Im Sanatorium. Tag 26
Der Regen tropft von den Bäumen in meinen Eisbecher, während ich durch den Wald wandere. Meine aufgeweichten Turnschuhe geben ein schmatzendes Geräusch von sich, der nasse Waldboden gibt bei jedem Schritt nach. 

Heute morgen um 11 Uhr fiel meine Walking-Gruppe aus, weil der Regen einsetzte, ich bin stattdessen in den Fitnessraum gegangen und habe dort meinen Nachmittags-Termin wahrgenommen. Jetzt ist es Nachmittag, es regnet immer noch, und ich bin meine eigene Walking-Gruppe.

Ich habe keine Bedenken mehr, dass ich mich verlaufe. Auch wenn ich Orientierungslegastheniker bin, lande ich am Ende immer am Minigolfplatz, auf dem U. und ich gestern Abend in der Sonne gespielt haben. Jetzt hat er geschlossen. Der Regen ist der einzige Spieler auf dem Platz und lässt die Tropfen in die Löcher fallen.

Es ist gut, dass ich allein wandere, ich kann über die Gespräche nachdenken, die ich mit der Psychologin führe. Wir sind auf einer Wellenlänge, sie lässt mich reden, ich rede gern, und manchmal macht sie kleine kluge Anmerkungen, über die ich noch nachdenke, wenn das Gespräch schon längst beendet ist. Drei Termine bekommt man in seinen Plan gesetzt, wenn man Gesprächsbedarf mit einem Psychologen hat. Ein vierter wird mir von der Ärztin bewilligt, danach finde ich einen Brief von meiner Psychologin im Briefkasten, sie hat einen fünften Termin für mich abgemacht, wenn ich denn möchte. Ich möchte.

Der Regen wird stärker, die Sahne auf dem Eis verschwimmt.

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