Im Sanatorium. Tag 27
Mein Kinn ist in Augenhöhe mit den Wassertropfen, die in den Aussenbereich des hellblauen Pools fallen und kleine Kreise ziehen. Der Himmel ist dunkel, es donnert. Ich warte noch etwas am Übergang zum Innenbereich, ein Herr starrt mich an, ebenfalls am Übergang verharrend. Er ist älter, hat ein hageres aristokratisches Gesicht und helle Augen und wendet seinen Blick nicht von mir ab. Ich mag nicht angestarrt werden. Ob er vor mir nach drinnen schwimmen möchte, frage ich, er antwortet, dass wir auch gemeinsam durch den Übergang passen. Ich wende mich ab und schwimme nach drinnen. Hier ist es warm, die Badegäste drängeln sich am Beckenrand, die Sprudelanlage ist angegangen. Ich umrunde die plaudernden Damen und Herren und ziehe meine Bahnen. Ganz hinten in der Ecke erspähe ich das hagere Gesicht, die Augen geschlossen, der Kopf liegt im Nacken, drumherum eine grüne Schwimm-Nudel, auch er versinkt im blubbernden Wasser.

Ich schaue, ob ich U. irgendwo ausmachen kann, aber ihre rosa Badekappe ist nirgendwo zu sehen. Gestern, als ich das Gesundheitszentrum passierte, sah ich die Badekappe im Bewegungsbad hüpfen, dazu ertönte das helle Lachen von S. S. ist heute abgereist. Nach Hause. In die reale Welt.

Gestern Abend in der Weinbar haben wir unsere Ziele ausgetauscht – was haben wir aus dem Drama gelernt, was werden wir ändern? Wir stoßen wieder mal auf das Leben an; wir werden uns regelmässig wiedersehen, wir werden uns Feedback geben und erfahren, ob wir unsere Vorsätze verfolgen. Wir werden miteinander lachen und diskutieren. Wir werden füreinander da sein.

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