Im radiologischen Zentrum.

Zu viele Dinge ereignen sich gerade auf einmal. Ich mag es nicht. Ich bin kein Abenteurer, sondern Engländer. Ich möchte, dass die Dinge so bleiben, wie sie immer waren; aber plötzlich verändert sich alles. Es ist fürchterlich.
Forrest Leo, Der Gentleman

Ich habe das hier unterschätzt, sage ich zur Strahlenärztin, ich mit meiner „hier-gehe-ich-straight-durch„-Haltung. Sie lacht. Dass ich mein Leben im Moment nicht „normal“ führen kann, sei normal, ebenso meine permanente Müdigkeit. Meine Hautirritationen -die Verfärbungen, das Stechen und Ziehen im bestrahlten Bereich – sind eine weitere gängige Nebenwirkung. Und überhaupt sehe der bestrahlte Bereich gut aus. Das freut mich.

Heute ist Bergfest, noch ein paar Termine mit voller Bestrahlung, dann werden einige weitere folgen, an denen punktuell der Bereich avisiert wird, wo die Tumore saßen.

Ich erzähle ihr von der Reha, auf die ich mich freue, und von den Schreibfehlern beim NTHL1-Gen, die die Humangenetiker entdeckt haben, aber es in keiner Literatur verzeichnet ist, inwiefern sich dies auf das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, auswirkt. Die Strahlentherapeutin sieht das wie ich: nicht nervös machen lassen, eine Darmspiegelung angehen und gut ist.

Dass mich der Zustand und die Gespräche der anderen Krebspatienten im Wartezimmer belasten, könne sie nachvollziehen, allerdings sehe vieles schlimmer aus als es ist. Sie können hier mit der Strahlentherapie sehr gute Ergebnisse erzielen und den Menschen helfen. Die Brustkrebspatienten haben grundsätzlich eine gute Ausgangsposition.

Und dann sagt sie etwas sehr wichtiges: „Sie sind gesund„.
Die Strahlentherapie diene zur Sicherheit, dass auch wirklich keine Krebszelle, die unter Umständen nach der Operation zurückgeblieben sein könnte, überlebt. Und auch die permanenten Nachuntersuchungen werden aus Sicherheitsgründen gemacht.

Ich bin gesund. *

 
*Und ignoriere jetzt erstmal die Schreibfehler auf dem Gen und die Schilddrüse, die entfernt werden muss, aber das ist eine andere Geschichte.

4 Gedanken zu “11.05.2017

  1. Die Behandlung ist Horror, das kenne ich von meinem Vater. Aber toll, dass du „gesund“ bist! Ich freue mich riesig für dich! Die restlichen Bestrahlungen schaffst du auch noch! Kopf hoch!

    Gefällt 1 Person

    1. vielen Dank! Offiziell gesund ist man glaube ich nach fünf Jahren ohne Rückfall – aber für die Psyche ist es besser zu denken „ich bin gesund“ und nicht „ich bin krank“ – auch wenn mir grad alles weh tut – aber der Strahlen-countdown läuft 🙃

      Gefällt 1 Person

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