt und eine für mich. Ich wünsche uns Gesundheit und ein langes Leben. Eine Weile beobachte ich die Kerzen, ich möchte nicht, dass sie erlöschen, das wäre ein schlechtes Omen. Die Kerzen brennen selbstsicher vor sich hin, ich bin beruhigt und gehe hinunter zur Donau.

Es wird ein heisser
Tag werden, der Weg am Fluss neben der Bahntrasse stinkt. Statt einer Donaufahrt besuche ich das Museum der Illusionen. Verlassen tu ich es später in schwindeligem Zustand; an einigen Objekten hängen Warnungen, dass man diese nur im gesunden Zustand testen solle und nicht, wenn man z.B. gerade operiert wurde. Ich teste natürlich alles, auch wenn ich aus einem Raum an der Wand entlangtastend herausstolpere.

Endlich schaffe ich es, auch mal die Nationalbibliothek zu besichtigen, der Prunksaal ist atemberaubend schön, bis unter die Decken lagern wertvolle alte Schriften.

Danach ein frischgepresster Smoothie mit Ingwer, an der Hofreitschule vorbei und weiter ins Untere Belvedere, noch mehr Prunkräume, noch mehr Gemälde und draussen noch mehr Hitze. Auf dem Weg durch den Park ins Obere Belvedere macht mein Hamburger Nieselwetter-Kreislauf schlapp, mittlerweile sind hier 34 Grad, ich setze mich auf eine Bank und ruhe mich aus, bevor ich ins Hotel aufbreche.

Erst bei Anbruch der Dunkelheit wage ich mich wieder vor die Tür, mit 28 Grad kann ich besser umgehen. Ich fahre mit der Strassenbahn und lasse mich treiben, der Weg ist das Ziel. Am Burgtheater beschliesse ich auszusteigen, am Rathaus läuft ein Filmfestival, ich schlendere durch die Stände und hole mir Süsskartoffelpommes mit Wasabi-Mayo. Zu spät fällt mir auf, dass die nicht unter gesunde Ernährung fallen, genauso wenig wie der Sekt und der Apfelstrudel vom Nachmittag. Dafür hast du dir heute schon viermal die Zähne geputzt, sage ich zu mir selbst. Das hat zwar so gar nichts damit zu tun, was ich heute gegessen habe, aber ich kann es ja mal erwähnen. Es ist Urlaub, sage ich mir und gebe Ruhe.

10 Gedanken zu “26.08.2017

    1. freue mich, dass Du Dich freust 😀Ich hab sogar ein Foto von den Kerzen gemacht, aber kann das nicht in meinem Blog-Design einfügen. Die Kerzen standen, wenn Du durch den Eingang gehst, ganz rechts.
      Wien war wieder wunderschön, zu Recht auf Platz 2 der beliebtesten Städte.

      Gefällt 1 Person

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