Im Sanatorium. Tag 2

Ob ich gegen etwas allergisch sei, fragt mich die Diätassistentin bei unserem Termin. Gegen ungesunde Ernährung, antworte ich.

Am Restauranteingang ist ein Mahnmal aufgebaut, das Nutella, Haribo, Fertigsuppen & Co mitsamt den Zuckerwürfeln zeigt, die in den Lebensmitteln enthalten sind. Am Buffet gestern Abend stand ich allerdings unschlüssig zwischen verarbeiteter Wurst, hellem Brot, Kartoffelpuffer und Kaba-Kakao herum, alles Dinge, die ich aus meinem neuen Leben gestrichen habe, da sie nicht in meine Definition von gesunder Ernährung fallen. Es werden bei der Reha auch Ernährungs- und Diät-Vorträge gehalten, was ich gut, wenn auch skurril finde, wenn ich die angebotenen Speisen sehe.

Ich zähle auf, was ich alles nicht mehr esse, schnell wird der Dame klar, dass bis auf Käse und Gurkenscheiben nicht viel bleibt, was mir zusagt. Meinem Vorschlag, dass ich mir Obst und Avocados mitbringe, wird zugestimmt. Es solle nur nicht ausarten mit meinem eigenen Büffet. Ich lächele zustimmend und gehe gedanklich durch, wie ich weitere Dinge in den Speisesaal schmuggeln kann.

Auf zum dritten Termin des Morgens, um 9.00 Uhr sitze ich beim Ergotherapeuten. Auf den Blick in meine Patientenkarte – beidseitige Brustkrebs-OP und Bandscheiben-OP – stellt er fest, dass ich hiermit schon die schweren Dinge abgedeckt hätte. Ich weise darauf hin, dass er mich nicht demotivieren solle, was auch immer wir hier ergomässig machen, um mein Befinden zu optimieren – ich bin dabei. Er drückt 20 Minuten am Rücken und der rechten Schulter herum, dann sind wir fertig. Beim nächsten Mal wird er mit der Narbentherapie beginnen. Wenn er dann nicht gerade sein zweites Kind bekommt, das nächste Woche Stichtag hat. Fröhlich verabschieden wir uns, vielleicht sehen wir uns in der kommenden Woche wieder. Vielleicht aber auch nicht.

 

5 Gedanken zu “16.06.2017

    1. ich bin vielleicht auch gerade übersensibel. Aber ich debattiere ja nicht lange und hab das „Problem“ gelöst: hab mir grad beim Bäcker Roggenbrötchen geholt, Obst, Käse und ne Avocado – und mir noch nen schönen Blumenstrauss geschenkt – jetzt nen Kaffee – läuft. 😀

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  1. Gutes Essen für alle läuft über die Kostenschiene….rechnet sich nicht! Catering heißt das Zauberwort, preisgünstig, schlecht und ungesund. Nicht darüber nachdenken! Ich habe in der Reha zum Mittag auch nur den Salat gegessen, Snacks habe ich selbst gebacken und mitgenommen. War ja „Gott sei Dank“ ambulant! 🤗

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    1. da hast Du Recht, es geht um Budgets und Wirtschaftlichkeit. Ich esse hier sehr selektiv und kaufe jetzt auf dem Wochenmarkt dazu. Finde es trotzdem verantwortungslos, gerade hier mit ungesunder Ernährung aufzuwarten. Zumal 90% der Patienten (Grossteil Orthopädie) stark übergewichtig ist – lieber Melone statt Kartoffelwedges zum Abend 😉

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    2. Ich bin ganz bei dir! Bei mir war sogar die Diätassistentin, die die Vorträge über Ernährung gehalten hat, übergewichtig. Ich musste nicht lernen wie Ernährung geht, aber all` die unwissenden Patienten!?Ich finde es unverantwortlich, aber das ist unser Gesundheitssystem!…was immer das auch ist!?

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