Im Sanatorium. Flashbacks

Wenn ich die Blutabnahme verweigere, da nach mehrmaligen Versuchen der Schwester kein Blut fliessen will und auch der herbeigerufene Chefarzt mich nicht von einem weiteren Versuch überzeugen kann.

Wenn ich keinen Rollator bekomme und nur mit dem Sitzkissen eines Rollstuhls das Haus verlasse.

Wenn mich alte Menschen mit Krücken und Rollstuhl auf dem Gang zum Speisesaal überholen, weil ich kaum laufen kann.

Wenn ich im Speisesaal allein an einem Stehtisch stehe, da ich nicht sitzen kann und mich darüber freue; ich brauche mich nicht zu unterhalten, ich will mich nicht unterhalten.

Wenn ich mein Bett nicht verlassen kann und Träume bunt sind, weil Tetrazepam, Tramal und Co mein täglich Brot sind.

Wenn der Arzt sich weigert, meine Medikamente zu reduzieren und mich stattdessen zu einem Vortrag über Schmerztherapie schickt.

Wenn ich meine Medikamente mit Hilfe einer pensionierten Apothekerin, die ich bei der Reha kennen gelernt habe, langsam absetze.

Wenn ich eine Magenverstimmung melde und zwei Tage Quarantäne bekomme und mein Zimmer nicht verlassen darf, während draussen die Sonne scheint und die Eltern warten.

Wenn mir beim Perlenkettenknüpfkurs die Dose mit den weißen Perlen runterfällt und ich mich nicht bücken und sie aufheben kann und hilflos zuschaue, wie die Krebspatienten unterm Tisch die Perlen für mich aufsammeln.

Wenn ich einen Termin bei einem Psychologen erbitte und darauf hingewiesen werde, dass der nur Patienten mit einer Krebserkrankung zur Verfügung stünde.

Wenn ich beim Abschlussgespräch mit dem Arzt empört feststelle, dass ich nicht behindert sei und keinen Behindertenausweis brauche.

Wenn ich nach fünf Jahren in die selbe Klinik gehe, in der ich damals wegen meiner gecrashten Bandscheibe war und sich die Vorzeichen geändert haben.

7 Gedanken zu “12.07.2017

  1. Na bravo! Da kommen ganz schön viele Wenns zusammen – tut mir leid, dass Deine „Götter in Weiß“ so drauf sind und Dich so „behandeln“. Aber ich stimme Dir absolut zu, dass man sich nicht einfach alles gefallen lassen darf und nicht zu Allem Ja und Amen sagt. Es ist Dein Körper, Deine Gesundheit, Dein Leben!! Umarme Dich! Alles Liebe- Herta

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    1. die konnten ja nix dafür, dass ich als lahme Ente mit gecrashter Bandscheibe eingecheckt habe 😉 Ich denke auch, dass eine Schmerztherapie grundsätzlich eine extreme Erfahrung ist, da man neben sich steht, bei der Einnahme von Opiaten, Morphinen etc kein Wunder…ich kann die Klinik – bis auf das Essen – sehr empfehlen. Bringe sogar Bauchmuskeln mit nach Hause 🙂

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    2. Ich weiß nicht, ob ich hoffen soll sie nicht zu brauchen oder ob es nicht auch mal schön wäre, so eine Ausszeit zu nehmen.

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